Dass "Generation A" mit keinem ernst zu nehmenden Ende aufwertet, schmälert den Eindruck nicht schwerwiegend. Was gesagt werden musste, wurde gesagt.
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 137

generationa

Douglas Coupland
Generation A
Heinemann

Was wäre Douglas Coupland ohne die Einsamkeit? Die Isolation, die Stimmen derer, die in unserer Hochgeschwindigkeitsgesellschaft einfach zu leise klagen? Fast 20 Jahre nach “Generation X” hat sich am allgegenwärtigen Topos von Couplands Geschichten wenig verändert. Von Buch zu Buch wird deutlicher, dass der Plot, den der Kanadier in jedem seiner in rasantem Puls veröffentlichten Romane über seine Charaktere stülpt, nur eine zufällig ausgewählte Fassade ist.

Nicht der immer gleichen Geschichte, aber des immer gleichen Anliegens. Da ist etwas verstopft. Das läuft etwas nicht so, wie es uns versprochen wurde. Die Popkultur hat ihr grell leuchtendes Gelübde einer verbindlichen, wenn auch oberflächlichen, besseren Welt nicht eingelöst. Es lebt sich gut inmitten der Annehmlichkeiten, ändern tut sich aber nichts. Gar nichts. Und die, die das wissen, sind die, die in Couplands Romanen ihren Platz finden.

“Generation A” hat nicht einmal ein richtiges Ende. Vielleicht gehört sich das so für Couplands Idee von Science Fiction und einer Welt, in der einiges in Unordnung geraten ist. Die Bienen sind ausgestorben. Das klingt skuril, hat aber weitreichende Folgen. Als rund um den Erdball verteilt doch plötzlich fünf Menschen gestochen werden, kommen diese in Quarantäne. Sie werden monatelang festgehalten, komplett isoliert, immer wieder betäubt und bekommen nur übel schmeckende Götterspeise zu essen. Wieder in Freiheit, sind sie für kurze Zeit Popstars. Die Anderen.

Die, die mit der Vergangenheit Kontakt hatten. Oberflächlich geht es um Vertuschung: die Bienen sind tot, weil die Menschheit einer Droge verfallen ist, die sie jegliches Interesse an Zwischenmenschlichem hat verlernen lassen. Der Pharma-Konzern hinter dem Gefühls-Sedativum fürchtet den Zusammenhang zwischen der Droge und dem Verschwinden der Bienen.

Alles nebensächlich, denn der Plot löst sich wie von selbst auf, als die Gestochenen auf einer kaum bewohnten Insel vor der kanadischen Küste zusammenkommen und vom Pharma-Konzern den Auftrag bekommen, sich gegenseitig Geschichten zu erzählen. Auch das ist nichts Neues bei Coupland, aber das Verwischen von Realität und Einbildung und diverse schwer wiegende Parallel-Universen scheinen ihm am Herzen zu liegen. Hier hat der Autor die Möglichkeit das zu sagen, was ihm sonst niemand mehr abnehmen würde.

Die platten Wahrheiten, verpackt in verwuschelte Geschichten und dennoch pointierten Beobachtungen. Es kann nicht so weitergehen mit der Welt. Da hört niemand gerne hin und doch muss es immer und immer wieder gesagt werden. Coupland tut das auf seine ganz eigene, leise Art und Weise. Dass “Generation A” mit keinem ernst zu nehmenden Ende aufwertet, schmälert den Eindruck nicht schwerwiegend. Was gesagt werden musste, wurde gesagt. Wieder einmal. Und vielleicht fasst sich ein deutscher Verlag dank des Science-Fiction-Szenarios endlich ein Herz und gibt eine Übersetzung in Auftrag. Coupland ist hierzulande seit Jahren nicht mehr publiziert worden: ein unhaltbarer Zustand.

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Elektronische Lebensaspekte.

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