Buzz ist eine modulare Software, um die sich seit der Version 1.0 1997, völlig losgelöst vom Reaktor und MAX Hype, eine extrem starke Community aufgebaut hat. Die Freeware bietet Eingriffsmöglichkeiten in den Sound, die bei anderen Programmen noch nicht mal auf dem Businessplan auftauchen.
Text: Andreas Tilliander aus De:Bug 64

Modular und umsonst

Buzz

Um mal mit einem längst überwundenen Gender-Cliché zu starten: Rockbands kriegen die 16 jährigen willigen Girls und uns von der Elektronik-Fraktion bleiben meist die picklig-pubertären Jungs, die über Software debattieren wollen. Um zumindest die letzteren zu befriedigen, gibt‘s vor allem zwei Programme: Native Instruments‘ Reaktor, fantastisch wie wir alle wissen und Jeskola Buzz, ein superbes Teil, das kein Arsch kennt.

Die erste Version von Buzz wurde im Herbst 1997 veröffentlicht. Aufgrund seines modularen Aufbaus erkannte man schon früh Potentiale: Sampler ans Reverb, mit einem virtuellen Kabel zum Delay und dann noch eine Verbindung zum Filter. Aus dem Filter dann einen feinen Chorus machen, damit ab zum Crossdelay und Verzerrer. Oder wie auch immer man es gerne hätte. Sämtliche Software, die ich bisher getestet habe, waren reine Übertragungen von analoger Hardware mit einen Mixer und höchstens ein paar Aux/Effect-Sends oder einem Multiband-EQ.

Auf einmal konnte man Effekte kreuz und quer verbinden und alles mit allem verknüpfen, dazu noch Effekte programmieren genau wie bei einem Synth oder Sampler. Das heißt, dass man einen Befehl für die Raumgröße im Reverb festlegen und in Echtzeit ändern kann. Oder einen Lowpass Filter wie einen Synth reagieren lassen Im ersten Takt schnibbelt er alle Frequenzen über 800 Hz ab, einen halben Takt später bei 2 kHz und später deep deep bei 120 Hz. Im nächsten Takt verwandelt er sich dann plötzlich in einen Highpass Filter. Diese Funktion hat mich dazu gebracht, mehr Zeit vor meiner alten 133 Mhz-Kiste zu hocken als vor meinen antiken modularen Synths. Nach ein paar Monaten haben ich dann überglücklich entdeckt, das Buzz auch noch “Open Source” ist, was bedeutet, dass jeder mit C++ Kenntnissen seine eigenen Maschinen coden kann. Die Buzzmachines-Community folgte alsbald und ist mittlerweile richtig groß und enorm hilfreich geworden. Jede Woche gibt’s da neue Maschinen, bei denen man sich regelmäßig fragt, wie man jemals ohne die klar kam.

Toll, aber wie funktionierts?
Buzz‘ Aufbau erinnert sehr an alte Amiga-Tracker von Anfang der 90er. Das Programm splittet sich in drei Einzelteile auf: Machine View, Pattern Editor und Song Editor. Im ersteren werden die gewünschten Geräte ausgewählt, entweder Effekte oder Generatoren. Alle Maschinen, die Geräusche erzeugen sind Generatoren. Effekte sind kleine PlugIns, die einen oder mehrere Generatoren durch die Mangel nehmen. Der Song-Editor erklärt sich wohl von selbst. Neben den Buzz-eigenen Maschinen gibt’s eine Schnittstelle für VST- und Direct-X-PlugIns. Der Pattern Editor ist die Schaltzentrale: Alles von Loop-Punkten für den Sampler bis zu Delay-Zeiten für das Reverb wird kontrolliert.

Buzz wächst jede Woche und besteht aktuell aus mehr als fünfhundert Maschinen. Dazu sind die Dateien super klein, so das es wahrscheinlich das ultimative Programm fürs Über-Distanz-Musizieren ist (Die Samples kosten natürlich noch viel Platz.). Buzz ist beeindruckend professionell und trotzdem für lau. Gut zu wissen, dass wir nie einen Slogan von irgendeiner großen Firma hören werden, die versucht Buzz an sechzehnjährige picklige Jungs zu verticken: “You’ll get a professional studio for free, just a mouse click away.”.

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Elektronische Lebensaspekte.