Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Text: Fabian Dietrich aus De:Bug 126


Christian Kracht
Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Kiepenheuer & Witsch

Ein ScienceFiction-Roman – und in was für einer grausamen und schönen Welt er spielt. Es hat minus fünfzehn Grad, in den Straßen liegen zersplitterte Morphiumampullen, seit fast 100 Jahren herrscht nun Krieg. Artilleriegeschütze donnern, Pferde wiehern, die kommunistische Partei ist an der Macht. Lenin ist 1917 nicht in seinem verplombten Zug nach St. Petersburg gereist, sondern in Zürich geblieben.

Die Schweiz ist eine mächtige Sowjetrepublik, die mit Hilfe afrikanischer Soldaten gegen die “deutschen und britischen Faschisten“ kämpft. Nur wenige Schweizer können noch lesen und schreiben, ihre Zivilisation ist abgekoppelt von der Weltgeschichte, sie schwebt schwerelos und mordend im Raum. Eine Parteifunktionärin berichtet: “Unser Verlernen des Schreibens ist, wenn sie so wollen, ein Prozess des absichtlichen Vergessens. Niemand ist mehr im Frieden geboren. Die Generation, die nach uns kommt, ist der erste Baustein zum neuen Menschen. Es lebe der Krieg.”

“Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ ist im Kern eine Fortführung von Christian Krachts bisherigen Erzählungen. Es handelt sich (wieder mal) um eine Reise, in deren Verlauf ein namenloser afrikanischer Parteikommissär Jagd auf einen mysteriösen Mann namens Brazhinsky macht. Es ist nicht nur die Figur, sondern auch die Sprache, die dem Buch ein Schwindel erregendes Tempo gibt. Christian Kracht ist jetzt endlich da angekommen, wo es ihn schon lange hingetrieben hat: in der kompletten Unwirklichkeit.

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Elektronische Lebensaspekte.