text
Text: jan kage aus De:Bug 32

/club2000/hiphop Benztown Clubbing Hiphop im 0711 in Stuttgart De:Bug: Man sagt vom 0711 Club, dass er einer der wenigen Clubs in Deutschland ist, wo HipHop funktioniert. Wie kommt das? Strachi: Komischerweise funktionieren wenige, ja. Leider. Mich wundert’s selber. Wenn Freunde wie Leute von den Mongo-Jungs, Samy Deluxe im Club sind oder es kommen welche von den Berlinern, Specializtz, Leute aus den grossen Städten, da sagen alle, es gibt nichts Vergleichbares. Es freut uns, dass es hier funktioniert, man hat sich da ja reingehängt und das ist eine Bestätigung. Aber mich wundertÔs, weil Stuttgart ja auch nicht so eine grosse Stadt ist. Hamburg hat fünf mal mehr Einwohner, und insofern sollte es fünfmal mehr Potential haben. Ich weiss nicht, woran das da liegt. De:Bug: Woran liegt es? Strachi: Wahrscheinlich an der Vorgeschichte. Es hat sich hier ziemlich früh eine HipHop-Club-Kultur entwickelt. Früher gab’s das Red Dog. Genau wie unser Posse Ding mit Kolchose. Die Leute haben sich früh zusammengeschlossen. Berlin ist so gross, da macht jeder sein Ding. Vieles, was auch gut ist, aber man kam nicht auf die Idee, sich zusammenzuschliessen. Wenn man in Berlin weggeht, ist die Chance auch da, gross auf die Fresse zu kriegen. Da war immer ein komisches Klima, deswegen konnten die Clubs nie lange existieren. Früher gab’s das Powerhouse in Hamburg, aber auch da war ziemlich schnell ein komisches Publikum. In Stuttgart haben wir den Kessel, wo sich alles konzentriert, in der Innenstadtlage. Automatisch trittst du dir gegenseitig auf den Fuss. Man sieht sich, trifft sich, und das gibt eine Laidback-Athmosphäre. Das hat sich auch auf das Clubding niedergeschlagen. Und was vielleicht auch noch ein Grund ist: Dass wir schon früh gut organisiert waren. Mittlerweile staune ich, wo die Leute herkommen. Teilweise kommen die 200 km angefahren. HipHop hat ja auch gerade so einen Boom. Es könnte also noch mehr abgehen. Natürlich gibt es in München das Muffathallen-Cafe. In Wuppertal gibt es die Wu-Tal Parties. In Köln Köllefornia. Aber regelmässig, jede Woche? De:Bug: Was ist denn euer Konzept? Strachei: Als wir vor drei Jahren angefangen haben, gab es in Deutschland noch nicht viele HipHop Clubs. Wir haben viel Wert auf den Style der Flyer gelegt. Das Ding ist, der Besitzer von dem Laden, Prag, wie er eigentlich heisst, hat uns gefragt, ob wir einen HipHop-Club machen wollen. Deren Laden lief am Anfang nicht, obwohl die Location geil war. HipHop gab es ausser im Red Dog nicht. Wir haben das unter der Bedingung gemacht, dass wir unser Ding machen können, auch um zu verdeutlichen, dass wir was Eigenes machen. Als Namen haben wir uns dann 0711 überlegt, weil das die Vorwahl unserer Stadt ist, und damit können sich die Stuttgarter identifizieren. Auch die Leute ausserhalb wissen, wo’s herkommt. Die ersten zwei Monate war es sehr schwer, Leute zu ziehen. Der Clubbesitzer wollte dann, dass wir die Charts spielen, damals Gangsta’s Paradise, die Richtung. Wir haben ihm gesagt, dass er uns nicht reinreden soll. Wenn wir das von Anfang an nicht so aufziehen, wie wir wollen, dann macht das keinen Sinn. Dem sind wir treu geblieben. Das war auch genau das Richtige. Dass du stylisch in deinem Ding bleibst, dass nur coole DJs auflegen. Und der Sound muss Style haben, egal ob du House oder HipHop machst. Da haben wir Glück in Stuttgart, weil wir hier viele gute DJs haben. Von Aussen war klar, dass die Leute, die 0711 machen, selber HipHop sind, und das hat Kreise gezogen. Es wurde immer voller und voller. De:Bug: Wieviel Leute zieht ihr denn? Strachi: Letzte Woche waren es 1000, aber es sind auch Ferien. 7-800 sind eigentlich immer da. De:Bug: Habt ihr eine Türpolitik? Strachi: Ja, eigentlich schon. Wir wollten immer die ganzen Stresser raushalten. Dass ist auch der Grund, warum es den Club solange gibt. Wenn du gute Türsteher hast, erkennst du auch die Leute. So Buffalo-Schuhträger lassen wir erst gar nicht rein. Wir haben von Anfang an drauf geachtet, dass nicht 100 Mollocks drin sind. Das soll jetzt nicht diskriminierend klingen, vielleicht klingt das jetzt superhart, aber es gab in jeder Stadt Stress. Es heisst um Gottes Willen nicht, dass keine Ausländer reinkommen – ich mein die mit Goldkette, Rosenkranz und Cowboystiefel. Rein kommt immer nur HipHop-Publikum, so dass jeder sich wohl gefühlt hat. In den drei Jahren hatten wir vielleicht sechs mal Ärger. Manchmal hatte ich auch Beschwerde-E-mails aus Dortmund oder so, dass die Türsteher superkritisch waren und man erstmal beäugt wurde und dann nicht reinkam, obwohl man extra hingefahren ist. Das ist auch Scheisse. Es ist immer schwer, für die Türsteher eine Linie zu ziehen. Im Grossen und Ganzen machen sie es aber gut. Es ist ein HipHop-Club, und alle Leute, die gute Laune im Gesicht tragen, kommen eigentlich rein. De:Bug: Wie ist das mit den DJs? Strachi: Wichtig ist, dass wir unsere Residents haben. Wir fliegen auch manchmal Amis, Engländer oder Franzosen ein, aber damit kann man sich auch schnell ein Bein stellen. Wenn man das zu oft macht, kommen die Leute nicht mehr zu den Residents. Das ist einem Freund von mir mit einem sehr erfolgreichen Stuttgarter House-Club passiert. Eimal im Monat importieren wir. Unsere Residents sind Emilio (Kolchose DJ), DJ Friction vom Freundeskreis, Hank, Illmatic und die Turntable Rocker Michi Beck und Thomilla immer am letzten Freitag im Monat, obwohl das gerade ruht. Wir wollen halt weiterhin unser Ding durchziehen: Guten Sound spielen und ab und zu die Leute ein bisschen teachen. Es gibt Leute, die aus Interesse kommen und sonst nicht den Zugang zu gewissen Dingen haben. Da kann man Einfluss nehmen.

About The Author

Elektronische Lebensaspekte.