Was diesen Herbst für gewöhnliche Menschen die Veröffentlichung eines neuen Kate-Bush-Albums nach 12 Jahren war, das war für die Gemeinde der Clubber, DJs, Software-Checker, Nerds und Ninjas die Fertigstellung von Coldcuts "Sound Mirrors" - acht Jahre nach dem verdammten Eisberg von einem Meisterwerk namens "Let Us Play".
Text: Eric Mandel aus De:Bug 99

COLDCUT // Fuck dance, let’s sing

“Kate Bush, hehe, auch so ein faules Stück wie wir“, schmunzelt Jonathan More, mit Mütze und dem bekannten grauen Zweitagegestoppel, seit “Let Us Play” irgendwie weder gealtert noch sonst verändert. Und Kollege Matt Black mit Phantasiekostüm und Hut weiß die rekordverdächtige Albumpause sogleich mit einem noch dickeren Rekord zu toppen: “Arbeitet Jerry Dammers (ehemaliger Specials-Keyboarder) nicht schon seit zwanzig Jahren an seinem Soloalbum?” Die beiden sind die freundliche Lässigkeit in Person. Und hey, sie wissen es, wir wissen es und ihr wisst es auch: Ein paar Jährchen kein Album rauszuhauen ist nicht dasselbe, wie auf der faulen Haut zu liegen. Auch wenn Herr Black vorgibt, die letzten Jahre ausschließlich an seinem Film “Beaches and Massages of the World” gearbeitet zu haben, ging da natürlich einiges mehr. Z.B. die Kleinigkeit von einem Label namens Ninja Tune, Radioshows, Liveshows – zuletzt im Rahmen der fulminanten Zen-TV-Tour -, Software-Entwicklung … “Inventing the Future is a fulltime job”, seufzt Matt Black, der seit Jahren die Research&Development-Sektion von Ninja Tune betreut. Einige Produkte, wie der scratchbare DVD-Player und die auf den Videos zu “Let Us Play” ausgiebig zum Einsatz gebrachte Software VJamm, gehören zu den sichtbarsten Erfolgen dieser Abteilung. “Andere Projekte erweisen sich dann aber auch mal als Sackgasse. Als Ableton mit Live rauskam, war das zwar spitze – wir benutzen es selbst -, aber DJamm wurde dadurch natürlich redundant.” “Wurde es nicht”, beruhigt ihn Jonathan, “wir haben damit endlich mal unsere Sample-Bibliothek aufgeräumt.” Und immerhin warf die Forschung noch das mittlerweile recht beliebte VST-PlugIn Coldcutter ab. Und – neben reichlich Sample-Futter für die Solid-Steel-Radioshow – auch den einen oder anderen Track: zuletzt “Re:volution”, ein in bester Sherwood-Manier zusammengehauener, politisch motivierter Batzen Sampledelica.

An diesen schließt “Everything Under Control” als Album-Eröffnungstrack und erste Single direkt an. Es bratzt, es rollt, es mahnt. “Rock’n’Roll!”, röhrt Jon Spencer gleich zum Einstieg, um dann dem verzwickten Flow von Mike Ladd Platz zu machen. “Sound Mirrors” wirkt zunächst wie das Gegenteil der alle Rahmen sprengenden Spielwut von “Let Us Play”, dem Album mit der programmatischen Spielzeugkiste auf dem Cover, das in dem verdrehten Imperativ “Fuck Dance, let’s Art” ebenso seine Entsprechung fand wie in den mitgelieferten Softwaretools, dem Elektrojazz, den Politics und der Hommage an Steve Reich. “Let Us Play” war so erhaben spaßig, so knallbunt, vielschichtig und klug, in Arrangement und Referenzspektrum so dermaßen out … “Es war unser verrücktes Laboratorium“, erinnert sich Jonathan More. “Wir hatten so verdammt viele Ideen und haben sie einfach rausgeblarkt.“ Und er macht ein Blark-Geräusch. “Sound Mirrors” ist da ähnlich … aber dennoch komplett anders. Stilistisch überaus divers, mit einer Gästeliste, die von Amiri Baraka über Annette Peacock, den frischen britischen Jazz-Saxofonisten Soweto Kinch bis zu Ninja-Künstler Fog reicht, aber eben nicht so verrückt, nicht so unberechenbar und vor allem nicht so vorne dran. Ein Track mit Roots Manuva über eingescratchtem Desi-Sample, ein Folksong mit John Matthias, mit “Walk A Mile” eine veritable Streetsoul-Schmonzette … es vergehen gut 30 Minuten, ehe wirklich zu merken ist, dass dies nicht eine der beliebten Ninjatune-Compilations ist, sondern ein Künstleralbum der beiden Dons selbst. Es ist nicht leicht, in dieser Situation die cojones aufzubringen, die beiden netten Legenden mit so einem Urteil direkt zu konfrontieren. Aber mit dem Kunstgriff der als Kompliment getarnten Kritik gelingt es, Jon More zum Plaudern zu bringen.

