Forte Labelchef, Skateboardfahrer, Slayer T-Shirt Träger und vielbeschäftigter Kreuzritter im Namen der satten Technounterhaltung: Christian Morgenstern stößt Diskurs an allen Ecken und Enden an. Von Pop bis Speedmetal. Nur fortführen müssen ihn andere.
Text: Aljoscha Weskott, Alexis Waltz aus De:Bug 44

POPZWISCHENFÄLLE im TECHNOIDEN

Christian Morgenstern

Christian Morgenstern ist ein anderer. Das Poetische vor Pop scheint nicht stattgefunden zu haben. Zu sehr überwiegt die zentralnervöse Elektrizität der vielfältigen Sprachen Morgensterns, die keiner Schrift bedarf: Techn(o as Techno can? Nein, gebrochener! Dahinfließende Kitschelegien wiederholen ihren Geltungsanspruch im heterogenen Trackoutput Christian Morgensterns. Die Soundmaterie liegt da, pulsiert, ufert aus, und Morgenstern tankt alles auf, greift in die vollen Regale Saturn-Hansas: Ein bedingungsloses Affirmieren von Pop. In dieser Popimmanenz treffen Britney Spears und Aaliyah auf analoge Technoflächen. Beide stehen im Geschehen des vibrierenden Dancefloors, ohne sich darin Gehör verschaffen zu können. Sie sind nur die Begleitmusik elektronischer Produktionsweisen. Eher ein Versprechen auf perfekt justierte Beatarrangements, die in einem für alle tanzbaren Mastersound kulminieren: In der Musik Morgensterns daher unsichtbare anti-minimalistische Begriffspersonen. “Minimalismus ist out – mehr ist mehr! Voll und viel ist in. Tanzbarer Mastersound war für mich 2000 auf jeden Fall ‘Oops, I did it again.'” Und dennoch verneint Morgenstern die Wiedereinführung von Popelementen. Das postmoderne Zitieren weist er zurück. Die Einbrüche von Pop deuten keine Verschiebung an, kein Britney Spears-Werden. Sie sind einfach schon immer da. Seine neue EP “Hawaii Blue” havariert an diesem sonnigen Archipel. Aber mitten im Basskick – Ahoi!

Elektronische Musik ist für Morgenstern nicht als ein der Popmusik übergeordnetes System zu begreifen. Auf der Suche nach dem perfekten Sound hat sich Morgenstern nie in Pop-Genres verirrt. Pop steht für den ultimativen Kick, der gerade bei Saturn funktioniert – diesen Geilheitsmaßstab legt er für seine Technoproduktionen an. Er bastelt nicht an dem Balanceakt von Minimal Techno und Mastersound, er füllt jedes Techno-Sub-Genre perfekt aus. Seine Technoproduktionen werden auch nicht als prägnantes magazinseitenkompatibles Konzept wie Gas oder Chicks On Speed formatiert. Er verkörpert die zeitgemäße Persona des hyperprofessionellen Produzenten, dessen musikalisches Begehren sich völlig im (Techno)-Material auflöst. Paradoxerweise scheidet die Option Popstar für ihn aus, weil der Impact der Musik maximiert werden soll. N-Sync oder auch Roxy Music liegt in Morgensterns CD-Player, infiziert seine Musik aber nicht ästhetisch, sondern intensitätsmäßig. Morgensterns Produktionsmodell ist das des pragmatischen, aber überhaupt nicht neurotisch fixierten Nerds, der die digitalen Techniken aus einer souveränen Distanz heraus beherrscht: „Komplizierte Technik hält im Grunde nur vom wesentlichen ab, von der Musik. Auf der anderen Seite bestimmt die Technik dann doch wieder deinen Sound in einer Art und Weise, die dich zwingt, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Außerdem ist es sexy.”

