Goodbye 20th Century. Die Geschichte von Sonic Youth verfasst von David Browne.
Text: Timo aus De:Bug 136

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Warum spielt Karen Carpenter eine so elementare Rolle im Schaffen von Sonic Youth? Was hat das mit dem Bass von Keanu Reeves zu tun? Der Rolling-Stone-Redakteur David Browne versucht eine Antwort. Er beschreibt die Geschichte von Sonic Youth dabei anhand drei wesentlicher Erzählungen: die der Stadt New York in den 80ern und der dort stattfindenden Verflechtung aus Kunstszene und No-Wave.

Die Geschichte der Popularisierung einer Musikrichtung, des Alternative Rock. Und die Geschichte der Unmöglichkeit, innerhalb dieser begleitenden Umstände zu Rockstars zu werden. Statt egomane Selbstvernichter werden Sonic Youth bei Browne zu augenzwinkernden Selbstironikern, die sich selbst stetig als Austragungsort der Kommerzialisierung und der daran angrenzenden Widerstände inszenieren. Etwa in dem Video “Sugar Kane”: Der damals noch fette, langhaarige und wenig Louis-Vuittonige Marc Jacobs darf seinen in die Pariser Couture-Welt getragenen Grunge-Look vorzeigen, die noch unbekannte Chloë Sevigny läuft nackt durchs Video.

Marc Jacobs ist eben ein Kumpel. Das fanden die Kollegen wie Mudhoney genauso uncool wie unauthentisch und die Zuschauer verstanden den selbstreflexiven Wink kaum. Nach Browne ein ewiges Dilemma der Band. Ständig zu arty für MTV, als Vorband von REM und Neil Young zu verquert. Als Nirvanas Nevermind 1992 Michel Jacksons Dangerous von Platz 1 der amerikanischen Albumcharts verdrängt, waren sie längst die Vorband von Sonic Youth gewesen.

Sonic Youth wurden nie die Rock-Weltstars, weil sie sich immer treu geblieben sind, so das etwas langweilige Fazit Brownes. Sie bleiben stattdessen bis heute Godfathers der Szene und funktionieren als Schmelztiegel, in deren Windschatten sich so unterschiedliche Karrieren wie die von Cat Power, Beck oder Sofia Coppola erst ermöglichten. Browne schlüsselt auf, wie ihr Aufstieg zusammenfiel mit dem ihrer Freunde und heutigen Kunstwelt-Stars wie Mike Kelley, Raymond Pettibon, Dan Graham.

Der unbekannte Richard Kern machte ihr erstes Musikvideo, der junge Skater Spike Jonze für sie sein erstes Musikvideo. Browne reißt das alles an, schafft es jedoch nicht, diese Aspekte in Gänze auszuleuchten und, wie ja durch den Titel angekündigt, in eine größer angelegte Erzählung zu ziehen. Auf 450 Seiten wäre Platz gewesen. Ihm gelingt stattdessen etwas, das die Band in seinen Augen nicht geschafft hat: Verständlichkeit, Popularität, Einfachheit.

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Elektronische Lebensaspekte.