Genre-Bildung: Der Dotcom-Roman
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 112


Then We Came To The End
Joshua Ferris
Penguin

Das Genre des Dotcom-Romans ist noch nicht wirklich besetzt. Douglas Coupland beschreibt in Microserfs und jPod den IT-Alltag und die Lebensumstände der Menschen in den Cubicals und wie sie ihr Geld nicht ausgeben können. Coupland tut dies mit distanzierter Melancholie, schreibt seinen Figuren eine seltsam glaubhafte Distanz auf den Leib. Auf der anderen Seite ist Max Barry, der mit seinen überspitzten Romanen das Innenleben großer, erfolgreicher und hipper Firmen beschreibt und eher auf die Faszination des Absurden setzt, seine Charaktere so schnell denken lässt, wie Stroboskope blitzen. Joshua Ferris, gerade mal 32 Jahre alt, hat mit seinem ersten Roman “Then We Came To The End” in den USA schon für Furore gesorgt. Die New York Times liebt ihn und seine erfundene Werbeagentur, die um die Jahrtausendwende Aufträge verliert und Mitarbeiter schasst. Ferris’ Roman erzählt von den Menschen, die schon seit ewigen Zeiten nichts mehr zu tun haben, aber immer brav ihre Stundenblätter ausfüllen, um so den unvermeidlichen Clash hinauszuzögern.

Erzählt wird von einem kollektiven Ich-Erzähler. Versprengte Unterhaltungsfetzen vom morgendlichen Umsonst-Bagel-Abgreifen, von kurzen Momenten des Sich-in-die-Augen-Schauens beim Wasserspender erklären die Charaktere. Die eigentliche Story kommt in dem Moment, als die Agentur einen neuen Auftrag erhält und eine Awareness-Kampagne gegen Brustkrebs kreieren soll, die selbst Betroffene zum Lachen bringen soll. Gleichzeitig taucht Hank Neary auf, der als Angestellter der Firma auf die Idee kommt, einen Roman über die Firma zu schreiben. Schritt für Schritt werden die Geschichten der Personen entschlüsselt und man steigt ganz automatisch in die Figuren ein. Man fühlt sich plötzlich, als wäre man selbst in dieser Agentur, hin und her gerissen zwischen Brustkrebs-Kampagne und der gleichzeitg immer größer werdenen Gefahr entlassen zu werden, egal, ob die Firma nun tatsächlich pleite geht oder auch nur, weil man sich den besseren Bürostuhl eines bereits gefeuerten Kollegen unter den Nagel gerissen hat. “And The We Came To The End” ist ein stilles und doch unfassbar komisches Buch, das eher mit dem Coupland’schen Duktus arbeitet. Irgendwie scheint alles egal zu sein, aber nur einen Augenblick später weiß man, dass alles ganz anders ist. Eine Lehrstunde gelebter Lethargie und Paranoia.
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Elektronische Lebensaspekte.