Filme Fahren

Seine Produktionsweise charakterisiert Morgenstern als „Zweckautismus”. Darin bahnt sich die auch auf der visuellen Ebene wiederkehrende Figur des Auratisch-Verschlossenen an: „Bei Musik ohne großartige Texte”, betont Morgenstern, „ist die visuelle Komponente doch das einzige Medium, um potentielle Inhalte zu transportieren. Die Lydia EP funktioniert nur durch das Visuelle, genauso wie das Death Before Disko-Konzept.” Der Helm auf dem Death before Disco-Cover oder der Comic auf der Lydia EP verbreiten das Pathos des Verschlüsselten. Ein konzeptuelles Anschließen von Techno, so wie ihn Mills mit dem Metropolis-Soundtrack vollzieht, lehnt Morgenstern ab. Dem Urbanismus und dem Futurismus, der in den nochindustriellen Fragmentierungen Detroits einen ganz anderen Ort konstruiert, stellt Morgenstern das Fantasy-Action Spiel Warhammer 40.000 entgegen, das von der Schlacht der Menschheit gegen eindringende Aliens handelt. Anders als beim Metropolis-Soundtrack sollen bei Morgenstern Welten vorstellbar, träumbar gemacht machen.

Detroit Techno ist kein Soundtrack der zerschmetterten Urbanität oder ein Bild zukünftiger Welten, sondern diese selbst, eine Architektur im Akustischen. Als Gegenentwurf dazu projeziert Morgernstern filmischen Techno, der mal mit minimalen, wie auf der Lydia EP, mal mit hyperexpliziten Stimmungssamples, wie Hawaii Blue, das Imaginäre der TänzerInnen antippt. Diese können die Form winziger Psychedelismen, tranciger Synthiepopspielereien oder megalomanisch finsterer Fast-Ausbrüche haben, die sich in den ungebrochen harten Sound einschleichen und diesen dezent zersetzen. Dennoch löst Morgenstern niemals das strenge Beatkorsett in Richtung Song oder Ambient auf. Auch in der visuellen Umsetzung muss das Prinzip der minimalen Andeutung erhalten bleiben. Beim Flash-Projekt zu Hawaii Blue setzen sich die Bilder von Hawaii, das Fenster zum Club, die Exotismus generierende hawaiianische Schönheit nicht zu einem Film zusammen. Der konzeptuelle Überbau soll vermieden werden: “Ich finde die Interpretationsgeilheit, die sich über die letzten Jahre im Bereich sowohl der Konsumenten als auch der Produzenten erst vorsichtig eingeschlichen und dann rigoros breit gemacht hat, erschreckend. Willkür, Einfallslosigkeit und das Fehlen jedweden musikalischen Anspruchs oder Innovation wird durch pseudo-konzeptionelle, wenig durchdachte Inhaltsfetzen ersetzt und mit alt-80er sowie NDW Versatzstücken arrangiert, um dann von VIVA II feierlich zur Kunst geadelt zu werden. Auf zum Flohmarkt und ein paar alte Super 8 Filme gekauft, oder einfach mit der DV durch den Supermarkt und fertig ist der Prototyp des neuen deutschen Medien-Künstler-Krautrock Selbstverständnisses.”

Bolzplatz & Dissidenz

Mit der neuen CD Hawaii Blue und ihren unverkennbaren Achtziger-Referenzen wird aber immer unklarer, wo die Grenzen zwischen Minimal-Ansätzen und Viva II-kompatiblen Formaten verlaufen. Die intendierte ästhethische Dekontextualisierung scheitert. Das mag u.a. auch daran liegen, dass Morgenstern sich in seiner Kölner Homebase – die eben längst nicht dieses Kaputte in sich trägt – in der Figur des Dissidenten gefällt. Der einzige elektronische Bolzplatz im Medienpark Köln schimmert im Kompaktlabel auf: “Kompakt ist der einzige territoriale (Techno-) Produktionskomplex, der nicht versucht, mit pseudo-elitärer Ausgrenzungspolitik oder kulturpolitischer Schreckensherrschaft ein Machtmonopol aufrechtzuerhalten. Ob einem die Musik gefällt oder nicht, Kompakt ist in punkto Bodenständigkeit sowie Bescheidenheit in diesem Zusammenhang einzigartig.”
Trotz dieser Respektbekundung sind Morgensterns Verbindungen zu Kölner Szenen unverbindlich. Innerhalb von Techno zu denken ist für Morgenstern somit der eigentlich erfüllende „Daseinsgrund” elekronischer Möglichkeiten. Vornehmlich in Köln.

