Brett Johnson ist nicht so für Surfen. Deshalb bleibt er in seiner Geburtsstadt Dallas. Seine Produktionen schließen aber an die kalifornische Housewelle um JT Donaldson, Lance DeSardi und Tim Shumaker an. Kein Wunder, kamen die doch auch mal aus Dallas. Texanisch-kalifornische Freundschaft ölt die Housemaschine.
Text: sven von thülen aus De:Bug 63

Techgarage

Süßsaure Seitenstraßenmusik
Brett Johnson/ Aesoteric

US House strikes back. An der jungen Garde amerikanischer House-Produzenten, die seit Monaten ihre frisch-bouncenden Release in die Plattenkisten wohlbekannter House-Afficinados streuen, kommt man im Augenblick nur schwer vorbei. Der Texaner Brett Johnson ist einer von ihnen. Mit Veröffentlichungen auf den führenden kalifornischen Labeln Seasons und Panhandle, dem interkontinentalen Classic und dem belgischen Hi-Phen Label hat er seine Fähigkeit, unkonventionelle Sounds und vertrackte Grooves mit einem klassischen, soulful Houseentwurf zu versöhnen, eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Ähnlich wie die anderen Aktivposten dieser neuen Generation JT Donaldson, Lance DeSardi und Tim Shumaker begreift er die Tradition des US House nicht als Korsett, sondern bastelt aus allerhand Versatzstücken seine Tracks, ohne dabei irgendeiner Schule verpflichtet zu sein.

So viele ästhetische Gemeinsamkeiten können kein Zufall sein. Und siehe da, wie die eben genannten stammt auch Brett Johnson aus Dallas und schwärmt von den Ursprüngen der dortigen Szene: “Wir machen die Musik, die wir machen, weil wir Anfang der Neunziger alle Teil einer qualitativ hochwertigen Undergroundszene in Dallas waren. Wenn ich einen Track von JT (Donaldson), Lance (Desardi) oder Tim (Shumaker, Home & Garden) höre, fühle ich ein Teil von zu Hause. Egal ob die Sachen jetzt von der Westküste kommen, es ist definitiv kein Westcoast-Sound. Die anderen würden dir mit Sicherheit dasselbe sagen.”

Das musste mal gesagt werden, denn im Gegensatz zu den anderen wohnt Brett nämlich immer noch in Dallas und nicht an der Wiege amerikanischer Subkultur zwischen San Fransisco und Los Angeles (okay, Tim Shumaker wohnt in Chicago, aber Ausnahmen…). Auch wenn einem ein flüchtiger Blick auf die Platten seines Labels Aesoteric etwas anderes suggerieren könnte, denn Bretts Partner in Crime, Demarkus Lewis und Mark Garey, mit denen er Aesoteric ins Leben gerufen hat, kommen aus San Fransisco. Texanisch-kalifornische Freundschaft. Seit 1998 betreiben die drei Aesoteric. Erklärtes Ziel ist, die breiten Pfade, die die Geschichte von House ins kollektive musikalische Gedächtnis gebrannt hat, zu meiden und die abgelegeneren Ecken zu erforschen: “Ich würde sagen, dass unsere Musik irgendwo in der Grauzone von House steckt. Ein bisschen Seitenstraßenmusik. Nicht oben, nicht unten. Irgendwo in der Mitte. Süß und sauer, wenn du willst,……und das macht uns (A)esoteric!” Geheimbündlerisch assoziiert sind bisher Iz&Diz, Cpen, Sebastian Amore und Johnson selbst als Basic.

Die Instrumentierung in deinen Tracks, vor allem die Keyboards, erinnern ein bisschen an NYC-Style Garage Sachen. Ist das ein Referenzpunkt für dich? Brett Johnson: “Definitiv! Ich möchte zwar nicht in der Vergangenheit leben, aber die Neunziger waren für mich eine große Inspirationsquelle. Es ist nur natürlich, kleine Referenzen zu deiner Vergangenheit zu machen.” Damit aus den kleinen Referenzen keine große Retro Sause wird, steuert Brett mit minimalen und verdrehten Grooves dagegen. Grooves und vor allem Beats, die in ihrer wendigen Agilität klingen, als wenn der gute Brett auch die ein oder andere minimale europäische House- und Technoproduktion zu Hause im Schrank stehen hat. Gibt es diesen transatlantischen Einfluss überhaupt? “Was meinen eigenen ‘Style’ angeht, ist es ja oft schwierig, das Spezielle daran genau zu verorten. Auf jeden Fall mag ich die Power von Techno-orientierten Beats, aber ich brauche auch den Soul und die Wärme von House und R&B. Wenn ihr meint, dass sich das europäisch anhört, dann ist das okay.”

Für die Wärme wird die strenge Logik des binären Codes schon mal kurzfristig verlassen und auf organische Klangquellen zurückgegriffen, die dann auch entsprechend von organischen Klangerzeugern hervorgebracht werden. Die Rede ist von Musikern: “Seit letztem Jahr arbeite ich mehr und mehr mit anderen Leuten zusammen. Und ich denke, dass das wichtig ist. Abwechslung ist die Würze des Lebens. Eine gute Balance zwischen elektronischen und akustischen Elementen ist das Beste. Kickende Beats, viele Nuancen und Live-Musiker…so funktioniert das für mich am besten.” Und nicht nur für ihn. Mit seinen letzten Maxis auf Classic und Seasons, die demnächst jeweils ein Album von Brett veröffentlichen werden (für das auf Classic hat er sich, wie schon für die “Bounce” EP mit Dave Barker zusammengetan), hat er sich ganz nach oben in die Wunschlisten so mancher, vor allem europäischer Labels gespielt. Playhouse, Silver Network, Out of Loop übernehmen sie. Wir freuen uns schon.

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Elektronische Lebensaspekte.