Text: fee, tjoss, felix, dave aus De:Bug 22

Hier sind Sie richtig: Design is a good idea Vier Clubs zum Ansehen. Im Grunde sollte das, was über einen Club zu sagen ist, völlig klar sein. Denn wie sonst könnte es diese vielen, vielen Clubs auf dieser Welt geben, und woher kämen sie alle, diese vielen Menschen, die sich immer wieder in den vielen Clubs zu Clubmusik und Clubgesprächen treffen? Menschen, Gespräch und Musik Ð das addiert sich für gewöhnlich und geht auch meistens auf, zumindest dann, wenn es am Ende das ergibt, was über einen Club zu sagen ist. Nicht daß hier jetzt am Wert dieses ohnehin verkürzt dargestellten Empirems oder gar an seinen Einzelkomponenten gekratzt werden soll, aber es gibt Momente, in denen sich plötzlich auch noch andere Gleichungen auftun, an die man zuvor vielleicht noch nie gedacht hat, etwa wie: ein Club ist ein Club ist ein Club ist ein Club, und dann kommen auf einmal auch noch ganz andere Dinge mit ins Spiel. Etwa Aussehen oder Atmosphäre. Kurz, etwas, das plötzlich da ist, einen anspringt und Design genannt werden könnte. DEBUG hat sich im folgenden 4 Clubs ausgesucht, verstreut über das Land, und ihr Inneres beobachtet. Der Technoklub Felix Denk superfelix@iname.com Was gute Technoklubs ausmacht, ist, daß sie ihre Besucher regelrecht einsaugen und, während man sich in ihnen aufhält, nicht mehr loslassen. Bezüge zur Außenwelt, wie zum Beispiel Fenster, sind da natürlich komplett fehl am Platz, und so wird auch beim Eintritt ins Ultraschall die bürgerliche Identität mit der Jacke zusammen an der Garderobe abgegeben. Die Tanzfläche des Münchner Ultraschall ist weiß gekachelt – ein wenig im Christiane F. Stil vielleicht- und in sich relativ abgeschlossen, was das Geschehen auf den Floor konzentriert. Die einfachen, geometrischen Formen haben etwas Fabrikmäßiges, nicht aber eine Warehouse Atmosphäre, dazu ist die Räumlichkeit zu verwinkelt. Während das Design der Tanzfläche funktional geprägt ist und auf jeden Schnick Schnack verzichtet wird, ist der angrenzende Barbereich verspielter und farblich wärmer. Von der Tanzfläche gehen Gänge ab, die zu den Klos führen, die Raum für wechselnde Lichtinstallationen bieten. Das Jungsklo ist volltapeziert mit Covern von Groschenromanen. (Ob es das auch am Mädchenklo gibt, habe ich noch nicht erforscht). Diese kühle, industrieartige Ästhetik des Hauptraums wird kontrastiert von dem grünen Raum, der ganz und gar mit grünem Flokatistoff ausgelegt ist. Der Gegensatz hart – weich im Design entspricht der Nutzung der Räume. Während auf der Tanzfläche abstrakter Techno läuft, steht der grüne Raum in der Tradition des Chill Out Raums, die Musik ist weniger festgelegt, aber immer mit Anhörcharakter. Das flauschige, höhlenartige Ambiente des grünen Raums kommt dem Mutterleib, wie man ihn sich postnatal so vorstellt, ziemlich nahe. Was ist denn hier los? Alexandra und Pete Mittwoch morgen, 5 oder 6 Uhr. Hafentreppe St. Pauli. Was für eine Nacht. Der letzte Martini, Sonnenaufgang. Ich kann jetzt unmöglich nach Hause gehen. Also doch noch einmal zurück in den Pudel. Dj Koze ist wahnsinnig, ein blonder Mann im Anzug gröhlt laut ins Mikrofon, die Leute drehen total durch, was ist denn hier los? Die herrliche Unberechenbarkeit des Golden Pudel Club ist es, die uns immer wieder an diesen absurden Ort zieht. Es ist nie vorherzusehen, wohin uns eine Austellung in der Galerie Nomadenoase, ein Konzert von Superpunk, der new romantik deep stuff von Bonnie & Spy oder die Rephlex Night von MFOC führt. Das Ambiente ist ebenso uneindeutig wie die Musik. Kunstwerke der Akademie Isotrop treffen hier auf Norberts neueste Discolights. Höhepunkte der Lichtspiele sind aber die Frühjahres-Dia Vorträge von Jaques Palminger, untermalt werden sie von dem Meister der Hammond Orgel Felix Kubin. Europas schlechteste Lasershow, der härteste Tresen Hamburgs und die legendäre Holzvertäfelung sowie ein einzigartiger Plastikwintergarten sind Argumente für den Hamburger