Weil die tönende Materie Techno in sich selbst das Politische erzeugt und die Praktiken des Dancefloors konfiguriert, erübrigt sich für Morgenstern jede Reflexion über Dancefloorpolitik. Die klingenden Moleküle sind sprachlos. Darum ist der Floor als Performativitätsdiktum für Morgenstern diskursiv nicht vermittelbar. Wenn Techno eine Politik ist, dann weil Bewegungen erzeugt werden, die alles mitfortreißen. Die euphorische Rezeption des Wassermanntracks W.I.R (“wir sind auch anders, wir machen weiter”) weist Morgenstern lakonisch zurück: “Ich habe das Sprachsample gar nicht verstanden.” Morgenstern interessieren keine sprachlichen Einschübe, die einem Track eine poltische Nuance verleihen sollen – so etwa geschehen in den unsäglichen Variationen rockistischen Materials (der Fall Tocotronic vs. Console). “Einzusehen, dass ein Track enfach völlig belangloser Müll ist, fällt jenen oft schwer, die vor Stolz oder Selbstüberschätzung gepaart mit krankhaftem Ehrgeiz, etwas Bedeutendes schaffen wollen.” Überall scheint sich für Morgenstern Diskursmüll anzusammeln, der die musikalischen Wirkungen repräsentiert. Den gilt es wegzurocken, mehr aber noch diese Paranoia.

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Text: Riley Reinhold aus De:Bug 18