Nach der Message suchen

Er gibt an, die Referenz sei eben nicht “Let us Play” gewesen, sondern liege tiefer in der Vergangenheit von Coldcut. Wir erinnern uns: Das historische Zusammentreffen im Plattenladen, die ersten gemeinsamen Weißmuster, produziert mit Sampler und Tapedeck. Dann der legendäre “Paid in Full”-Remix, den alle liebten (außer Eric B. & Rakim), der Majordeal, die LPs “Out To Lunch” und “What’s That Noise”, Lisa Stansfield, Yazz, Acid House, lustige Hüte und Mützen, Majorfrust und Ninja-Epiphanie im japanischen Hotelzimmer. Jonathan More: “Für mich war es interessant, noch mal auf ein Album wie ‘What’s That Noise’ zurückzuschauen, das in so einem Nebel jugendlicher Ignoranz hergestellt wurde. Es gab nur sehr basales Equipment und dazu eine Menge Spaß am Kreieren. Ich wollte das auf dem neusten technischen Stand wiederholen, aber wir haben auch ein paar von den alten Spielzeugen ausgegraben. Zum Beispiel das Korg-Tape-Echo, dessen Tapes wir nie ersetzt haben, sondern immer wieder zusammengeklebt, so dass es mittlerweile so unkontrollierbare Aussetzer gibt. Und Matts Korg MS 10, damit haben wir die Basslines für ‘Doctorin the House’ gemacht und ‘Stop That Crazy Thing’. Vielleicht ging es auch darum, zu ein paar Sachen zurückzukehren, denen wir vertrauen können …”
So viel zur offensichtlichen Ästhetik der Unmittelbarkeit, die das Album trotz der zahlreichen stilistischen Bewegungen zusammenhält. Hier ist das Coverartwork aufschlussreich: ineinander verschlungene Elemente von Stadtarchitektur, irgendwie vertraut, aber unübersichtlich, funktional unbestimmbar, durch den Cartoon-Style abstrahiert und dennoch von einer gemeinsamen Grundierung zusammengehalten, legt es auch den Gedanken nahe, dass es sich bei “Sound Mirrors” um eine echte London-Platte handelt. Was Matt kurz bestätigt, bevor Jonathan weiter ausführt: “Es ging aber auch darum, Songs zu machen. Ich meine, du kannst eine Menge verrückter Geräusche machen. Und wir haben weiß Gott eine Menge verrückter Geräusche gemacht. Allerdings kannst du heute in den Laden gehen und dir Sample-CDs mit hunderten von fantastischen verrückten Geräuschen kaufen.” Grimmiges Nicken von Matt: “Du kannst auch fantastische Verrückte-Geräusche-Maschinen kaufen … als Software. Jedes verdammte Drumkit, das es gibt, bis hin zu Sun Ras Synthesizer.” “Wir suchten nach etwas Substantiellerem. Ich meine, wir lieben immer noch abgefuckte verrückte Sounds …”, “… und fette Beats …”, ” … und fette Beats. Aber ein Song mit einer Message – sei sie: Ich liebe dich oder ich hasse dich oder du bist scheiße oder du bist fantastisch -, da steckt doch einfach immer ein bisschen mehr drin.”

