Text: Carsten Neubauer aus De:Bug 19

Clean! – Schluß mit dreckigen Soundkonserven? Carsten Neubauer CNeubau@aol.com Clean! soll uns alle in die Lage versetzen, alte – dem gierigen Zahn der Zeit zum Opfer fallende – Lieblingssongs von Tapes oder Vinyl ins CD-Zeitalter hinüberzuretten. Dazu braucht’s dann aber schon einen PC mit Pentium, MMX, 200MHz, 32MB Speicher, CD-Brenner und weitere 200 DM. Dafür verspricht der Hersteller Steinberg aber, daß es Störgeräusche aus den Aufnahmen entfernt und überhaupt den Klang veredelt. Als Gimmick gibt’s noch die Light-Version von WaveLab, die beim Schneiden der Samples hilft und Vorlagen für das Drucken von Covern und Booklets auf der CD. Die Installation verläuft fix und ohne Probleme. Es liegt ein Handbuch bei, doch das übliche Hilfemenü im Programm fehlt komplett. Naja, dafür läuft Clean auch bloß in einem einzigen Fenster mit erfrischend leeren Menüs. Die Bedienung entpuppt sich als wirklich einfach. Die Entwickler haben endlich mal die vielen überflüssigen Menüs und Einstellungen weggelassen oder übersichtlich hinter Knöpfen und Schiebereglern versteckt. Digitale Werkzeuge gegen analoge Fehler: Clean! kann die Songs selbst aufnehmen oder von Audio-CDs und aus Sounddateien importieren. Es schluckt aber nur Dateien in einem einzigen Format. Das ist aber halb so wild, weil das beiliegende WaveLabLight Samples konvertieren kann. Die Songs werden dann in ein Projekt eingefügt, das der Inhaltsangabe einer CD entspricht. So ein Projekt kann bis zu 99 Titel in beliebiger Reihenfolge beinhalten. Nun können die einzelnen Stücke aufpoliert werden. Als allererster Schritt empfiehlt sich hier ein eventuelles Ein- und Ausblenden der Titel, denn die dazu nötigen grafischen Symbole verschwinden nach dem ersten Bearbeitungsschritt aus dem Song. Warum bloß? Sowohl neue Aufnahmen als auch die alten, analogen Medien bringen irgendwann akustische Qualitätsverluste mit sich. Sie klingen dann dünn, rauschen, kratzen und knistern. Dafür hält Clean Effekte bereit, die Abhilfe versprechen. Der Werbetext auf der Packung suggeriert Gigantisches. Die Songs sollen hinterher frei von Störungen sein und über moderne, fette Bässe und einen brillianten Klang verfügen. Vergurkte Stücke wird aber auch mit Clean niemand wieder flott kriegen, obwohl sich die Resultate der Effekte wirklich hören lassen können. So können die gängigen Störgeräusche wie einzelne Knackser, Knistern und Rauschen mit Hilfe von drei speziellen Effekten auf ein erträgliches Maß reduziert werden, ohne alle anderen Geräusche allzusehr mitleiden zu lassen. Die Stücke klingen dann zunächst etwas dumpfer. Dagegen kann der Brillianzeffekt helfen, der zusätzliche Obertöne hinzufügt. Viele alte Songs haben schwache Bässe und klingen deshalb dünn. Hier läßt sich der Baßverstärker so einsetzen, daß sie auch zu den heutigen Hörgewohnheiten passen. Andere waren auch nur so halb Stereo, weil die Technik früher noch nicht soweit war. Aber selbst das ist für Clean! kein Problem, schließlich kann es das Stereopanorama verbreitern. Die Einstellung dieser Effekte kann in ‘Echtzeit’ mitgehört werden, wenn der Rechner schnell genug ist. Das letztendliche Berechnen der Songs geschieht später im Stillen und dauert schon mal ein Weilchen… Dann kann noch normalisiert werden. Ohne nervende kleine Fenster, die tontechnische Details wissen wollen, wird einfach ein Stück oder gleich alle auf eine optimale Lautstärke gebracht. Zum Schluß werden noch Pausen zwischen den Stücken angegeben und schon kann gebrannt werden, auch wieder simpel und bequem. Alles in allem ist Clean ein interessantes Werkzeug, das durch seine Einfachheit und seine nützlichen Effekte besticht. Leider fehlen ein paar Features (wie z.B. Pausen an Anfang und Ende der Stücke entfernen), so daß wohl ab und zu das mitgelieferte WaveLabLight oder irgendein anderes Sample- Schnittprogramm helfen muß. Wem der Preis nicht zu hoch ist, der kann sich mit Clean durchaus einige wohlklingende CDs zusammenstellen, ohne selbst Toningenieur sein zu müssen. Clean! Preis: ca. 199,-DM Systemanforderungen: Pentium MMX o.ä. ab 200MHz und min. 32 MB Speicher info: http://www.steinberg.de

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Elektronische Lebensaspekte.