Fashion, Genius and Glorious Excess in 1970s Paris
Text: Jan Joswig aus De:Bug 111


The Beautiful Fall
Alicia Drake
Bloomsbury

Paris hat zwei Daten, an denen es bohèmeglamourös abging: 1870 und 1970. Die Kommune von 1870 hat Flaubert in “Erziehung des Gefühls“ in eher grauen Farben geschildert, der Spielverderber. Aber die Modebohème von 1970 zeichnet die Journalistin Alicia Drake in “The Beautiful Fall“ so reißerisch wie faktenreich, dass man ganz glühende Ohren bekommt. Gespickt mit Interviewzitaten geht sie in ihrer literarischen Dokusoap nah ran mit der Handkamera an Yves Saint Laurent und Karl Lagerfeld und ihre Entouragen.

Zwischen Marokko und dem Pariser Club “Le Palace“ bauscht sich das ganz große Theater mit Exzessen, Zusammenbrüchen, weißen Anzügen, durchsichtigen Blusen, genialen Kurzschlüssen und verdrogten Ausfällen auf – und alles “based on a true story“. Szenische Plastizität ist Drake dabei mindestens so wichtig wie historische Akkuratesse, psychologische Porträts so wichtig wie die Analyse der Modeentwicklung. Wenn man “The Beautiful Fall“ zusammen mit Warhols Tagebüchern und den ersten 150 Seiten von Bret Easton Ellis “Glamorama“ liest, weiß man plötzlich wieder, warum man Prada-Schuhe für 370 Euro kauft, man armer verführter Idiot. Aber die Ohren, die hören gar nicht auf zu glühen.

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