Und so kommen wir zu dem Punkt, der sich mit dem grobschlächtigen Einsatz Jon Spencers am Beginn der LP schon ankündigte: Auch für Coldcut erfordert Musizieren auf der Höhe der Zeit den vulgärdialektischen Zusammenschluss der Energien aus Dance und Rock. Matt Black: “Als die Leute sagten: ‘Dance ist vorbei, Rock lebt!’, da gab es schon gute Gründe dafür. Dancemusic ist eigentlich ein doofer Begriff, denn du kannst zu jeder Musik tanzen. Wie dem auch sei, als Mode oder Subkultur war Dance nicht in der Lage, mit der Zeit Schritt zu halten.” Sein Partner ergänzt: “Das ist ja mit Punk auch passiert, dass nach einer kurzen innovativen Phase, dem Versprechen jugendlicher Aggression und DIY, all das zu einem Klischee gerann, zu Dogmen, die ihre Umwelt gar nicht mehr reflektieren können. Dasselbe passierte mit Dance. Ich denke, die neue, aufregende Rockmusik hat einfach klar gemacht, dass der Kaiser nackt ist.” Und noch einmal Matt Black zur fälligen Synthese: “Der Song dagegen ist eine primäre menschliche Ausdrucksform. Es geht dabei gar nicht um Rock oder Dance oder was. Es geht um Ausdruck.”

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Text: rikus hillmann aus De:Bug 07

Coldcut Zur näheren Bestimmung eine Begriffskaskade vor den Bug geschossen. coldcut. sampling meister. jäger und sammler des digitalen zeitalters. das mix. künstler. provider. ninjatune founder. networking. audio visual im wahrsten sinne des wortes. touring. research in new interfaces. multimedia sowieso. plug & play. fuck windows. hex. be aware. aÕight? Zustand Coldcut & Hex auf Tour. In Berlin vor dem Gig abgegriffen und mit Focus auf ihr multimediales Konzept befragt. Denn: Mit “lets us play” haben Coldcut im Sommer ihre vierte LP auf den Markt geworfen, die als CD-Doppel-Audio-Rom-Hybrid Multimedia treffend als integratives Multi-Medium (Sound, Visuals, Funktionalität) mit Fähigkeit zu selbstbestimmter Interaktion & Kommunikation beschreibt. Unter dem Thema “Let us play” wird Audio-Information als Main-Application plus CD-ROM als Systemerweiterung angeboten. Warum Audio als Main Application? – Weil Coldcut sich aus dem kreativen Selbstverständnis der Interaktion mit Musik (als Dj, Mixer, Producer) entwickelten und ihr Handwerk respektive ihre Kernkompetenz das Sampling und Mixen, die Roots in diesem Fall im Sound (Audio!) finden. Man jagt & sammelt jede Art von akustischer (sowie visueller) Information und fügt diese Bits & Pieces als Recycler und Remixer wieder zusammen. Die Attitüde Finden plus Auswählen plus Samplen plus Cutten plus Mixen mal Coldcut bewirkt einen eher retrogrichteten Soundcharakter, der aufgrund seines unglaublichen kreativen Spektrums an fast bildlichen Sounds, die wiederum der Bearbeitungsfreude der Herren ausgesetzt sind, nie an Originalität verliert. SymphonicFunkCountryDisco respektive Future-Retro-SpaceJunk (Selbstbetitelung) aus Info-Molekühlen des Mediabiz rekreiiert. Coldcut sind die manifestierte Antithese des Copyrights (siehe Logo). Aber das Ganze ist heutzutage ausbaufähig. Fuck dance, lets art! (Auch nachzuhören auf der unglaublichen ColdKrushCuts Mix Cd (NinjaTune zen cd 26a) von CC und Dj Krush vom FrühjahrÕ97) Da Coldcut begriffen haben, was Networking in angewandtem kreativen Arbeiten heisst & nutzt, wird dieses zur Erweiterung der eigenen Fähigkeiten im Mix/Sampling Kontext genutzt. Erweitern heisst Teamarbeit, Teil eines Ganzen zu werden. Teamarbeit heisst in diesem Fall Coldcut & Hex, welche im Felde Multimedia, Visuals, Videos und SourceCodes miteinbringen & produzieren. Und wer hat die Ideen? Das Team, denn jeder mixt. Siehe: generalistische medienunabhängige Unterfangen. Noch Fragen? Da ein Titel wie “let