Sohn tot, Frau weg, Job beschissen: Wie weiter?
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 117


Douglas Coupland
The Gum Thief
Bloomsbury

Was Douglas Coupland zu einem außergewöhnlichen Autor macht, sind nicht seine Geschichten, sondern sein Mut. Sein Mut, Dinge auszusprechen, zu thematisieren und ihnen ein neues sprachliches Gewand zu geben, die auf den ersten Blick so banal erscheinen, dass sich kaum jemand an sie herantraut. Ganz einfache Dinge, unsere Grundängste, die einem selbst so lächerlich erscheinen, dass man kaum wagt, sie auszusprechen.

Couplands Bücher kreisen um diese Selbstzweifel, um die alltägliche Existenzangst und den Kampf, mit der Welt zurecht zu kommen. Und so einfach und klar diese Ängste sind, so offen und ehrlich, so einfach und direkt ist Couplands Sprache in seinen Büchern. Hinter den Geschichten lauert die immer gleiche Frage nach dem “Wie weiter?”. So auch bei “The Gum Thief”. Roger arbeitet bei Staples. Sein Sohn ist tot, seine Frau hat ihn verlassen, er trinkt den ganzen Tag Wodka, eine Hellseherin weist ihn ab, sagt ihm auf den Kopf zu, dass selbst, wenn sie ihm die Zukunft voraussagen würde, er nichts an seinem kleinen, traurigen Leben ändern würde.

Die Fragen dahinter

Doch Roger schreibt einen Roman und ein Tagebuch über seinen Alltag bei Staples. Und weil ihm eine Mitarbeiterin noch hoffnungsloser vorkommt, schreibt er für sie gleich mit. Sie findet das erst raus und dann daran Gefallen und schreibt mit, zurück. Irgendwann schaltet sich auch ihre Mutter ein (Roger kennt sie von der High School), schließlich auch seine Ex-Frau. Diese Tagebuch-Einträge sind die Basis für “The Gum Thief”, immer wieder unterbrochen durch Auszüge aus Rogers Roman. Bald vermischen sich die verschiedenen Handlungsstränge, verweben sich immer stärker. Doch auch in Couplands neuem Buch geht es eigentlich um die Fragen dahinter.

Rogers Lebenssituation ist das Vehikel für die Philosophie des “kleinen Mannes”. Coupland stellt nicht nur in Frage, hat auch immer Antworten parat. Und Menschen, die gerne Coupland lesen, tun dies, weil seine Antworten ihnen helfen. Ein feines, ruhiges Buch, das mit viel weniger Hektik auskommt als “jPod”. Eines seiner besten obendrein. Und während “jPod” immer noch auf eine deutsche Übersetzung wartet, ist es in den USA zu einer Fernsehserie geworden, die ab Januar auf CBS zu sehen sein wird. Coupland freut es. Ein Jahr hat er den Schreibtisch mit dem Filmstudio getauscht und alles betreut. Wer weiß, welche Auswirkungen diese neue Umgebung auf sein nächstes Buch haben wird.
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Elektronische Lebensaspekte.