Die nächste Räuberpistole des Autoren von "Kill Your Friends".
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 137

nivenComa

John Niven
Coma
Heyne

Der Autor hatte es anlässlich eines Gesprächs zu seinem Debüt “Kill Your Friends” gegenüber diesem Magazin bereits angekündigt: Es geht um Golf. Dass “Coma” dabei genau so eine Räuberpistole wie das viel beachtete Erstlingswerk wurde, war zu erwarten, überraschft aber angesichts des Themas dann doch. Niven ist eben nicht Rosamunde Pilcher.

So spielen im malerischen Schottland auch nicht Mitglieder der High Society am 13. Loch um den Sieg, sondern die Underdogs. Lee Irvine ist einer von ihnen und der schlechteste Spieler aller Zeiten obendrein. Doch nachdem er aus einem per Golfball verursachten Koma wieder aufwacht, plagen ihn nicht nur ein irritierendes Tourette-Syndrom, sondern er entwickelt auch ungeahnte Fähigkeiten am Schläger. A propos Schläger: Die gibt es zu Hauf in Nivens neuem Roman.

Denn während der Autor in den schier endlosen Beschreibungen des Rasensports beweist, dass an ihm wirklich ein talentierter Schreiber verloren gegangen ist, bleibt der Rest zum Glück schnoddriges Business as usual. Immerhin hat “Kill Your Friends” einen bleibenden Eindruck hinterlassen bei dem gewagten Spagat zwischen Blutrausch und Popkultur. So stapeln sich in “Coma” Kleinkriminelle, Mafia, Auftragsmorde und Drogengeschäfte bis unter den schottischen Himmel.

Den Wortwitz des englischen Originals kann man in der deutschen Übersetzung von Stephan Glietsch immer wieder erahnen und die Geschichte ist der perfekte Gegenpol zu der entschleunigten Emphase des Golfsports. Mit “Coma” entkräftigt Niven nicht nur jegliche Vermutung, dass sein Musikindustrie-Massaker eine Eintagsfliege gewesen sein könnte. Er stiftet hier im obskuren, an der Oberfläche so friedlich erscheinenden, schottischen Setting eine gewaltige Portion Unbehagen und Unruhe.

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Elektronische Lebensaspekte.

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