Vorsprung durch Pop Christian Morgenstern Riley Reinhold rrr@de-bug.de VON TECHNO ZU COUNTRY Christian Morgenstern, sollte man meinen, steht für deutschen Techno. Nach einem ersten Kontakt mit ihm war mir allerdings sehr schnell bewußt, daß seine Beweggründe, “Techno” Musik zu machen, keineswegs Ergebnis eines Genre-Diskurses sind, geschweige denn in der Technokultur verwurzelt. Dagegen purzeln Namen von Popsängern und R&B Acts wie Kaugummikugeln aus seinem Mund. Den Begriff Techno nimmt er für sich selbst gar nicht in Anspruch, wichtig für ihn ist es alleine, Musik zu machen. Morgenstern sagt es in eigenen Worten so: “Ich setze mich jetzt nicht hin und sage mir, ich mache jetzt etwas Besonderes, wie z.B. Techno. Ich mache das, was ich denke und was ich fühle. Andere sagen dann, daß das Techno ist. Ich könnte mir auch vorstellen, irgendwann zu einer anderen Art von Musik zu kommen, aber eher unbewußt. Ich habe vor kurzem ein Countrystück für ein Video der Medienhochschule gemacht, und das sollte auch irgendwann einmal rauskommen.” BRUTALER SCHOCK Durch seine Arbeit im graphischen Bereich lernte Christian Morgenstern 1994/95 Programmierer kennen, die Techno produzieren. Mit ihnen erstellt er seine ersten Demos, die er an Harthouse schickt. Die gesellschaftliche und soziale Relevanz dieser Bewegung interessiert ihn schon damals nicht. Seine Stücke sind ähnlich wie bei Like A Tim die Ergebnisse eines Menschen, der gerne zuhause sitzt und sich mit sich selbst beschäftigt. Nach einem Demo für das Kölner Label NTA, das abgelehnt wurde, erschienen ganze vier Platten auf dem Frankfurter Label Kanzleramt und gehörten dort zu den auffälligsten, eigenwilligsten Produktionen. Durch seinen Umzug nach Köln wegen eines Studiums an der Kunst und Medien Hochschule gerät er in Kontakt mit dem Kölner Vertrieb Formic, der ihm die Möglichkeit eröffnet, auf “Konsequent” zu veröffentlichen und sein eigenes Label “Forte” zu gründen. “Ein Stück auf meiner Forte Veröffentlichung war ürsprünglich für Kanzleramt geplant, schaffte es aber damals nicht. Ich weiß nicht warum.” Mit diesen beiden Labeln ändert sich nun sein Stil. Seine zuvor fast gebrechliche, fast digital wirkende Ästhetik bekommt eine analoge Mächtigkeit und zuweilen auch Brutalität, die schockiert und zugleich fasziniert. ICH SEHE FARBEN Theorien über Musik wie auch die Zuordnung von Stilen sind für ihn völlig uninteressant, er sieht in der körperlichen und gefühlsmäßigen Auseinandersetzung die einzige Möglichkeit des Verstehens. Eher darf eine Zuordnung durch Farben den Weg für eine Assoziation und Diskussion ebnen: “Die Forte A-Seite klingt weiß. Der harte Track auf der Konsequent 005 ist ein metallisches, ultramarines Blau.” Wenn Morgenstern überhaupt an Techno denkt, dann in seiner Fantasie. Techno, das ist für ihn keine Musik sondern ein Groove, der nach Machine klingt, und der von einer Allgemeingültigkeit geprägt ist, durch die ihn alle verstehen können. “Ich finde, daß es bisher keiner hinbekommen hat, Musik zu schreiben, die wirklich nach Maschinen klingt! Maschinen sind ja nicht groovy, und ihnen dann eine groovige Qualität zu verleihen, das ist doch ein Gegensatz in sich. Der Rhythmus stellt so etwas wie ein Urverständnis dar. Gute Musik ist dadurch gut, daß alle Leute sie verstehen. Diese Musik kommt eben dem Mastergroove nahe. Selten schafft es jemand, Techno und Musik zusammenzubringen. Ich finde, ein Album wie das von Neil Landstrumm hat diese Qualität. Jeff Mills dagegen finde ich total unmusikalisch, der ist vielmehr tribal.” GLEICHGÜLTIGKEIT UND FORTSCHRITT Seinen eigenen Stücken unterstellt er nicht die Qualität, etwas Neues darzustellen, vielmehr sagt er selbst: “Die Sachen, die es heute gibt, sind rückwirkend ein oder zwei Jahre neu. Aber heutzutage sind die Sachen nicht neu, die rauskommen. Ich habe nur die Form der Darstellung verändert.” Freunde von ihm wählen die Stücke aus, die sie für gut halten: “Wenn ich etwas mache, weiß ich nicht, ob es gut ist. Bei fast jedem Stück, denke ich danach mit einer gewissen Gleichgültigkeit: OK. Manchmal mache ich auch einfach das DAT aus.” Gegenüber Techno bevorzugt er die Überschaubarkeit und Simplizität der 80er Jahre Pop Produktionen und prangert den Verlust einer romantischen Qualität an. “Mir gefällt an den 80ern die analoge Fläche, die Geräte, die Hits wie “Jump” oder Songs von Kim Wilde. Als Kind mochte ich das allerdings nicht.” Die Entwicklung von neuen Sounds im Chart Pop Bereich , Top Of The Pops Dancefloor der 90er halt, verurteilt er als eine Ästhetik, die sich ausschließlich durch den Gebrauch von neuen Geräten auszeichnet. Eine digitale Ästhetik ist nicht nach seiner Vorstellung, bewegt sie sich doch immer mehr von, wie er sagt, “coolen Werten” weg. Der Weg steht frei für Popmusik. OUT SOON: Compilation auf Kanzleramt mit vier neu abgemischten oder Variationsstücken. Aktuelle Veröffentlichungen: Christian Morgenstern – Visco Space Saves The World (Konsequent 005) Christian Morgenstern – Night Of The Living Deaf (Forte 001) ZITAT: Manchmal mache ich auch einfach das DAT aus. Mir gefällt an den 80ern die analoge Fläche, die Geräte, die Hits wie “Jump” oder Songs von Kim Wilde.

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Text: riley reinhold aus De:Bug 02

Christian Morgenstern- Emotionen Emulgieren

Riley Reinhold
rrr@buzz.de

Wenn man den Hype weiterspinnt, den Techno aus Deutschland momentan in der Welt genießt und wenn man, gemäß dem subjektiven Empfinden, diesen kleinen knackenden Tönen auf rollenden Bässen in ihrer historisch unvorbelasteten Art den Vorrang gibt vor einer nach Dominanz verlangenden, diktatorischen Bassdrum, die seit 10 Jahren die Clubschädel weichklopft, dann ist Christian Morgenstern vielleicht ein Anwärter auf kommende, hoffnungsvolle Zeiten.