Poser, doch besser zu Hause zu bleiben. Die Schönen der Nacht kommen nicht. Das Publikum ist nie einzuordnen, passt so absolut in überhaupt keine Schublade. Ebenso die Musik: Der PudelsSound ist laut und reicht neben 60s Soul, Lo-Fi und Lifetrash durch alle Gefilde neuer elektronischer Spezialitäten, Gäste wie Mixmaster Morris, Stefan Strüver und Steve Becket, Vincenzo, Stachy oder DSL kommen immer wieder. Letzterer dreht dann auch gerne bis 9 Uhr vor kreischender Groupies an den Tellern. Wir erinnern uns gerne an legendäre Golden Pudel Raves, Breakdance bis 10 Uhr morgens und Strobo Ber auf Extasy inclusive. Die Pudel Djs servieren uns immer wieder unvergessene Nächte, vorausgesetzt man kann sich noch an den Wahnsinn erinnern. Und jetzt wieder dieses abartige Set von Dj Koze, der alle unter den Tisch spielt. Ausnahmelos. Auch Inken hinter der Bar hört nicht auf zu tanzen. Noch ein Martini? Noch lange. Ist schon 8 Uhr. Martini? Ich bekomme Angst. Vor Koze, vor dem Pudel, vor mir selbst. Schnell weg hier, aaaaah. dates mo: akademie isotrop. wechselnde ausstellungen und djs di: kaiserwetter mi: spakofant (60s soul und beat) do: klub zehn.hundert (house, drum’n’bass) fr: ricky sa: bonny and spy (deep delights) so: MFOC (watch out for specials) Liquid Sky Cologne Das Liquid Sky ist ein liebevoll gebastelter Club. Einheitliches, gar unterkühltes Hitec-Design findet man hier nicht. Es ist eher ein buntes und sehr atmosphärisches Sammelsurium von allerhand Kuriositäten. Diverse Sofas und andere Sitzgelegenheiten mit altertümlichen Bezügen vom Sperrmüll, ein riesiger Wohnzimmerspringbrunnen und blaugestrichene Wände mit Jesusbildern und Trockenblumen bestimmen das Bild ebenso wie ein lebensgroßer Polizeimann aus Plastik, gestapelte, ausrangierte Fernseher, zahlreiche Optikinetics und natürlich die typischen Liquid Sky-Lampen mit dem Astro-Girl-Motiv. Im Liquid Sky muß man auf das Detail achten, versteckt oben auf dem Regal hinter der Bar oder in irgendeiner anderen, meist unerwarteten Ecke. Nicht nur im Design gibt es hier glücklicherweise keine Kontinuität, sondern auch in der Ordnung: Immer wieder verschwinden Dinge, kommen hinzu oder tauchen einfach irgendwo,an einem neuen Platz, wieder auf. Schöne Clubs Ð das WMF Tjoss May Fotos: Claudia Burger Im Grunde sollte das, was über einen Club zu sagen ist, völlig klar sein. Denn wie sonst könnte es diese vielen, vielen Clubs auf dieser Welt geben, und woher kämen sie alle, diese vielen Menschen, die sich immer wieder in den vielen Clubs zu Clubmusik und Clubgesprächen treffen? Menschen, Gespräch und Musik Ð das addiert sich für gewöhnlich und geht auch meistens auf, zumindest dann, wenn es am Ende das ergibt, was über einen Club zu sagen ist. Nicht daß hier jetzt am Wert dieses ohnehin verkürzt dargestellten Empirems oder gar an seinen Einzelkomponenten gekratzt werden soll, aber es gibt Momente, in denen sich plötzlich auch noch andere Gleichungen auftun, an die man zuvor vielleicht noch nie gedacht hat, etwa wie: ein Club ist ein Club ist ein Club ist ein Club, und dann kommen auf einmal auch noch ganz andere Dinge mit ins Spiel, und man fragt sich, wie weit man ausholen muß, um deutlich zu machen, wie Ð sagen wir Ð eine mittelfristige Lösung in freigepumpte Toilettengänge wandert, Asbestverseuchungen nicht nur übersteht, sondern sie sich auch noch nutzbar macht, um sich schließlich an einem Ort zu plazieren, der Metaebene genannt werden könnte, läge darin nicht dieses Element, das so sehr nach Kopflastigkeit riecht. Ein langer Satz, doch lang ist die Geschichte. Und nennen wir das vorläufige Ende nicht Metaebene, um keinesfalls der Stimmung wehzutun, die den Ort letztendlich eben doch in die Reihe der schönen Clubs stellt. Vielleicht ist es am besten, diesen Ort jetzt erst einmal aufzusuchen, sich an die Bar zu stellen und von dort aus das anfängliche Problem der Einordnung und Zuschreibungen zu lösen, indem man Ð zum Beispiel Ð von der Besonderheit der Bar zu