Die Welt als kapriziöser Verfall in Schwarzweiß
Text: Jan Joswig aus De:Bug 116


Terry Richardson (Hrsg.)
Bob Richardson
Damiani

Desolate Scheiße. Die Welt ist ein kapriziöser Verfall in Schwarzweiß – schlaff hingegossen mit großer Geste. Alle Schönheit braucht ihre Überschreitung. Der Fotograf Bob Richardson, Vater vom notorischen Terry Richardson, hat in den 60ern und 70ern für Magazine wie Vogue und Harper’s Bazaar mit unfassbarer Treffsicherheit den Moment aufgespießt, an dem Mode, Bohème, Hochglanz, das große Versprechen und der noch größere Untergang zusammenfielen.

Wenn die 60er der naive Aufbruch waren, in dem alles frei und grenzenlos wurde, ein endloser Abenteuerspielplatz, dann waren die 70er der fällige Kater, die kaputtmachende Einsicht in die Grenzen der Grenzenlosigkeit. Das Kollektiv zerbricht in Narzisse mit Dornenkronen. Niemand lacht. In schummrigem Schwarzweiß, in körnig, in Pelzkragen mit Spliff im geschminkten Mundwinkel, nackend mit Naziuniformmütze. Die alte Story. Sehnsucht zu groß. Bei Bob Richardson wird sie in den Rahmen von Modefotografie gezwungen – der affirmativsten aller Fotografien -, und gewinnt gerade deshalb an Überzeugungskraft.

Der Verlag Damiani bringt jetzt im Poster-Format einen schwergewichtigen Bildband heraus, der die ganze bitter-romantische Wucht seiner Fotografien auf 300 Seiten ausbreitet. Ergänzt wird der Band durch erstmals veröffentlichte a-chronologische autobiografische Notizen voller Weisheiten, Coolheiten und große Namen und durch ein Fotoessay zum Mythos Americana.
htpp://www.damianieditore.com

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Elektronische Lebensaspekte.