"Hotline" ist wohl der bekannteste Filesharing Client. Mit "Carracho" gibt es nun eine Alternative, die speziell für den Mac programmiert wurde. Mit ihr lässt sich jedes Dateiformat auf den heimischen Apple-Rechner holen oder anderen anbieten.
Text: marcus hauer | yuko@schoenerwissen.com aus De:Bug 53

being online/file sharing

Carracho Filesharing Community
Ein Hotline nur für den Mac

Wie so viele gute Projekte entstand “Caracho”, zwar nicht wie Microsoft in einer Garage, aber immerhin aus reiner Spielerei. Dann erweiterte man die Software um Chat- und Newsgroup-Funktionen und gründete um sie herum eine Firma. DEBUG unterhielt sich mit Jörn Hartmann, einem der beiden Brüder, die “Carracho” entwickelt haben.

DE:BUG: Wie kam es eigentlich zu “Carracho”?

Jörn Hartmann: “Carracho” entstand ursprünglich aus einer Programmierübung, zu der wir nach und nach Komponenten wie Chat, Filesharing und Newsgroups hinzugefügt haben. Im August 1998 haben mein Bruder und ich dann die “Carracho GbR” in Berlin gegründet. Damals mußten wir die weitere Entwicklung und Vermarktung des Produktes noch mit der Erstellung von Webseiten finanzieren.

DE:BUG: War die Software “Hotline” ein Vorbild?

JH: “Hotline” ist uns schon ein Vorbild gewesen. Schon vor dem Internet, Anfang der 80er, konnte man ja bei sogenannten Mailboxsystem anrufen und Dateien abfragen. Hotline hat diesen Service für das Internet neu erfunden.

DE:BUG: “Hotline” wird hauptsächlich als von der Filesharing-Community benutzt, also zum Austausch illegaler Kopien von Software, Musik und Pornographie. War das ein Problem für Caracho?

JH: Erstmal steht das natürlich überhaupt nicht im Vordergrund. Das Ziel, das wir uns mit der Entwicklung von “Carracho” gesetzt hatten, war: eine Software zu entwickeln, mit der jeder seine eigene kleine Community aufbauen kann. Jeder sollte mit einfachen Mitteln einen Server anlegen können, bei dem sich andere öffentlich oder mit Passwort einwählen, Newsgroups anlegen oder Chatten können. Aufgrund der ständig wachsenden Anzahl von Usern und Servern denken wir, dass uns das gelungen ist. Uns war schon bewusst, dass unser Programm auch für das Tauschen illegaler Dateien benutzt werden könnte. Aber das ist mit jeder Software möglich, die die Übertragung von Dateien erlaubt, nicht nur mit Webservern, sondern beispielsweise auch mit jedem Email Client. Ein aktives Verhindern des illegalen Kopierens von Dateien ist unmöglich, da es keine zentrale Instanz gibt, die zwischen legal und illegal unterscheidet.

DE:BUG: Ist seit Napster das Programmieren von Filesharing-Programmen schwieriger? Habt ihr schon mit Urhebern Probleme gehabt?

JH: Bisher gab es noch keine Klagen seitens Rechteinhabern gegen uns. Wieso auch? Bei “Carracho” handelt es sich um ein ganz gewöhnliches Softwareprodukt. Im Gegensatz zu Napster betreiben wir keinen eigenen Dienst oder Server, der es Benutzern erlaubt, illegalen Content zu beziehen. Schließlich könnte auch niemand Microsoft dafür verklagen, dass ein Kunde seinen Microsoft-Webserver (IIS) dafür nutzt, um illegale Dateien zu verbreiten. Die Industrie wird zwar alles daran setzen, neue Methoden für Kopierschutz zu entwickeln, aber die Vergangenheit hat mehr als deutlich bewiesen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie wieder geknackt werden. Weiterhin besteht das Problem, dass sich manche Filesharingsysteme wie z.B. “Gnutella” nicht einfach abschalten lassen. Hier wird es immer noch möglich sein, sich die Sachen zu besorgen, die man woanders nicht mehr findet. Die Softwareindustrie versucht ständig mit neuen Mechanismen das illegale Kopieren ihrer Produkte zu vermeiden. Seriennummern bieten hier jedoch kaum noch Schutz und selbst Dongle, also hardwareseitige Kopierschutzsysteme, werden mit entsprechenden Tools recht einfach umgangen. Ich glaube nicht daran, dass es in Zukunft Methoden geben wird, die das Raubkopieren wirklich extrem eindämmen können. Allein die Tatsache, dass es schon Tools gegen den Windows XP Kopierschutz gab, lange bevor überhaupt ein Einscheinungsdatum für das Produkt genannt wurde, beweist, dass ein wirklich wirkungsvoller Kopierschutz nicht existiert.
Ich denke, die Industrie sollte sich viel mehr darauf konzentrieren, qualitativ hochwertige Produkte zu liefern, die dem Benutzer wirklich das Leben erleichtern. Hier wären nämlich selbst viele Leute, die sich Ihre Software in der Regel eher raubkopieren, auch bereit diese legal zu erwerben.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.