sprechen beginnt. Nicht von dieser Bar, denn die kam erst später. Weil nämlich auch der Club, in dem sich die Bar heute befindet, bereits an vier Stationen ansässig war und eine dementsprechend lange Geschichte hat, die stets entlang der Achse des jeweils gegenwärtigen, berlinspezifischen Zeitgeschehens verlief. Die Geschichte – vorläufig noch ohne Bar Ð begann vor acht Jahren nach der Besetzung des ehemaligen Fabrikationsgebäudes jener Metallwarenfirma, die, ohne es zu wissen, dem Club ihren Namen lieh, dann, als sie es wußte, ihn wieder wegnahm und nach einer mittelfristigen Lösung verlangte, die das WMF kurzzeitig zu MFL werden und weiterziehen ließ. Erwählter Ort: die unterirdischen Toilettenanlagen des Potsdamer Platzes, die damals allerdings noch gänzlich überflutet waren, und erst in einer Aktion, die nicht nur mit Tauchpumpen, sondern eben auch mit Großstadtarchäologie zu tun hatte, entdeckt wurden. So schön das auch klingt, die Gesetzeshüter fanden die Operation, die allein aufgrund des damaligen Vakuums ungeklärter Rechtverhältnisse möglich war, irgendwann gar nicht mehr famos, und also mußte sich der Club auf ein Neues auf Wanderschaft begeben, die erst nach einem Jahr mit dem Ð diesmal offiziellen und legalen Ð Bezug eines quadratischen Raumes in der Bugstraße endete. Spätestens an dieser Stelle muß jetzt aber endlich mal von der Bar die Rede sein. Eigentlich die Bowling-Bar des Palastes der Republik. Und eigentlich eine Bar, die zunächst im Kontext einer Kunstprojektierung stand, was jetzt zwar nach einer völlig anderen Geschichte klingt, aber so ist sie nun mal, die Entwicklungsgeschichte des WMF, in der Überschneidungen verschiedener Projekte und die Nutzbarmachung historischer (Nicht-) Momente eine große Rolle spielen. Die Bar also. Symbolisch freigekauft (was nicht schwierig war, da sie seit dem Sturz der DDR-Regierung sowieso übelst an ideologischer Asbestverseuchung litt und also nur zu gerne hergegeben wurde), dann Ð 100 Meter weiter Ð wieder implantiert, um dort fortan als WMF-Bar zu fungieren, nebst den ganzen anderen Möbelstücken zum Teil selbiger Herkunft, die die Umbruchszeit gewissermaßen angespült hatte. Daß das damals Ð bezogen auf die Ästhetik Ð auch noch allen gut gefiel, war eben gut. Wichtiger jedoch: die immer zugegene Referenz auf die Vergangenheit, übertragen in einen anfänglich stets leerstehenden Raum, der wieder und wieder abgesteckt und umdefiniert werden konnte und insofern die berlinspezifische Verortung immer mitreflektierte, als daß das alles eben, so wie es passiert war, nur in Berlin passieren konnte. Das waren die Denkräume. Und inmitten derer gab es immer genug Platz für den Clubbetrieb, den Menschen, die in einen Club gehen, um dort Clubmusik und so weiter zu hören, so sehr schätzen. Das jetzige WMF, Nummer vier in der Reihe und im ehemaligen Gästehaus des Ministerrates in der Johannisstraße, besteht aus mehreren, formal eher klar gehaltenen Räumen, hinter denen der Grundgedanke steckt, eine Infrastruktur zu schaffen, die Dia- und Viedeoprojektionen genauso möglich machz wie den klassischen Clubbesuch, der eher auf das Kombinat Musik, Tanz und Gespräch aus ist. Die Bandbreite, die sich aus dieser Gesamtmischung ergibt, betrifft auch die Musikauswahl selbst, die ein Tribe-Denken nicht zelebriert, und damit auch jede Form von musikalischer Polarisierung, etwa wie Techno versus Drum’n’Bass, ablehnt. In der Vielschichtigkeit des Clubs, die sich immer wieder auch in kleinen Raumveränderungen manifestiert, wird das Prinzip ÇLabor zu seinÈ weiterhin aufrecht gehalten, vor allem aber als Lebensraum, dessen Wohlfühl- und Spaßcharakter nicht über einen Konzeptionswahn verlorengeht. Besonders besonders ist eine Videoinstallation aus ehemaligen Stasi-Überwachunsanlagen, aber, wie gesagt: ein Club ist ein Club ist ein, und man muß deshalb schon selber kommen, um sich das alles anzuschauen.

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Elektronische Lebensaspekte.