Ein höllischer Sommer mit den Rolling Stones
Text: Jan Joswig aus De:Bug 113


Exile on Main St., Ein höllischer Sommer mit den Rolling Stones
Robert Greenfield
Rogner & Bernhard, 19,90 Euro

Während Karl Lagerfeld muskelgestärkt und in Highheels nur ein paar Kilometer entfernt in Saint Tropez mit seiner Pariser Entourage residierte, verkrochen sich die Rolling Stones 1971 an der Côte d’Azur in den Keller von Keith Richards prachtvoller Nazivilla “Nellcôte“ und spielten “Exile on Main Str.“ ein. Der Hippiespezialist Robert Greenfield erzählt in einem Tonfall aus Touristenführer und altem weisem Indianer von einem Sommer aus Querbeet-Sex (detaillierte Sauereien hat er nicht recherchiert), Arbeitschaos, Aussetzern, Übertretungen und Zerstörungen, Diebstahl und Korruption – und Heroin, Heroin, Heroin.

Rock’n’Roll eben, wie Greenfield einem in seinem jovialen Ton, der sich genauso bei Keith Richards wie beim Leser anbiedern will, gerne nahe legt. Drogen-Bohème und Neureichen-Jet-Set verschränken sich, auf Louis-IX-Stühlen werden im Rausch Zigaretten ausgedrückt und die Côte d’Azur, die zweite wichtige Experimentier-Stube des Nachkriegs-Jet-Sets neben Marrakesch, bekommt etwas mehr Profil.

Warum ein Drittel des Buches die Zeit nach “Nellcôte“ referieren muss und die Rolling Stones bis in die 2000er Jahre verfolgt, kann man nur damit erklären, dass Greenfield einfach nicht von seinem liebsten Verehrungsgegenstand lassen kann. Wo war da der Lektor?
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http://www.rogner-bernhard.de

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Elektronische Lebensaspekte.