In den Brüchen zwischen den verhärteten Fronten von Neurofunk und Liquid macht sich auch Breakage auf die Suche nach den verlorenen Breaks. Damit Drum and Bass endlich wieder so vielseitig wird, wie zu seinen besten Zeiten.
Text: Felix Krone aus De:Bug 104


Breakage // Passt irgendwie

Kennt ihr das auch? Ihr legt gerade in einem Club auf, der Spannungsbogen zieht richtig ab und plötzlich ruft irgendjemand: “Schneller!” Ich meine, du legst gerade Drum and Bass auf, und es gibt jemanden, dem das zu langsam ist. Manchmal gibt es auch jemanden, der mit seiner Faust andeutet, dass er gern “auf die Fresse”, sprich härtere Beats, hätte. Das können doch nur die Spätfolgen der verstrahlten Two-Step-Ära rund um die Jahrtausendwende sein. Vielleicht gehörst du auch zu der Fraktion, der es gar nicht schnell und sägend genug sein kann. Dann ist dir in letzter Zeit hier und da bestimmt einiges komisch vorgekommen. Zwar hast du dich gerade so mit Liquid anfreunden können, weil deine Freundin auch mal tanzen will. Mit Breaks konntest du aber noch nie etwas anfangen. Und genau die füllen gerade das Neuigkeiten-Fach in deinem Lieblings-Plattenladen. Was nun?

Drum and Bass war nicht immer so eingängig und zackig wie heute. Two-Step hat eine Zeit hinter sich gelassen, die vor allem auch für Namen wie Goldie, Digital, Photek oder Peshay steht. Eine schillernde Zeit, in der Drum and Bass weiter vorn war als jede andere Musik. Das lag an der Herangehensweise der Produzenten, an den verschachtelten Beats und Breaks, die Drum and Bass für viele einzigartig gemacht haben. Zwar gab es auch später ungerade Beats, ein wichtiger Teil von Drum and Bass ist dennoch untergegangen. Da konnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis das irgendjemand antreten würde, das zu ändern. All die Oldschool-Spielereien haben es ja schon angedeutet.

Einer dieser Produzenten ist James Boyle aka Breakage, dessen Name gleich mal ein neues Zeitalter verkündet. Mit sehr jungen 13 Jahren hat der Londoner angefangen aufzulegen. Das war vor Two-Step. Und mit immer noch jungen 17 Jahren waren seine Tunes bereits so gut, dass Reinforced, eines der wichtigsten Drum-and-Bass-Label überhaupt, mehrere 12″s und EPs von ihm veröffentlichte. Der Mainstream kümmerte sich währenddessen um ganz anderes. Von Reinforced ging es irgendwann zu Bassbin, nachdem das Label mit dem R auf dem Cover in den vorläufigen Ruhestand ging. Mittlerweile hatte er auch mehrere 12″s auf Inperspective und Critical Records veröffentlicht. Und mit Equinox zusammen sein eigenes Label, Scientific Wax. Auf Inperspective waren auch noch mehr Releases von ihm geplant. Weil die Tunes dort dann doch zu lange herumlagen und zu verstauben drohten, gab er sie lieber zu Planet Mµ. Mike Paradinas outete sich als Fan und fragte ihn kurz entschlossen nach mehr Tracks, die die Grenze zwischen Breakcore, das für eine Zeit lang ja die Weiterentwicklung gecutteter Beats fast allein übernommen hatte, und Drum and Bass weiter aufweichen. Wer könnte da nein sagen.

Breakages Spezialität sind zercuttete Beats und dubbige Vocals. Seine Musik ist deeper als vieles, was in Drum-and-Bass-Clubs üblich ist. Auch bei seinem aktuellen Album “This Too Shall Pass” hat er sie auf sehr wenige Zutaten reduziert. Das können endlose Hall-Räume und Dub-Schnipsel sein und gepitchte “Oh Baby”-Samples liegen immer noch in meinem Ohr. Hier eine verlegene Fläche, da ein Vocal, das den Beat so lange begleitet, wie es Lust dazu hat. Breakage steht auch für energiegeladene Amen-Break-Gewitter und Beat-Arrangements, die sich immer weiter hochschaukeln, bis selbst das Barpersonal grinsen muss und die Feuerzeuge zückt. Klar dass seine Inspirationsquellen Photek, Goldie, Source Direct und Co heißen. Über Photek, den Produzenten-Gott der 90er, hat er sich geärgert, weil er nur noch technoide Tunes releast, die nichts mit dem zu tun haben, was ihn berühmt gemacht hat. Da hat auch Paradoxs Unterschriftensammlung nicht geholfen. Was soll’s. Dann bleiben die Lorbeeren eben bei Breakage.

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Elektronische Lebensaspekte.