Text: nico haupt aus De:Bug 24

Fast manisch ging auch in den letzten Wochen wieder Fusionitis voran. Allen voran der Telefonmarkt. Arcor kaufte Otelo, Telekom ging mit Italia Telecom zusammen und liebäugelte mit One 2 One aus England. Ein Schock für Mobilcom, die gerade erst den Suchdienst DINO geschluckt hatten. Trotzdem predigte Boss Gerhard Schmid ebenfalls fette connections nach England und prahlte von guten Börsenwerten als Gast bei Harald Schmidt (SAT1). Für Kunden, denen die Telefonkosten immer noch zu suspekt sind, gibt’s nun immerhin kostenlose Anrufbeantworter. Der Haken? Was sonst- vor jedem abgehörten Spruch hört man Werbung. Entwickelt wurde das System von Blue Diamond. Dem Satellitenphonisten Iridium geht’s dagegen immer schlechter und fürchtet nun einen neuen Konkurrenten namens GlobalStar. AT&T baute in den USA ebenfalls seinen Status aus und kaufte das viertgrösste KabelTV MediaOne. Wie wichtig TV-Connections werden, zeigten weitere Nervositäten: SBC schnappte sich Ameritech, Lotus übernahm Onestone und Yahoo saugte die streamsite broadcast.com. Und der Hammer: Der Sprachnetzdienst GEC (UK) kaufte den fetten Router- und Switcherhersteller Fore Systems. Und was passierte im Webzine-Bereich? Nach Wired wurde nun auch eine der ersten Kultsites “The Well” gekauft und zwar von “The Salon”. Und auch die grosse Online-Schiene e-commerce machte wieder auf sich aufmerksam. Brokat übernahm den Netzwerkentwickler MeTechnology. Die Auktionsite Ebay wiederum schloss Kooperationen mit AOL, den Paketzustellern MailBoxes und Iship, um dort verstärkt ihren Handel zu pushen. Auch der Buchshop Amazon holte weiter im Auktionsmarkt auf, kaufte dafür LiveBid und expandiert weiter mit dem Kauf des Userdiensts Alexa. Datenschützer äußerten dagegen starke Bedenken, da Alexa stark mit Benutzerprofilen arbeitet. Die öffentliche Sorge um Datenschutz ist in Europa alledings in der Öffentlichkeit kaum bemerkbar. Denn die wesentlichen Anti-Aktionen laufen hier ausschliesslich im Netz. Ob Online-Petitionen gegen SPAM-Mails oder Berichte über das europäische Satellitenablauschprogramm ENFOPOL. Nur ein konzernbedrohender Virenkrieg gelangt schon mal in die ein oder andere Gazette. Nachdem zunächst Cassandra für grosses Aufsehen sorgte, ereignete sich aber mit CIH alias Tchernobyl ein weiteres Desaster. In Asien wurde Ende April sogar eine sechs- bis siebenstellige Anzahl von Rechnern befallen. Im Gegensatz zu dem eher harmlosen Makrovirus Cassandra wurden jedoch Festplatten und das Flash-BIOS zerstört. Der Info- bzw. Cyberwar nimmt nun an Auswüchsen zu und ängstigt zudem ehemalige Gründerinstitutionen wie das Pentagon und die NATO, die schon damit liebäugeln, das Internet zu verlassen. Flucht ins Internet 2? Dort hat sich aber schon Microsoft eingezeckt, die sich jetzt beteiligen wollen.

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Elektronische Lebensaspekte.