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Text: sascha kösch aus De:Bug 32

/club 2000/technologie Tanzen, drahtlos. Warum Clubs Funkzellen brauchen und WAP gut ist Was Clubs im allgemeinen so interessant macht, ist nicht die Tatsache, dass man dort Bier kaufen kann. Bier kann man sich auch implantieren lassen. Was so toll ist und einem soviel Spass macht, dass man dafür sogar seine eigene Wohnung verlässt, ist vor allem dies (nehmt das mal so hin): Clubs sind Orte, an denen sich ein neues Verhältnis von Mensch und Technik etabliert. Toll oder? Ganz ähnlich wie im Strassenverkehr. Dass da auch Menschen mit Menschen reden, mag ja sein. Dass man in Clubs Menschen kennenlernen kann, fein. Aber alles nur im Rahmen einer technologisch hochkomplizierten Konstruktion, die Verstärker, Plattenspieler, Couchgelegenheiten, Türsteher und Kühlschränke zu etwas verbindet, das wir so bescheiden und nonchalant Club nennen. Was also wird diesen Rahmen verändern. Oder besser, was sollte, was könnte Clubs mit ein wenig technischer Versiertheit noch funkiger machen? 1. Wireless One App (2000) Alle reden von Wireless. Wir auch. So. Clubs müssen wireless werden. Nicht nur die dämlichen Kabel, die den armen Clubbetreibern mit statischem Brummen, Ausfall von Leitungen usw. am laufenden Meter Ärger machen und einem (kommt man blöderweise mal zu früh) den Club als besessen von einer Art komplett in die architektonische Struktur eingefressenen Alien präsentieren, an dem haufenweise Leute hilflos herumdoktorn, nein: Nicht nur das, sondern alles. Bezahlung, Austausch von Adressen, IP- & Telefonnummern, Höflichkeiten, Playlisten, Listen, auf denen steht, wer da war, wann, auf wen er oder sie, oder worauf man sonst noch gewartet hat und warum. All das hat Platz auf dem Wireless One App. Mit dem, was früher mal die Clubkarte war, kann man nun jederzeit in das Clubgeschehen eingreifen. Wir stellen uns das so vor: Alle Clubbetreiber schliessen einen Sponsoringvertrag mit einer finnischen Mobiltelefonfirma und profitieren schon heute von den gerade mit tausenden von finnischen Studenten durchgeführten Untersuchungen (als Testfelderweiterung wird man sicherlich gerne genommen, zumal: Neue Mitte, soll ja auch mal was bei rauskommen, dass man sich so einzäunen lässt) über die neuen Anwendungen von drahtloser Technologie. Nachteile: Man erinnert sich an diese schlimmen Bezahlkarten, die man ständig verloren hat (teuer). Man hat eh schon genug Plastik in der Tasche, allerdings wenig so intelligentes, also schnell zu den Vorteilen: 1. 1. Man kann seine eigenen Tracks mit in den Club schleppen, mitsamt lächerlicher Charts, wo sie dann via Broadband auf den Clubserver gewapt werden. Der arme DJ (auswechselbar durch ehemalige, von einem sich langsam etablierenden Clubgängerkonsortium von Nachwuchs-DJs, deren Mixe im Club zirkulieren) muss dann zeigen, dass er auch mit X Prozent (wobei x eine Variable ist, die sich aus der Summe der von Clubgängern auf ihrer Clubkarte festgelegten Prozentanteilen von “meine Musik, denen ihre Musik”-Voreinstellungen regelt) umgehen kann. Wobei schon klar wird, dass ein Club mehr denn je von der “Crowd” definiert wird, die hingeht. (Das gleiche gilt selbstredend für Visuals.) 1. 2. Man verbreitet eigene Informationen wie: Wer bin ich, was mag ich, Lovegettystyle (die Handyindustrie ist sich eh sicher: Lovegetty ist das neue Paradigma für Handys), aber auch in sympathischerer Form als Userbereich auf seinem Wireless One App, so dass jeder, der darf (wichtig), weiss, ob und wer wo wann ist, wie er oder sie sonst noch zu erreichen wäre, ob Person X vielleicht das braucht, was man selber hat, kurzum: Der Club wird zum präindustriellen Marktplatz. Das Austauschen von Nettigkeiten wird zu einem Austauschen von Zugriffsberechtigungen, die kumulative Verfügbarkeit von austauschbaren Dingen wird zum Potential, und möglicherweise zu einer geringeren Rechnung. Wer mehr in den Club mitbringt (nicht schwer, auf der Clubkarte), der muss halt weniger bezahlen, weil er den Club aufwertet. Wobei Club hier immer ein ganzes Amalgam von Orten meint, die durchaus miteinander vernetzt werden könnten (was läuft wo, wer ist wo, wo geh ich hin.) Damit all diese schnurzwichtige Information nicht dazu führt, dass man ständig auf seiner Clubkarte rumliest, sollten so viele Funktionen wie möglich automatisch, der Rest auf innovativen Displays überall im Laden (damit ist die Körpergrenze einbezogen) verfügbar sein. 1. 3. Lautstärke, regelbar über kleine Stöpsel im Ohr getriggert von der Clubkarte. 1. 4. Man kann das Sich-aufs-Ausgehen-Vorbereiten endlos ausdehenen und muss sich nicht nur anziehen, schminken, körperlich vorbereiten. 1. 5. Fertig ist der komplett interaktive Club ohne zwanghaftes Kommunizieren-Müssen. Danke Finnland. Der Rest ist Science Fiction. 2. Die Gegenstelle (2005) Server, Datenbanken, Hochsicherheitssoftware, usw. : Ein Muss für die Grundausstattung eines jeden Clubs, so wie die Fähigkeit, Läden transparent zu machen für den Zugriff von Aussen, ob von Firmen (geregelt bitte) oder Personen (so offen wie möglich bitte, aber geregelt). Der Türsteher? Systemadministrator. Die Bar? Dienstleistungssüchtige. Die Toilette? Multiphren. Clubs erledigen nebenher noch deine Steuererklärung, schliesslich verdient man als Testtier gar nicht mal schlecht. 3. Innovation durch Bewegungshilfen (2010) Sie können nicht tanzen? Benutzen sie doch eine unserer sympathischen Bewegungshilfen: Leisuresuits in allen Konfigurationen. Formationstänze, sich gehen lassen, ohne anderen auf die Füsse zu treten, Rücktransport nach Hause, alles inklusive. 4. Die Götterdämmerung von Nanotech (2015) Lasst uns da noch nicht drüber reden.

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Elektronische Lebensaspekte.