Das Debütalbum von Choir of Young Believers "This Is For The White In Your Eyes" beginnt so ruhig, dass es fast verdächtig ist. Doch dann bricht ein Gewitter los, noch bevor der erste Song zu seinem Ende kommt. Der Gesang rückt in die Ferne, und dort wird er bleiben, das ganze Album lang.
Text: Felix Nölken aus De:Bug 136

COYB4_1400

Die Stimme, die diesem Gesang seinen Charakter gibt, gehört Jannis Noya Makrigiannis. Er ist der Kopf der Band und zusammen mit seinem Gesang bildet sein beeindruckendes Songwriting das Rückgrat dieses Albums. Den Beweis für diese These erbringt eine Band am besten live. Zweifellos lebt das Album auch von seinem Sound, einer großen Instrumentierung und einem kühlen, distanzierten Glanz, der die Stimmung der Stücke verstärkt und belebt.

Dennoch ist der Choir of Young Believers in der Vergangenheit auch zu dritt aufgetreten, zu zweit, sogar Jannis alleine stand unter diesem Namen auf der Bühne und hat sein Publikum doch genau so sehr gefangen genommen, wie es auch dieses Album vermag.

Sieben Musiker gehören fest zu der Band aus Kopenhagen, die sich hinter ihrem Frontmann versammeln. Im Moment. Denn das musikalische Material erlaubt eine Skalierung, wie sie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einer Tour heute immer öfter erfordern. Und dennoch, sie agieren hier nicht als zuschaltbare Backing-Mucker für einen Impresario, sondern erschaffen beeindruckend eigenständige klangliche Sphären für und aus dessen Songs: Die Drums erklären das Orchesterschlagzeug zu ihrer Referenz, Banjos und Flöten lassen Morricone erahnen und eine Opulenz tritt zutage, die das F-Wort unserer Tage, Folk, immer noch gerade rechtzeitig überrollt.

This-is-for-the-Whites-in-Your-Eyes-1024x1024

Beinahe wie The Polyphonic Spree klingt das manchmal, nicht ganz so üppig, aber mit ähnlich elegischem Charakter, dafür sakraler, distanzierter, manchmal regelrecht bedrohlich. Über diesem Sound, der dem Bandnamen trotz spärlicher Chorgesänge alle Ehre macht, hallt die Stimme von Jannis, zerbrechlich wie es zur Zeit gefragt ist, ein bisschen wie jene von Kele Okereke (Bloc Party), nur ohne Disco, ohne Angst vor der Melodie oder der ganz großen Pop-Geste.

Bisweilen wird mit einfachsten harmonischen Mitteln und mit Klavier, Cello und tiefen Texten so viel emotionaler Aufruhr am Hörer geübt, dass man sich eine Pause gönnen muss. Woher kommt das, ist es Skandinavien, ist es Spiritualität, seine Geschichte, seine musikalischen Vorbilder? Jannis vermag es nicht zu sagen. Er mache Musik wie sie ihm gefalle, aber, ja, das Album sei “heavy”, wie er es nennt, allerdings nicht mehr so extrem wie vor der Produktion. Im Studio sei es freundlicher geworden, sagt er, man könne es den Leuten jetzt zumuten.

http://www.zweihundertmusic.de

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.

2 Responses