Text: venus 23 aus De:Bug 28

Nutronix Seit einem guten Jahr sorgt im Grossraum Köln ein DJ-Team für Furore: Eric Eltron, P. Spector, Peta & Wicked heissen die Akteure und ihre Shows werden unter dem Brand “Nutronix” promoted. Rechtzeitig zur Popkomm ist soeben ihre erste Compilation erschienen. Unter Berücksichtigung der vollen Spielzeit von 2×75 Minuten geben die Vier damit eine beeindruckende Vistitenkarte ab: Die Trackauswahl pendelt im totalen Freistil zwischen TripHop, Breakbeat, Bigbeat, Electro-Funk & Dirty House hin und her und garantiert damit absolute Kurzweil. Das Mega-Set kommt natürlich in-the-Mix und lupenrein zusammengdreht daher, denn die vier sind schliesslich Profis. Um bei soviel Crossover noch den Überblick zu behalten, traf sich De:Bug mit Eric Eltron & DJ Peta kurz vor dem Release der mit ‘Nu-Skool-Electro-Breaks’ untertitelten CD im Liquid Sky… Geduld und Fingerspitzengefühl De:Bug: Köln gilt als eine der Städte, in der – Kompakt sei dank! – vor allem die grade Bassdrum sehr gepflegt wird. Daneben sorgen Shake Up oder Basswerk für Bewegung in Sachen Drum & Bass. Ihr habt euch, sagen wir mal, der schwer zu definierenden Grauzone zwischen TripHop und Bigbeats – kurz: dem Freestyle – verschrieben. Wie kommt’s? Peta: Wir mögen eben die krumme Bassdrum! Eric Eltron, P. Spector und ich, wir haben uns vor ein, zwei Jahren bei Groove Attack (Kölner Plattenladen & Vertrieb, spezialisiert auf HipHop, TripHop, D&B) kennengelernt. Der Strobocop (Kölner Techno-DJ, Macher des Labels Karaoke Kalk) hat uns etwas später den Wicked vorgestellt und der passte mit seinem Set ganz gut zu uns. Naja, wir mögen eben dieselbe Musik und kommen auch so sehr gut miteinander aus. Jeder bringt eine andere Vergangenheit, andere Erfahrungen und Connections und ausserdem eine andere Party-Crowd mit. Das alles haben wir in einen Topf geworfen! Dadurch, dass natürlich jeder für sich bestimmte Vorlieben hat, ergibt das eine gelungene Mischung, ein regelrechtes Potpourri. De:Bug: Es gibt nicht viele DJ-Teams, die überhaupt aus vier Leuten bestehen. Nutronix ist bestimmt ein recht kompliziertes Soziotop. Manchmal macht ihr ja auch abgespecktere Line-Ups oder ergänzt sie um mandere DJs bzw. Live-Acts… Eric Eltron: Das ist doch ein echter Vorteil! Na klar, wenn’s geht, machen wir die Parties zusammen, aber manchmal geht’s eben nicht. Und kompliziert sind wir auch nicht: Jeder legt eben dann auf, wenn’s am besten passt, wir sind da recht gut aufeinander eingespielt und kommen uns an den Decks nicht in die Quere. De:Bug: Ausserdem macht ihr ja ein eigenes Label. Was hat es denn mit “Mehrwert Records” auf sich? Eric Eltron: Ein Bekannter von uns hat mal ein paar Trax gemacht, die sonst kein Label haben wollte, also haben wir die einfach selbst herausgebracht. Das Witzige war, dass die Scheibe supergut gelaufen ist und wir in einer Woche 500 Stück verkauft haben. Da haben wir gesagt: Ok, machen wir doch ein richtiges Label auf. Dann kamen natürlich 1000 Leute auf uns zu und die wollten auch alle was machen. Tja, und so haben wir eben angefangen, mit dem Label unsere Leute zu featuren. Bislang war übrigens der grösste Hit die Maxi von den Phoneheads. Die sind zwar danach zu infracom (Frankfurter Fresstyle-Label) gewechselt, aber nach wie vor ist die Mehrwert-Platte von Scheibenreiter und Maiburg (Phoneheads) eine DER Lieblingsplatten von Kruder und Dorfmeister. Ist echt wahr! De:Bug: Da war auch schon das Stichwort. Kruder und Dorfmeister haben diesen eigenartigen Sound vor ein paar Jahren erst wirklich salonfähig gemacht. Seither wandelt diese TripHop-Geschichte schon auf einem schmalen Grat zwischen Kommerzialität und ähem, hust Underground… Eric Eltron: Das ist genau das Ding, also der P.Spector und ich haben ja damals (97/98) ind der Live Music Hall diese Orbital Missions gemacht und haben da doch sehr kommerziell aufgelegt. Damit hatten wir zwar 1000 und Mehr Partypeople in der Hütte, aber mit der Zeit hatten wir auf den Sound immer weniger Bock und haben immer mehr unbekanntere Tracks aufgelegt. Damit konnte das Publikum dann aber nicht mehr so viel anfangen und deshalb haben wir uns von der Live Music Hall getrennt, weil wir mit unseren Sets auch nicht mehr ein volles Haus garantieren konnten. Deshalb Nutronix: Neue, kleinere Locations und geile Parties mit knapp 400 Leuten – das war unser Ziel! De:Bug: Vermutlich die richtige Entscheidung. Denn inzwischen seid ihr doch bestens konsolidiert und mit der Compilation fein raus. Wenn ich mir das Track- Listing anschaue, tauchen da vor allem kontinentale Acts auf, Engländer kaum… Eric Eltron: Natürlich haben wir viele Engländer angefragt, von wegen Lizensierung, aber die sind nunmal sehr, sehr teuer. Und so haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und uns auf unserer Seite des Ärmel-Kanals umgeschaut. Deshalb sind viele Tracks aus Deutschland, Frankreich und Belgien auf der CD. Peta: … was die ganze Sache natürlich nicht einfach gemacht hat. Wenn du dann plötzlich so ne Liste bekommst und da sind die und die Tracks drauf, dann fragst Du dich erstmal, wie soll das denn zusammengehen? Dann probiert man eben rum, stellt fest, dass die Reihenfolge totaler Quatsch ist und auch die Mixe vorne und hinten nicht passen und dann kommst du erstmal ins Schwitzen. Aber mit Geduld und Fingerspitzengefühl haben wir es letztenendes auch ohne HD-Recording als echten Turntable-Mix hinbekommen. Und das innerhalb von nur zwei Tagen. Puh. Das war echt Arbeit!

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Elektronische Lebensaspekte.