us play” thematisch mehr Felder abdeckt, als nur “mit Sounds oder Platten zu spielen”, baut man im Team eine interakttive Brücke zum User. Über die Systemerweiterung. Diese ist als eine Art Toolbox zu verstehen, die Coldcut & Hex unter anderem (siehe http://www.obsolete.com/pipe/) als Kommunikationswerkzeug nutzen. Wir spielen & ihr spielt. Wir mit Sounds & ihr mit uns. Nur nie die Kernkompetenz (mix/play/produce/communicate) aus den Augen verlieren. Eine Sammlung aus multimedialen Gadgets, Spielchen, digital Interactive-Art, Remixtools und Coldcut-Infos, die einem nett die Zeit vertreiben können. Nicht zu vergessen die gesamten Coldcut hexproduzierten Videos, die in ihrer grossartigen Weise den Ton an ein direktes visuelles Pendant koppeln. Jeder Soundebene wird eine visuelle Ebene zugewiesen, die je nach Authenzität und Interpretationsgrad des Bildes den Gesamteindruck in emotionaler Tiefe und Wirkung variiert. (Mit Ihren Worten: AVI- a form of art where audio & visuals are mutually interleaved/integrated in a way more interesting & intimate than that suggests by the term video. In an AVI what you see is what you hear. CC-Infobone) Die Shows (WYSIWYH live von Hex-Vjs gemixt auf Grossbildwand projeziert plus fett laut plus diverse NinjaTune Artists) tun ihr übriges. Faszinierend dabei bleibt die Eleganz des Zusammenspiels der einzelnen Teile im Gesamtkonzept. Label (Ninja Tune), Veröffentlichungen (Mix Cds wie Coldcutcuts), CD-Rom (let us play), WWW (www.obsolete.com/pipe/), LiveShow, Videos, Radio- & WWW AudioBroadcsting zeugen von einer sehr generalistischen Auffassung von Träger- und Kommunikationsmedien und dem Crossover zwischen diesen. Mögliche bidirektionale Kommunikation (von A zu B & B zu A) zwischen Producer und User wird nicht unter den Tisch gekehrt. Sie wird als nötig erkannt. Denn Producer/User/Konsumer Kommunikation schafft temporäre jederzeit reaktivierbare Verbindungen, die ihr Potential aus der Entwicklungsfähigkeit der derzeitigen Netzwerke (Internet, Radio, TV o.ä) schöpfen. Kleines Negativ Beispiel am Rande: Niemandem bei Premiere Digital liegt es nahe bidirektionales interaktives Fernsehen zu pushen, was es für jeder User ermöglichen würde, einen Rückkanal zum Sender (bzw weiter) zu öffnen und WWW-Information, sowie eMail etc über die fette digitale Leitung zu holen & zu schicken, oder: Man wird nicht mehr gefragt, wo man hin will, sondern geht einfach allein. Technisch ist dies durchaus möglich, wird aber nicht angedacht, da die Kosten für ein Reagieren auf User Kommunikation viel zu hoch wären. Also lieber die Leute einseitig mit Konsum-Information zuscheissen und Kohle verdienen als serviceorientiert zu kommunizieren. Aber, liebe Bertelskircher, haben wir da nicht den eigentlichen Vorteil dieser heissen monopolistischen Innovation vergessen? Willkommen bei der Komfort-Auskunft der deutschen Telkom. Was das hier soll? Coldcut & Hex definieren sich nicht als Multimedia Nerds, die Ihre Kunst nicht für sich allein produzieren. Es hat alles Sinn & Zweck über dem Niveau einer Eigendefinition als Künstler (Ja, auch Kunst darf verständliche unterhaltende Inhalte haben! ->Artainment) Sie haben eine Ziegruppe, mit der Sie einen Dialog führen wollen. CC & Hex als Micronetwork ziehen die Strippen für die Verschmelzung ihrer Aktivitäten zu einem Makronetwork. Schnittstellen und Interfaces zur Kommunikation mit dem User (eMail, Shows, CD-Rom, CD-Is) werden eingewoben und haben auch durchaus gesunde kommerzielle Vorteile, wenn man an direkt vertriebene Audio-Information über das WWW-denkt. Gerade als Label-Aktivist (welcher ja auch einen Art Verleger ist) umgeht dies Vertriebsschranken, Wege und Kosten. Wer das