Mit seinen beiden Platten auf dem Frankfurter Label “Kanzleramt” und mit seiner erst jetzt auf Important Extract erschienenen Platte, mag man ihn schnell zu der neuen Generation von Produzenten zählen, denen der US Spirit nicht über alles geht und die sich dazu entschieden haben, die Ästhetik auf filigranere Raster zu übertragen. Im Gegensatz zu vielen anderen Produzenten, ist sein Zugang zur Musik nicht über die Clubszene oder die Liebe zu Techno entstanden, sondern durch seine Aktivitäten als Graphiker in Amigakreisen Anfang der 90ger. “Zuerst in einer Gruppe, die sich Digitel nannte und danach in einer Gruppe namens Essence, die es immer noch gibt. Zu der Zeit habe ich ab und zu vor dem Pro Tracker gesessen und Musik gemacht. Die Musik war 80er Jahre Synthie Pop aber das Ganze ging darum, Demos auf Disketten zu erstellen. Früher hat man das als Computer Animationen bezeichnet, da wo sich z.B. Vektoren drehen u.s.w. Man hat in mühsamer Kleinarbeit einen Würfel programmiert der sich dreht und dazu Graphik und Musik gemacht, so daß man letztendlich ein kleines Filmchen hatte. Es ging im Grunde um ein fettes Gesamtkonzept. Das Witzige ist, daß mit den Demos nichts wirklich passiert, als daß sie auf Parties und Amigatreffen gezeigt wurden. Wenn sie gut waren, konnte man damit manchmal Geld gewinnen. Hauptsächlich ging es aber um die Korrespondenz. Man hat was geschickt und bekam was zurück. Als Felix, damals mit “Don’t You Want Me” herauskam, war ich in Dänemark auf einer Konferenz. Da kam aus 200 Computern über Lautsprecher “Dont You Want Me” und da fand ich das geil. Über diesen Umweg bin ich dann zu der Musik gekommen, die ich jetzt mache”.
Christian Morgensterns Stücke sind allesamt mit einem Amiga und wenig Equipment gemacht: “Der ganze Schaffensprozeß wird ziemlich dadurch eingeschränkt, daß man mit den Sequenzer-Schranken des Amiga konfrontiert wird. Man kann eigentlich nichts damit machen! Weil ich in den Möglichkeiten eingeschränkt bin, wiederholen sich auch einige Elemente in den Stücken. Das größte Problem ist für mich, daß die Platte oft völlig anders klingt als das DAT. Auf der ersten Platte hatte ich Sequenzen, die um die 20 000 Herz hatten und stark verfremdet waren. Es ist deshalb wahrscheinlich besser, die Sache auf CD zu pressen, weil man dann auch den Klang hat, den man will”.
Er selbst hört keinen Techno und bezeichnet diesen auch nicht als Musik. Er ist zwar gut informiert, was musikalische Richtungen betrifft, setzt diese aber nicht in historische Zusammenhänge, sondern betrachtet sie als ein davon unabhängiges Ergebnis künstlerischen, individuellen Schaffens. Techno sind für ihn Tracks, die ausschließlich für Clubs gemacht sind und dort funktionieren. Damon Wild ist für ihn die Person excellence wenn es darum geht, Funktionalität auf die Club-Ebene zu transportieren. Dagegen interessiert Jeff Mills ihn weniger, was Sinn macht, wenn man seine Stücke hört, die nie aufdringlich wirken. Er bezeichnet seine Sachen als nicht auf den Dancefloor zielgerichtet, eher entstehen sie am Computer bei der Herausforderung, ein schwarzes Feld auf dem Monitor nach seinen Vorstellungen auszufüllen. Seine Aufgabe sieht er darin, intelligente Musik b.z.w. Strukturen zu schaffen, die mit subtileren Mitteln die selbe Wirkung erzielen wie mit konventionellen.
Seine beiden Platten auf Kanzleramt wurden von Heiko Laux und ihm aus einem großen Pool von Demos zusammengestellt und ergeben dadurch letztendlich Dynamiken, die nicht vorherbestimmt worden sind. Ziel war unter anderem, sein gesamtes musikalisches Spektrum zu beleuchten. Momentan versucht er, klangliche Richtwerte zu finden, wodurch er bewußter und zielgerichteter zu einem Ergebnis auf Vinyl kommt, das er vertreten kann. Daß seine letzte Platte auf Kanzleramt (018) viele Assoziationen mit Grungermans (aka Mike Ink) letzter Mini LP wachruft, ist für ihn rein zufällig und nicht beabsichtigt. Christian Morgenstern ist 21 Jahre und Student an der Medienhochschule Köln. Am 22. August wird er im Dorian Gray mit Heiko Laux auftreten.

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