Pop-Schreibe ist doch noch lange nicht tot
Text: Fabian Dietrich aus De:Bug 112


Pop seit 1964
Kerstin Gleba und Eckhard Schumacher (Hrsg.)
KIWI, Pop-Literatur

Das ist so was, aber wirklich so was von No No. Dieses Wort ist heute berechtigterweise diskreditiert. Schuld sind die 90er. Schuld sind die Verlage. Schuld sind die Hunderttausend schlechten Pop-Bücher, die (unter anderem) KIWI gedruckt hat, als wären es Banknoten in Zeiten der Hyperinflation. Da gab es Texte, die waren so gegenwärtig und unwichtig, dass sie schon beim Schreiben Vergangenheit waren. Kerstin Gleba und Eckhard Schumacher wissen, dass 2007 auch im letzten deutschsprachigen Kuh-Kaff keiner mehr Bock auf diesen Begriff hat. Und genau deswegen gibt es jetzt ein Buch. Es ist schwer genug, um Leuten damit auf den Kopf zu hauen. Und lesenswert ist es auch.

Die Anthologie “Pop seit 1964” enthält chronologisch geordnete Texte und Textauszüge von 1964 bis zur Gegenwart. Die Botschaft: Pop-Schreibe hat eine lange, lebendige Vergangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft (Die Definition dessen, was Pop eigentlich ist, wird zwar sehr vage gehalten, aber ziemlich tiefgehend und kontrovers diskutiert). Die Textauswahl ist überraschend. Peter Handke und Elfriede Jelinek? Ist ja ein Ding. Die Klassiker sind dabei, die großen Pioniere und Kämpfer: Hubert Fichte, Jörg Fauser und Rolf Dieter Brinkmann. Danach folgen Diederichsen, Peter Glaser, Maxim Biller, Rainald Goetz, Moritz von Uslar, Stuckrad Barre, Dietmar Dath und viele andere (Männer). Natürlich kann man motzen. Ist klar. Auch die Eintagsfliegen aus den 90ern sind wieder da. Aber das wirklich Großartige ist, dass dieses Buch zeigt, wie unglaublich mächtig die alten Texte noch immer sind.
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Elektronische Lebensaspekte.