Ghetto-Kinder basteln eine Kultur
Text: Felix Denk aus De:Bug 114


Streetplay – From Here To Fame
Martha Cooper
From Here To Fame

Die Kids spielen Baseball mit Stöcken, springen von Feuerleitern auf fleckige Matratzen und drehen den Hydranten auf, wenn die Sommer-Sonne den Asphalt vor Hitze weich werden lässt. Es scheint sie gar nicht zu stören, dass die Müll-übersäten Hinterhöfe von Brooklyn und die verfallenden Wohnblocks der Alphabet City in Manhattan aussehen, als hätte hier gerade ein Krieg getobt. Die Straße ist ihr Spielplatz, mit ihren Autowracks und Hausruinen scheint sie wie ein Ort für wundersame Abenteuer. Es ist diese Spontaneität und die Lust am Improvisieren, die Martha Cooper an den Kindern so faszinierte, dass sie sie in den späten siebziger Jahren wieder und wieder fotografierte.

Der kleine, charmante Bildband “Streetplay“ versammelt nun diese Aufnahmen, die sie ursprünglich nur auf dem Wegesrand aufgenommen hat. Viele Fotos darin sind zum ersten Mal veröffentlicht. Eigentlich arbeitete die studierte Anthropologin als Pressefotografin für die Boulevard-Zeitung New York Post und durchstreifte die Stadt auf der Suche nach Alltagsmotiven. Gerade in den verwahrlosten Gegenden fiel ihr ein reges Leben auf den Straßen auf. Eine ganze Jugendkultur begann sich abzuzeichnen. Ganz eigene Ausdrucksformen wie Graffiti, Breakdance und Rap entstanden in dieser sozial angespannten Situation. Eines der Kinder, das Martha Cooper fotografierte, zeigte ihr sein Skizzenbuch. Es war ihre erste Begegnung mit Graffiti.

Cooper begleitete die Kids weiter und veröffentlichte ein paar Jahre später mit dem Regisseur Henry Chalfant die Sprayer-Bibel “Subway Art“, die bis heute in der x-ten Auflage noch erhältlich ist. Auch ihr umfangreicher Bildband “Hip Hop Files“ dokumentiert die Frühphase von HipHop, von der wir viel weniger wüssten, hätte Cooper sie nicht fotografiert. “Streetplay“ ergänzt die anderen beiden Bände. Es zeigt diese Bewegung im embryonalem Stadion: Die Kreativität von Kids, die nicht viel haben außer ihrer Phantasie und ihrer Energie. Daraus sollte noch einiges entstehen.
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Elektronische Lebensaspekte.