Unsere Platte des Monats ab heute exklusiv auf Zero-Inch und billiger dank De:Bug

Cristian Vogel mag es kuschelig, möglichst nah dran an seiner Fanbase. Die ist zwar nicht die größte unter der Rave-Sonne, dafür umso enthusiastischer und eingeschworener. Im Erutufon-Forum diskutieren Vogel und Gefolgschaft seit zwölf Jahren über Musik und Audiotech-Nerdkram, gelegentlich trifft man sich auch außerhalb des Webs. 2008 überraschte er mit einem Gedichtband plus beigelegter EP in Kleinstauflage, für Liebhaber eben. Zusammen mit denen hat Cristian nun sein erstes crowdgefundetes Album gestemmt. Seine Absicht damit: “Bring back the direct buzz!” “The Inertials” besteht komplett aus Fanspenden, die das Ex-Idol des Brighton Techno vergangenen Winter auf dem Portal Pledgemusic.com eingesammelt hatte. In bester Gesellschaft übrigens, auch Gang Of Four, Archive und die Libertines haben dort schon erfolgreich bei ihren Groupies gepumpt. Zwar ist Crowdfunding nicht mehr der allerletzte Schrei, angesichts der aktuellen Debatten um Umsonstkultur und Musik als Lebensunterhalt aber weiterhin eine beachtenswerte Alternative zum herkömmlichen Music-Biz. Dem hatte sich Cristian Vogel in den letzten Jahren ohnehin weitgehend entzogen. Lieber tüftelte der studierte Komponist an experimentellen Stücken für Theater und Tanzperformances und forschte über Schaltkreise und Klangsynthese. Das dringt in “The Inertials” in jeder krispeligen Hi-Hat, jedem granulierten Hintergrund-Layer und all den extrem detaillierten Sound-Metamorphosen durch. Der Mann beherrscht sein Handwerk, füllt es mit Geist und vor allem: Seele. Sein altes Motto “Equating machines with funkiness” passt mühelos ins Jahr 2012. Alles ist super advanced, aber keine Spur aufgesetzt. Paradebeispiel: “Todays Standard Form”. Ein Dreiminüter aus Klavier und sachter Elektronik, weit weg von triefender Fernsehfilm-Unterflauschung, aber auch kein Stück Sperrholz, das sich mit einkomponiertem Satz des Pythagoras brüstet, aber eigentlich nichts zu sagen hat. Überraschend, wie nah das Album stellenweise an aktuelle Bassmusik andockt. Einige Tracks dürften sich mühelos in Dubstep-Sets verweben lassen, so schluchtentief sind ihre Subbässe und so mühelos kann man hier auf Halftime zählen. Alles versehen mit dem unnachahmlichen Vogel’schen Twist, natürlich. Ständig krabbeln Sounds kreuz und quer durch die Ohren, immer wieder bröseln Klangkrümel ab, die man am liebsten alle aufessen will. Unvorhergesehen zerfällt der Groove und pappt sich neu zusammen. Nicht auf jeden Track lässt sich tanzen, aber wenn, dann will man das umso begeisterter tun. Mit dem Elf-Minuten-Epos “Spectral Transgression” brechen kurz vor Schluss alle Dämme. Nach der Hälfte des Tracks schiebt sich eine gerade Bassdrum unter die flirrenden, pulsierenden Synths und dubbige Chords erlösen von allem Ballast dieser Welt. “The Inertials” heißt übersetzt “Die Trägen”. Ein seltsamer Titel erstmal. Sieht man Cristian Vogel als Zocker, macht das schon mehr Sinn. Er ist zu faul, sich mühsam an irgendwelchen Hindernissen abzuarbeiten und springt mit seinem Sound einfach gleich ins nächste Level. Als das Album fertig war, versuchte er, es im Bad anzuhören, aber: “It’s too intense for that.” Also: Rein damit in die Clubs dieser Welt, in die mit den besten Soundsystems und dem frenetischsten Publikum. Und ab in die nächste Zukunft!

Autor: Friedemann Dupelius / De:Bug # 163

Wie immer könnt ihr unsere Platte des Monats ab heute bei den Kollegen von http://www.zero-inch.com erstehen, selbstverständlich zum gewohnten Freundschaftspreis. Zum Download bitte hier entlang.

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4 Responses

  1. Gott

    wahnsinnige platte – wie immer, wie seit jahren schon! ……toll!

  2. Kurt Dehler

    Kapiere ich nicht. Da sind nur Downloadlinks. Und 7.99 gebe ich nicht für einen virtuellen Haufen von Nullen und Einsen aus. Wo bleibt der Vinyl-Deal? Ganz schlecht, debug.

  3. Major

    yaa man! wo bleibt die shice platte???
    die cd hört sich voll beschißen auf meinem 1210er an =D