Text: Mercedes Bunz aus De:Bug 42

Buch

Kurz vor Redaktionsschluss hagelte es dieses Mal Medientheoriebücher. Wahrscheinlich versuchen die Verleger, die Weihnachtsbäume im Endspurt noch zu erreichen. Wir helfen mit.

Akten
Eine Genealogie der Akten – es leuchtet einem quasi sofort intuitiv ein, dass so etwas ein spannendes Projekt ist. Cornelia Vismann hat in ihrem Buch die Beziehung von Medientechnik und Recht untersucht. Ein neuer Blick auf das Recht über die aktenführenden Magistraten Roms über die Kanzlei zum Büro bis zum Datenschutz. [Cornelia Vismann: Akten. Medientechnik und Recht. Fischer Taschenbuch Verlag 2000. 359 Seiten. 29,90 DM CJ]

Hyperorganismen
Essays, Fotos und Sounds, die während der Expo-Ausstellung “Wissen” bei dem größten Experiments der kollektiven Robotik relevant gewesen sind: Die Liste der Beitragenden (Medienkünstler, Theoretiker, Robotikexperten, et al.) kann hier leider nicht vollständig abgedruckt werden, aber sie spricht für sich selbst. Größtenteils verstreut schon veröffentlichte Texte von: Richard Barbrook, Regis Debray, Heinz von Foerster, Nick Land, Hans Moravec, Sadie Plant, Avitall Ronell, Pit Schultz, Michel Serres, Bruce Sterlin, Peter Weibel, Siegfried Zielinski, u.a. [Olaf Arndt, Stefanie Peter und Dagmar Wünneberg: Hyperorganismen. 450 Seiten + CD Rom mit Sound, Videos und Fotos. Internationalismus Verlag Hannover. 78 DM]

Kultureller Austausch
Peter Burke geht es hier um drei Topoi: 1. Welche Modelle kulturellen Austauschs in der Geschichte bislang diskutiert worden sind – ein Thema, an dem jeder, der etwas über Globalisierung sagen will, nicht vorbeikommt. 2. Die derzeitige Krise des historischen Bewußtseins, bzw. welche Geschichtsmodelle man zur Verfügung hat, wenn man nicht mehr daran glauben möchte, dass etwas “wirklich” passiert ist, sondern es immer in dem Licht erscheint, mit dem man darauf schaut. Und 3. die Idee der scientific community. Bemerkenswert ist dabei, dass man reiches theoretisches und historisches Wissen ohne gespreiztes akademisches Vokabular trotzdem intelligent vermitteln kann. [Peter Burke: Kultureller Austausch. 101 Seiten bei Suhrkamp 2000. 14.90 DM.]

Telefonbuch
Stefan Münker und Alexander Roesler haben mal wieder ein Medienbuch produziert. Das letzte, Mythos Internet, ist von 1997 und ungelogen bis heute noch für Internet-Theorie vollständig “upfront”. Und das will etwas heißen. Ausgangspunkt ist diesmal jedoch nicht das overhypte Internet, sondern das unterschätzteste Kommunikationsmittel der Gegenwart, wie es auf dem Klappentext heißt: das Telefon. 9 verschiedenen Autoren analysieren amüsant und informativ das immer kleiner werdende Gerät. Seine Geschichte, künstlerische Umsetzungen, seine Rolle im Film, seine Aussichten in der Zukunft und in der Philosophie. [Stefan Münker, Alexander Roesler: Telefonbuch. 201 Seiten bei Suhrkamp 2000, 19,90 DM.]

Vom Ende der Anonymität
Dieses Buch über die Globalisierung der Überwachung ist kein Bangemachverkaufsreibach, sondern wurde von kompetenter Hand kompiliert. Christiane Schulzki-Haddouti ist jahrelange Netzredakteurin u.a. bei Telepolis und Spiegel-Online, von denen Erstere ihre Präsenz im Netz jetzt mit Büchern erweitern. Die Themen kreisen um die Verschärfung der Überwachung durch die Digitalisierung, um Europol, BND und Polizei, um Robotter, Wanzen und das All, sowie Emails, Handys und Logfiles. Und hemmungslose Beobachter zu beobachten, scheint die richtige Taktik der Verteidigung. [Christiane Schulzki-Haddouti: Vom Ende der Anonymität. Verlag Heinz Heise 2000.188 Seiten, 29,90 DM]

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Elektronische Lebensaspekte.