Absperrungen, Betonfüße & kotzende Ami-Schlitten
Text: Jan Joswig aus De:Bug 119


Thomas Marecki und Renko Heuer
Traphic
Unagi Books

Straßen-Barrikaden, Absperrungen, Betonfüße für temporäre Verbotsschilder, ein kotzender Ami-Schlitten – für Thomas “Marok“ Marecki scheint das Thema Verkehr in einer Sackgasse angekommen zu sein. Der bekennende Raser, Streetart-Künstler und “Lodown“-Magazin-Chef ist aber viel zu sehr Optimist und ewiger Junge, um das Thema schnöde abzuschreiben. Traphic versammelt Arbeiten von Marok aus mehreren Jahren, die alle etwas Futuristisches, poppig Überhöhendes haben. Was Warhol die Siebdruck-Suppendose, ist Marok die Siebdruck-Barrikade. Von den Autobahntrassen in der zweiten und dritten Etage geht es direkt ins Weltall, wo die Füße der Straßenschilder als schrottfarbige Ufos im Stau schweben. Und von da ins Abstrakte: Man kann das Thema auch allgemein philosophisch sehen. Traphic nicht nur als die Verkehrsadern einer Stadt, sondern als die Nervenbahnen im Körper, die Datenströme im Netz.

Aber mit seiner schrottfarbigen Popart will sich Marok nur am Rande mit dieser Abstraktion, die der begleitende Text von Renko Heuer vorschlägt, auseinander setzen. Seine Plastiken, Drucke und Grafiken begeistern sich hauptsächlich für die Ästhetik des konkreten Straßenverkehrs, spüren dem Reiz nach, den Modellautos auf Kinder haben und Highways auf Beatniks. Seine alarm-poppigen Barrikaden sagen aber auch ganz klar: Dieser naive Jungstraum ist längst an uns zerschellt. In ihrer attraktiven Fetischisierung illustrieren sie sowohl den Traum als auch das Ende des Traums und sind eigentlich das perfekte Symbol für die Megalopolis des 21. Jahrhunderts. Oder ist der Traum ins Internet verlegt? Allerdings gibt es immer noch weitaus mehr gepimpte Lenkräder als gepimpte Computermäuse …
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Elektronische Lebensaspekte.