Dave Jones aka Zed Bias aka Phuturistix aka Daluq aka Maddslinky kehrt mit “Make your Peace“ zu seinen Wurzeln zurück. Nach Garage- und 2Step-Schlenkern legt er wieder Wert auf ”musikalische” Ansätze und serviert ein munteres Potpourri. Debug hat zwischen London und Berlin nach dem neuen Chef de Cuisine, der zwischen Italien-Schema und Deutsch-Hackepeter behend im Subbass cruist, gefahndet und sich in Extrem-Namedropping geübt.
Text: Kay Meseberg aus De:Bug 71

Gut und kernig

Wenn Roy Davis Jr’s Live-Garage-Version von “Gabrielle“ der Urvater des sternschnuppig verglühten 2Step ist, dann ist Dave Jones als Zed Bias einer der Erfinder dieses Genres, das vor einigen Jahren noch schneller gehypt wurde, als es schon wieder im Orkus der Popindustrie verschwand. Dieses Kapitel ist beendet. “Die einzigen schlechten Reviews bekomme ich heute in den Breaks-Magazinen (die mit ihren Lesern der roughe Rest des Heitideit-2Step sind – Anm. d. Verf.). In der Szene passiert nicht mehr viel, die ist fast tot. Es ist nahezu unmöglich, 1000 Maxis zu verkaufen. Nach dem Ende von 2Step habe ich darum beschlossen, das gut verdiente Geld lieber in Projekte zu stecken, die experimenteller sind, und ein paar Alben zu machen.“ Für dieses Jahr heißt das: In der zweiten Jahreshälfte kommt das Phuturistix-Album, das nach der knackigen “Deep Down“-Maxi nun mit “Feel it out“ so ladylike rockig schlenkert. Der heiße Feger Daluq-Remix auf der AA-Seite ist mit der von Zed Bias bekannten Drum and Bass-Ästhetisierung Bote des folgenden Daluq-Albums, das Dave mit DJ Rocca (bekannt von Schema) vorantreibt. Beides lässt aber noch auf sich warten. Die Maddslinky-Vorab-Single “Cargo“ steht im Laden und irgendwie verwundert die schon: Denn entfernt erinnert die Bassdrum an John Tejada. Man ist versucht zu fragen, ob Zed dead ist. Nein, eher macht er gerade seinen Frieden. Nein, der Titel hat nichts mit der bombigen Weltlage zu tun. Der Track ist mit Kaidi Tatham schon vor zwei Jahren entstanden. Dave Jones hat mal den Beruf des Kochs gelernt, war sogar für einige Zeit Küchenchef. Wenn also “Make your peace“ ein Menü wäre, würde er es als Buffet präsentieren. Nein, nicht die lauen, angetrockneten, gammeligen Brunch-Dinger, die in Berlin den sonntäglichen Gaumen strafen. Eher die ganze Mixed-Lunchtime-Bandbreite: All-You-Can-Eat für einen 5er. Gut und Kernig.

West-London Hackepeter

“Make Your Peace“ erscheint auf dem West-London-Label Laws of Motion. Statt Breaks schlufft Zed Bias als Maddslinky in die Ecke der Beatexperimentalisten und Soulfuturisten. Das kündigte sich schon vor knapp zwei Jahren an, als er als Zed Bias einen Remix für Two Banks of Fours “Hook on a line“ fabrizierte, bei dem er Blut geleckt hat. Ist er aber dort in West-London angekommen? Prüfung: Testhören des Albums. Vor Ort. 1. Mit Chris (Loungin’) am Steuer, Phil (Asher) und Mark (de Clive Lowe) im Font. Frage: Who is that? Soundso. Ah ja. Trommeln mit dem Fingern auf den Türblenden. Zustimmendes Nicken. Bei den Soul-Parts spitzen sich Phils Ohren. Die Fahrt von West- nach Ost-London. Chris vermisst ein bisschen den Future-Steps-Aspekt, wie früher bei Locked On und Sidestepper. Phil legt auf: Dann stehen im Spitz am Spitalfield Market ”Real People” auf der Bühne. Die Band von Nathan Haines, bei der Vanessa Freeman singt – schöner Gig. Einige Tracks der Band erinnern an Platten, die Dave auch in seiner Plattensammlung stehen haben könnte. Immerhin kommt er aus der Rare-Groove-Funk-Soul-Ecke. Hat neben dem Kochjob begonnen, die Tonarme zu schwingen. “Make your peace“ ist ein Album geworden, bei dem Maître Jones mit genau dieser musikalischen Sozialisation spielt. Er kramt seine Plattensammlung durch, schippert durch die Breakbeats wie kein anderer. Und wenn es knackig wird, ist es dennoch nie überzogen, immer ladylike. Das ist ihm inzwischen wichtig: “Frauen erwarten mehr von der Musik, sie schenken ihr auch mehr Aufmerksamkeit.“ Und wenn es trotz allem mit der Musik nichts werden sollte, wird Dave Jones ein Restaurant eröffnen und sich der kreativen Küche hingeben. Dabei darf dann deutsches Hackepeter – seine Lieblingsspeise der deutschen Oldschool-Cuisine – nicht fehlen. Bon Appetit.

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Elektronische Lebensaspekte.