will? Coldcut & Hex (they are a bit nice), denn Informationsaustausch hat direkte Vorteile für den Workflow ihrer Zielsetzung. Das werdet ihr spätestens merken, wenn die Preise für Web-gezogene Audio-Daten zur Hälfte unter den Ladenpreisen für eine CD liegen. Hello world. Beweise? Interview db: Als welche Art von Künstler würdest du dich beschreiben? CC: Als eine Art Vogel, eine Elster, die interessante glitzernde Dinge sammelt. Vor CC war ich auf dem College und habe Objektdesign studiert, Tischlern, Goldschmieden, Keramik etc. nicht richtig handwerklich, eher im kreativen Sinne. Zudem war ich Dj und war grundsätzlich immer interessiert in “Cut&Paste”. Meine Arbeit basierte auf einem Collagieren und Zusammenfügen verschiedenster Dinge. Diese Herangehensweise wird in Coldcut weitergeführt und auch bei Hex gibt es die Auffassung das verfügbare Equipment & die Fundstücke so zu nutzen, egal ob alt oder neu, um das zu machen was wir wollen. Das Equipment gibt uns Möglichkeiten. Wir wollen neue Dinge erschaffen. db. Es ist also ein immerwährendes Sammeln von Dingen in musikalischer und multimedialer Hinsicht? Coldcut: Auch Menschen. Wir haben alle eine Sammler-Mentalität in unserer Arbeitsweise. Coldcut und Hex arbeiten als Kollectiv. Um in einer Gruppe erfolgreich arbeiten zu können brauchst du heutzutage einen Dj, Codeprogrammer, Designer, Künstler, Videoexperten, Mac/Pc Experten. Du brauchst diese Leute, denn niemand kann alle Fähigkeiten noch in einem vereinen, und du brauchst eine Menge Geld um allen das zu ermöglichen, was sie erreichen wollen. db. Was war die Motivation/Inspiration nun dieses Multimedia-Package (Let us Play) zu produzieren? CC: Nun, wir haben sehr zuerst individuell gearbeitet, Coldcut mit Musik und Hex in ihrem Multimedia Ding. Und nun haben wir ca. 9 Projekte mit Hex zusammen gemacht. 2CD-Is für Philips, 2 CD-Roms für VirginInteractive, ein Arcade-Game, 2 Installation für das Glasgow Art Museum. Gerade die CD-Is und die CD-Rom für Phillips & VirginInteractive waren sehr interessant, da es quasi eine Experimentelle Jagd war. Wir konnten abwarten, was in unserem Arbeitsprozess passierte und herauskam. Zuerst waren wir gelangweilt von den Präsentationen bei den Firmen, die uns nicht richtig verstanden und uns nicht zutrauten unsere (Multimedia-) Vision umsetzen zu können. Dann haben wir unsere Kräfte kombiniert und haben gemeinsam gezeigt woher wir kommen und was wir können. db: Gibt es einen funktionellen Focus auf der Cd-Rom. Was wolltet Ihr beim User erreichen, denn “Let us Play” ist mehr Thema als Titel. CC: Es sollten Spielzeuge sein. Im College waren Hammer und Säge meine Spielzeuge, die mich in die Lage brauchten “zu spielen”, heute sind es Computer, Platten und Plattenspieler. Es hat einen vergleichbaren Vibe, mit Platten, Videos, Musik oder ArcadeGames zu spielen, und wir wollten ein Media-Crossover auf der Cd-Rom, das es den Leuten ermöglicht, an diesem Vibe teilzuhaben. Wir wollten die technische Spielerei entmystifizieren. Als Standalone Applikation hätte die CD-Rom keinen Sinn gemacht, da wir mit ihr einen Weg fanden, auch unsere ernsteren Inhalte in Combination mit einer “Sugared Pill” zu präsentieren. db: Auf der CD-Rom sind sämtliche Coldcut Videos enthalten. Für mich war es sehr interessant, gerade bei Timber und Natural Rhythm die direkte Umsetzung von Sound und Bild zu beobachten. Töne werden an fest zugewiesene visuelle Ebenen gekoppelt. CC: What you see is what you hear. Integration. So ist es. Die Teile wurde nicht später zusammengefügt, sie gehören zusammen. Sie haben dieselbe Quelle. Das ist keine absolut neue Idee, es gibt diverse Leute, die es in dieser Weise gemacht haben, der bekannteste