Zeichnungen des Folkies Kyle Field
Text: Nina Franz aus De:Bug 116


Kylie Field
Put It In A Nutshell
Ahornfelder

Kyle Fields Zeichnungen sind wie die Lieder, die er unter dem Namen “Little Wings” auf Alben mit Namen wie “Light Green Leaves“, “Grow“ und “Wonderue“ herausbringt. Versponnene Geschichten, die nicht aufhören wollen, die von kleinen Tieren erzählen, von Bergkuppen und Morgentau. Gut kann man sich vorstellen, wie er beim Malen auf dem Bauch liegt, mit Kulleraugen, die Beine nach oben, den Buntstift in der einen Hand und sich mit der anderen durch den wuscheligen Bart streichend.

Kyle Field lebt den Traum eines bekifften Kindes. In Bermudas, Sonnenbrille und Badelatschen taucht er in den Strandoasen Kaliforniens auf und gibt uneingeladen Medleys von den Eagles zum Besten. Man sagt, er wohne in einer aus Treibgut gezimmerten Höhle an einem Privatstrand von L.A. und vertreibe sich die Zeit mit Surfen. Wenn der Künstler Kyle Field zu seinen eigenen Ausstellungen ohne Gepäck erscheint, macht er die vergessenen Zeichnungen schon mal damit wieder gut, dass er die weißen Galeriewände ganz mit seinen Filzstiftzeichnungen bedeckt. Dann wird jeder Strich zu einem neuen Erzählstrang, links über der Tür wird die Seite eines Hosenbeins zum Kopf eines Fabelwesens, das Kristalle verschluckt.

Field ist Mitbegründer der jüngsten American-Folk-Beschwörung, deren Vertreter Devendra Banhart längst in der Bierwerbung gelandet ist und die Zeichner wie Marcel Dzama in die teuren New Yorker Galerien gebracht hat. Den Zeichnungen, die gerade auf dem wunderbaren Ahornfelder-Label in einem Bildband erschienen sind, Wahrhaftigkeit zusprechen zu wollen, wäre müßig. Das einzige Foto darin, auf der letzten Seite, zeigt den Blick aufs Meer, von den wurzelartigen Knollen einer Robinson-Crusoe-Hütte umrahmt. Darunter steht “good again“.
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Elektronische Lebensaspekte.