Selbstbewusster Blogger-Zweitling
Text: Michael Aniser aus De:Bug 142

In “Strobo”, seinem Erstling, beschreibt der semianonyme Blogger Airen seine Zeit als Druffi in Berlin. Zwischen Berghain, Hangover und gutbezahltem Praktikum bringt er seine Weisheiten des totalen Exzesses ungeschönt dar. Die Sprache ist direkt und pfeift auf grammatikalische oder literarische Spielereien. Etwas später kam dann der Hegemannsche Plagiatsskandal, in dem Airen sich zum einen dadurch auszeichnete, in vorbildlichster Weise von rechtlichen Schritten gegenüber der Abschreiberin abzusehen und zum anderen, im Windschatten der Debatte, selbst berühmt wurde.

Ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit geraten, musste natürlich sofort ein Nachfolgebuch her. Der zweite Roman soll ja angeblich der schwierigste sein, da der Autor bereits seine ganze in ihm brodelnde Geschichte im Erstling unterbringen konnte. Airen hat dieses Problem nicht, da er einfach weitere Blogeinträge zu einem Buch zusammenmischt. Anders ist hier erstmal der Schauplatz: Mexiko, Großstadtmoloch. Eine wunderbare Bühne für weitere Exzesse und Ausschweifungen in Clubs, Bars oder einfach zu Hause beim Kiffen mit den Mitbewohnern. Dazu noch einen gut bezahlten Job und die Sache ist perfekt. Wäre da nicht die Liebe, die selbst vor der “total dichten Sau” Airen nicht halt macht. Und dann wird sie natürlich gleich schwanger. Passt doch.

Das Buch ist insgesamt selbstbewusster geschrieben als sein Vorgänger, der Autor beginnt sich als solchen zu begreifen und will nicht mehr “nur” als Blogger wahrgenommen werden. Einige locker eingestreute Coming-of-Age-Drogengeschichten runden das Airen-Universum zwischen Bayern, Berlin und Mexiko ab und geben weitere Einblick in seine Biografie. Insgesamt kurzweilig zu lesen, wirkt das leider stellenweise zu bemüht. Zu absichtlich Hardcore – doch das könnte durchaus Airens Leben widerspiegeln.

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Elektronische Lebensaspekte.