ist Steve Reich, der viel mit Videoumsetzung arbeitet, aber auch EBN (LuckyPeople Center), Eboman und Locust. Es ist wie eine Bewegung, die diese Art von Interaktion nutzt. Eine sehr kraftvolle Form. Die Liveshows haben gezeigt, daß, je mehr Sound und Visual verwoben werden, die Begeisterung beim Publikum steigt. db: Natural Rhythm als Video arbeitet mit einer sehr humorvollen Visualität (a la “wunderbare Welt der Tiere”), Timber hat dagegen mehr Tiefe, hat eine Thematik (Zerstörung des Regenwaldes), es ist ernsthafter aber dennoch humorvoll. CC: Ja, so arbeitet die “Sugared Pill”. Wir benutzen den Humor, um ernste Themen und Inhalte zu transportieren. Ich halte das persönlich für einen sehr wirksamen Weg. Wir wollen mehr Sachen mit dieser oder auch weiterführender Schwere machen. Ausserdem ist es immer eine Herausforderung soetwas live zu spielen. Wir entwickeln gerade zwei Software-Applikationen, die die WYSIWYH Technik an den Rand des Möglichen führt. Ich hoffe wir schaffen da frühgenug den Absprung. db: Wo seht ihr Eure Zukunft, in Musik, Multimedia, dem WWW? CC: Es geht in die Richtung Radio- und TV Station in Einem. Ich möchte Visuals und Musik zusammen senden können. Und die Leute interagieren lassen. Bevor wir auf Tour gingen, haben wir in Nottingham in einem Club Consolen (like weird designed arcadesystems) mit grossen Knöpfen installiert, die es möglich machten, Visuals und Sounds zum laufenden Dj-Set im Club hinzuzufügen. Patrik von Dj Food hat aufgelegt und er hat es total genossen, mit dem Publikum in dieser Weisezu arbeiten, bzw das Publikum so integriert zu sehen. Wir haben allerdings auch viel gelernt, wenn es darum geht, Interfaces zu gestalten, die Knöpfe zu ordnen und die Applikationen besser zu machen, über die die User interagieren. Es wäre allerdings auch interssant eine Installation zu bauen, die Band, Dj und Publikum integriert und zusammenarbeiten läßt und das Publikum nicht nur auf unsere Arbeit reagieren, sondern auch eingreifen läßt. db: Welchen Nutzen siehst du im WWW als sehr leistungsfähigen Kommunikationsinstrument? CC: Es ist mehr als das. Die Dinge die mich interessieren sind, zum Einen zu senden. Die Qualität ist zwar noch nicht so gut, aber es ist es wert. Aber die rechtliche Basis muss noch gelegt werden, um Musik zu senden. Ich bin mit anderen sehr interessiert die Coldcut RadioShow über das Netz zu machen. Die Website ist zur Zeit eine gute Einführung Werbung für und Information über uns. Aus meiner NinjaTune-Record-Label-Sicht interessiert mich natürlich die Möglichkeit, Musik direkt über das Netz vom User ordern zu lassen, auch weil wir sehr vorsichtig schätzen müssen, wieviele Leute unsere Platten kaufen werden, um nicht zuviel Geld zu verlieren. Direkt Order würde uns eine sehr wirtschaftliche Struktur ermöglichen, die direkt auf die Bestellung reagiert, sowie Vertriebswege und Transport, Trägermedien wie CD und Vinyl und deren Herstellung erspart und somit auch umweltfreundlicher ist. Je mehr Zwischenstationen wir vermeiden, desto näher können wir an unseren Kunden sein, wenn ich das so sagen darf. db: … vielleicht eher User CC: …mmh, besser… desto näher, desto glücklicher bin ich mit dieser Sache. Kennst du Resrocket (www.resrocket.com)? Das ist eine Internet MidiJamming Site, wo du mit hunderten über MidiStream Jammen kannst, das ist sehr interessant am WWW. Zurück zur Tour: Die traditionelle Art vom Touring aus der Sicht der Plattenfirma ist in dieser Weise ok, weil es Platten verkauft und die Künster an die Öffentlichkeit bringt , es läuft, auch in den Clubs, aber manchmal wundere ich mich schon, ob es nicht alternative Wege gibt, soetwas zu gestalten und man das Spektrum