Klammheimlich sind in den USA die Überwachsungschips als Implantat auf dem Vormarsch. Kritiker fürchten, dass das, was derzeit an Alzheimer-Patienten ausprobiert wird, schon bald tragender Teil der immer eklatanteren Big Brother Strategie der US-amerikanischen Bundesregierung werden könnte. Die Industrie freut sich und pflegt schonmal globale Kontakte.
Text: Nico Haupt aus De:Bug 65

Seit Mai 2001 gibt es 8 Menschen auf der Welt, die mit einem Überwachungschip im Arm leben. Einer der ersten war Nate Isaacson, 83 aus Fort Lauderdale, Florida. Die fürsorgliche Erklärung: Bei diesen Testpersonen handelt es sich um Alzheimer Patienten, die, wenn man dem naheliegenden Scherz wörtlich nehmen würde, dies vielleicht sogar wieder vergessen haben. Auf den medizinischen Foren von healthboards.com ist dieser Chip derzeit noch kein Thema, man glaubt sich auch weiterhin anders “wiederfinden” zu können.

ADS & der Chip

Der Chip jedoch lebt weiter, auch in den Köpfen von Bundespolizei, Militär oder manisch-patriotischen Neokonservativen. Entwickelt wurde der so genannte VeriChip von “Applied Digital Solutions” (ADS). Wer steckt hinter ADS und was sind ihre Ziele? ADS sitzen in Palm Beach, Florida. Schon vor 10 Jahren hatten ADS Chips in Tiere eingepflanzt, um verlorengegangene Haustiere wieder zu finden. Chief Executive von ADS ist Richard J. Sullivan, ein ehemaliger Spezialist der Fusionsberatungsfirma “The Bay Group”. Scott R. Silverman, der Präsident von ADS, ist ehemaliger Anwalt für Kommunikationsgesetze. Unter den weiteren Mitgliedern finden sich auch ehemalige Mitarbeiter aus militärnaher Forschung. Jerome C. Artigliere etwa war Vizepräsident einer Filiale von General Electric.
Im Januar 2001 hatte eine Subfirma von ADS namens Signature Industries Limited einen Vertrag mit der britischen Navy abgeschlossen, um mit deren Produkt SARBE U-Boote orten und bergen zu können. Weitere Verträge gab es auch mit französischen Spezialeliten. ADS vertreiben 3 verschiedene Produkte: Digital Angel ist ein externer Überwachungschip, VeriChip die einpflanzbare Variante und ThermoLife ein thermoelektrischer Generator, der von der eigenen Körpertemperatur angetrieben wird. Zu den wichtigsten Kunden von ADS gehören das US Government, IBM, Morgan Stanley, die Pacific States Marine oder PSEG. PSEG gehört zu den 5 wichtigsten Energieversorgern in den USA und Kanada und sie fördern nebenher aber auch das so genannte DEEP-C Programm (Downtown Education Enrichment), kurioserweise geleitet von jemandem namens Chip Madsen. Wo genau PSEG die ADS-Chips einsetzt, ließ sich jedoch nicht von ihrer Webseite entnehmen. ADS behauptet, den VeriChip nie an Firmen weitergeben zu wollen, die Menschen zwingen würden, ihn zu benutzen. Diese Äußerung stammt von Chefentwickler Keith Bolton, dem damit wohl eher eine freudsche Fehlleistung entschlüpft ist.

Der Bundesstaatsanwalt Ashcroft

In den USA sind Bürgerrechtsgruppen seit Monaten besorgt um die
“faschistisch” angehauchten Ideen von Bundesstaatsanwalt John Ashcroft, der beispielsweise Untersuchungen von Leselisten der Büchereien angeordnet hatte. Die Village Voice rief im September zum Rücktritt von Ashcroft auf. Selbst die patriotische New York Post hatte absurderweise schon im Juni der FBI den Finger gezeigt, man könne sich “hier selber zur Wehr setzen”. Dennoch ist New York eigentlich einer der Vorreiter von Überwachung gewesen, was zu Höhepunkten der Dotcom-Bewegung auf einigen Sexparties ironisch ad absurdum geführt wurde. Auch der Barcode galt lange Zeit als Kultgegenstand; die Firmen IDs wurden natürlich auch nach dem Sep 11th stolz um den Nacken getragen. Gerastert werden konnte auch schon mit vielen anderen Barcodesystemen an Bankschaltern oder Supermärkten.
Im geplanten neuen Nationalausweis, der National ID, soll mit den Halbleiterchips von Infineon auch eine Gesichtsüberwachung möglich werden. “Das Problem ist, dass man nie genau weiß, wofür diese Chips morgen stehen”, so äußerte sich Lee Tien von der EFF (Electronic Frontier Foundation) bereits vor Monaten. Seit einigen Wochen gibt es in den USA nun neue böse Spekulationen unter besorgten “left wings”: Auffälligerweise wurden zuletzt einige Entführungsfälle von Kindern so dermaßen in den US-Nachrichten gehypt, dass plötzlich Ashcroft und die FBI darauf “aufmerksam” wurden und den sogenannten “Amber Alert” eingeführt haben, der an den Terroristenfarbcode erinnerte. Nun munkelt man, wird der Amber Alert benutzt, um bald die Werbetrommel für den VeriChip in Kindern zu schlagen. Applied Solutions bieten allerdings den Chip bereits schon seit 2000 für Kinderschuhe an.
Zu den letzten Projekten von ADS zählt die Kooperation mit BI Incorporated, einer der größten GPS-/Satellitüberwachungsfirmen der USA oder eine Werbekampagne mit Child Watch. Prinzipiell könnte man seine Kinder auch über wireless Internet überwachen, wenn das System etwa wie UPS oder FedEX funktioniert, wo man in Echtzeit beobachten kann, wie weit die erwartete Post von einem entfernt ist? Dazu benötigt man nur die Eingabe der Trackingnummer.

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Elektronische Lebensaspekte.