Musik und Witz. Bei "Iller Dan Je Ouders" (Kranker als deine Eltern) lassen die Amsterdamer ”Rednose Distrikt” das Rotlicht mit den Gaslaternen um die Wette blitzen. Boogiesk im Sinne von House trifft HipHop.
Text: Kay Meseberg aus De:Bug 73

Mehr Schubidu als bemooste Eltern

Amsterdam. Der Stau lässt sich Zeit, formiert sich neu, obwohl er sich doch gerade aufgelöst hatte. Rushhour. Telefonieren. Ja. Leider … Warten. Dann. Centraal Station. Treffen. Christiaan von Rushhour mit Steven von Rednose. Wenig Zeit. Das Ganze ist allein Zwischenstation. Wir setzen uns neben die verkehrsgünstigst gelegene Frittenbude Europas. Genau auf den Grünstreifen der vierspurigen Hauptstraße zwischen Hauptbahnhof und Viktoria-Hotel. Fritten + Majo + Kola = Interview.
Das Schöne an “Iller Dan Je Ouders” ist, dass es nie so krank klingt, wie Eltern sein können. Frühjahrsputz für die nächsten Halbjahre müssten bemooste Eltern erstmal halten, um einen solchen Charme des Schlüsselreiz-Neues-Terrain-Ausprobierens hinzubekommen. Gemächlich wäre das boogieske Schubidu beispielsweise, wenn es von den Ouders wäre. Bei Rednose aka Kid Sublime und Steven de Peven hingegen kommt es leicht, elegant und verschmitzt im großen und kleinen Bogen die Wendeltreppe hinunter und wirft sich dem Blues-Tanzpartner mit spöttischem Grübchen auf die lange nicht mehr gewienerten Lackschuhe. Geschniegelt ist bei Rednose rein gar nichts. Und das liegt nicht an Mocky.
Rednose Distrikt kommen aus dem Amsterdamer Rotlichtviertel. Direkt am Bahnhof. Hier wo sich Huren und Dealer Gute Nacht sagen. Hier kennen die beiden HipHop-Sozialisierten jede Ecke wie ihre Sampeldatenbank. Als Mocky mal für eine Weile bei Steven wohnte, machte er flugs aus Redlight Rednose. Mocky gave the light to me! Rednose hat also weniger mit der gefürchteten Nase zu tun. Den Jungs geht es um Heartbeats: Nach dem suchen, was im Viertel plakativ gerade nicht präsent ist. Musikalisch äußert sich das in Detailliebe und an einem ”Nicht unnötig herumschrauben, wenn alles gut so ist”. Als Rednose anfingen zu produzieren, lachten sie sich fast tot. Nur Beats und Loops flossen. Jeder Beat war ein Witz, der erst einmal schallend belacht wurde. Betont Steven. In dieser Konstellation macht dann auch der Domu-Mix auf der CD Sinn. Denn der Bravouröse treibt die Spannungskurve an, um sie beständig mit einem Wisch vorzustoppen. Vor, zurück, zur Seite, ran. Rednose schwingen genauso die Grachten entlang und lassen die Rotlichtfenster links liegen.
Die Zeit drückt. Jetzt schnell weiter. Schön hier zu sein. Danke. Leider zu kurz. Geht nicht anders. Schade. Roken is dodeljik – sagt mir die zu bezahlende Schachtel. Na dann lieber Fritten an Grünstreifen.

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Elektronische Lebensaspekte.