seiner Möglichkeiten vergrößern kann, zB. indem man Visuals und Musik über das Netz sendet. Das ersetzt zwar den Clubgang nicht, ist aber eine gute Kombination. Future Sound of London haben das versucht, aber es gab eine Ablehnung von Seiten der Öffentlichkeit, weil sie sich irgendwie verarscht fühlte. Jetzt bleiben sie zuhause im Studio und versuchen ihre Weste weiss zu halten. Das darf nicht sein. Hier müssen wir die Wertvorstellung von Performance der Öffentlichkeit brechen, um in dieser Thematik weiterzukommen. Es wäre cool zu wissen: Heute gehe ich in einen Club, aber das Mix kommt von einem Dj der in Japan auflegt und habe Visuals auf der Leinweind und kann ihn sehen, was ich im Club meistens sowieso nicht kann und nicht unbedingt will. Man hat interessante Möglichkeit im Netz, nicht nur als werbemedium oder erweiterte Informationsbibliothek, es ist die dirkete Kommunikationsfähigkeit zwischen Provider und User. db: Akzeptiert euer Publikum das multimdiale Tourkonzept? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? CC. Viele tun das, aber es geht auch über die Köpfe vieler hinweg. Ehrlich gesagt wissen wir es nicht, wir hatten nicht die Möglichkeit es auszuprobieren. Noch am Abfahrtstag haben wir an der Video-Mix Software gearbeitet. Aber es gibt ein interessantes Argument: Wenn du in einen Club gehst, willst du in eine andere Atmosphäre, willst etwas erleben aus dir herausgehen. Aber du kriegst auch etwas zurück, etwas was in deinen Kopf geht. Du findest einen Raum. Clubmusik ist dafür gemacht, aus diesem gefundenen Raum etwas zu formen, ihn zu interpretieren und individuell zu füllen. Wenn ich nun die Visuals als neues Element einfüge, so kann das neu und interessant sein, aber auch manchmal dieses Erlebnis stören, weil viele es nicht gewöhnt sind damit umzugehen. db: … eine zweite funktionelle Ebene CC: ja, es war sehr interessant in Japan, dort hatten wir die Videoscreen auf beiden Seiten des Clubs aufgespannt. Alles tanzte und die Visuals wurden sehr intensiv, als ein komischer Effekt auftrat. Die Leute folgten auf einmal den Visuals auf den Screens durch den Club, wie bei einem Tennismatch. Wir können sie auf unsere Schienen setzen und sie zufällig auf uns reagieren sehen. Aus meiner Sicht als Dj liebe ich es die Leute Tanzen zu sehen. Wir sind keine Liveband und wir sind keine Djs die Live spielen, das Equipment kann immer abstürzen, aber die Leute finden es trotzdem sehr interessant. In Hamburg war es sehr hart, das Equipment ist oft abgestürtzt und es gab ein paar Pausen und das Publikum fing an zu klatschen wie bei einem Rockkonzert .Man hat immer gemerkt daß die Reise, die einem, ein Dj (wenn er gut ist) bereitet, fortgesetzt werden soll. Als wir Panoptikum spielten, welches sehr intensiv und ernst ist, kamen Leute zu mir und sagten: Spielt das nicht im Club. Ich bin hier, um eine Gute Zeit zu haben. Andererseits habe ich Argumente gehört, die sagten, das wäre der beste Folksong seit Jahren, da er diese Art von Folk-Erfahrung wiederspiegelt. db: Ist die Show eine Art Live-Interpretation der CD-Rom? CC: Es ist eine Show. Wie bei James Brown. Kid Koala hat unglaubliche Fähigkeiten an den Plattenspielern, wie er scratcht und mixt und wir mischen Soundeffekte und die Bilder der Kamera an den Plattenspielern dazu. Es ist pur. Es ist wieder eine Tanz- aberwiderdochnicht Tanzveranstaltung, weil das Publikum so erstaunt ist, was er mit zwei oder sogar drei laufenden Platten machen kann. Dj Food spielt mehr cluborientiert und die Visuals werden mehr gestrecht.Ein Club sollte mehr sein als nur die Möglichkeit zur allabendlichen Abfuhr.
http://www.coldcut.kram

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