Ingo Niermann führt Interviews mit der Zukunft
Text: Kito Nedo aus De:Bug 123


Ingo Niermann
China ruft dich
(Rogner & Bernhard)

“Minusvisionen“ lautete der Titel des schmalen Suhrkamp-Bändchens mit Gesprächsprotokollen aus der Wirtschaftswelt, die vor fünf Jahren dem Berliner Journalisten und Autor Ingo Niermann viel Ruhm einbrachten. Im Sprechen über das Scheitern prallen Vision und Wirklichkeit aufeinander und produzieren Geschichte. Es gibt noch immer nichts Genaueres und Schöneres über den Geist, der die StartUp-Unternehmergeneration in den Neunzigern beseelte.

Auch sein neues, gerade erschienenes Buch “China ruft dich“ hat das Zeug zum Klassiker. Zur Recherche fuhren Niermann und die Fotografin Antje Majewski im Spätsommer 2005 und Herbst 2007 dorthin, wo sich offensichtlich die bestimmenden Kräfte für die kommenden Dekaden formieren. Beijing, die asiatische Megacity, heißt der Magnet für all jene, die sich sowohl von Europa als auch Amerika kein Glück mehr versprechen.

Mit insgesamt 19 Menschen verschiedener Herkunft hat Niermann gesprochen, darunter der deutsche Architekt Ole Scheeren, der in Beijing für OMA die Bauarbeiten der spektakulären neuen Zentrale des chinesischen Staatsfernsehens leitet, Guan Yi, einem einflussreichen Sammler chinesischer Gegenwartskunst oder dem Künstler Ai Weiwei, mit dem das Schweizer Architektenduo Herzog & de Meuron gemeinsam das neue Olympiastadion entwarfen. Ein sehr gelungenes Werk: Es riecht nur nach Gegenwart, in Wirklichkeit spielt es in der Zukunft.

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Elektronische Lebensaspekte.