In Coloma, Kalifornien, ward Gold in der Erde gefunden. In Coloma, Köln, ward Gold in der Kehle gefunden. Alex Paulick und Rob Taylor reanimieren ausgreifendes Gesangsgut auf der Höhe von Minimalhouse. Schaurig schön.
Text: kerstin schäfer aus De:Bug 57

Wir singen die Körperelektrik
Überraschungen gibt es doch immer wieder. Wie im Fall Coloma. Das Duo aus Alex Paulick und Rob Taylor präsentiert auf seinem Debutalbum “Silverware” nachdenkliche Songs mit Trackcharakter, die zwischen der Tradition klassischen britischen Songwritings und dem pendeln, was allgemein mit Minimal House ver-kategorisiert wird. Und die sich scheinbar auftuende Lücke dazwischen wird von den unglaublich schönen Lyrics von Rob Taylor ausgefüllt.
Auch wenn man es schon fast nicht mehr erwähnen darf, um nicht von vorne herein die Klappe zufallen zu lassen, muss man doch sagen, dass Rob Taylor neben der Stimme von Coloma auch die auf Mathias Schaffhäusers “Hey Little Girl” (Love & Business / Ware 20) ist und eben das gewisse Etwas hat, das man so schnell nicht vergisst. Ein Etwas, dass bei Coloma aber völlig ohne das Eisdielendukebox-Plakative von “Hey Little Girl” auskommt. Alex Paulick, als Tourbassist von Kreidler, bewegt sich dann ebenfalls zwischen den Schienen, die aus Köln und Düsseldorf in zwanzig Minuten eins machen und sich wieder auf die Synergieeffekte in Netzwerken berufen. Und selbst beim Lesen des Covers zieht man verwundert die linke Augenbraue hoch, wer denn da was mit wem gemacht hat. Vergleiche Covergestaltung Detlef Weinrich und Andreas Reihse (Kreidler), Mastering von Hartmut Wessel (Decomposed Subsonic).

DIE INSEL IM NACKEN

Die Fortführung des eingeschlagenen Pfades britischen Songwritings kommt auch nicht von ungefähr. Sozialisiert, und das nicht nur musikalisch, in England, fanden die beiden vor ungefähr sieben Jahren ihren Weg nach Deutschland, Köln, das Rob augenzwinkernd als “trendiges kleines Dorf” im Vergleich zu London bezeichnet. Auch dort hatten beide diverse Versuche hinter sich, um als Musiker überleben zu können, aber “wir waren nie Britpop, dazu waren wir zu sensibel und haben für das englische Publikum nicht hart genug gerockt. Und das machen wir auch heute nicht”, kommentiert Alex die Zeit in London. Die musikalische Sprache von Coloma ist durch diese beiden Faktoren definiert: Den Hang zum klassischen Song, hörbar in der Struktur der Stücke, den Harmonien, und dem offensichtlichen Bezug zu Köln. Alex erklärt das ganz einfach: “Fast alle gehen in Köln in die selben Bars, wir eben auch. Wir haben dann diese Art von elektronischer Musik über die Jahre gehört und gedacht, dass das ja gut in die Art von Popsong passen würde, wie wir ihn gerne machen würden.” Rob beschreibt Coloma auch als “Musik in einer Grauzone” und betont, dass es von “Ware” auch sehr mutig war, sie rauszubringen. Denn “wir haben wirklich gedacht, dass diese Kombination von zwei völlig verschiedenen Elementen, was die Singer-/Songwriting-Sache und das Abstrakte, Elektronische angeht, von den Leuten in einer anderen, nicht so positiven Richtung aufgenommen würde. So wie, dass wir die verstören, die jeweils nur das eine hören. Aber es scheint, dass das nicht passiert”, so Alex.
Problematisch für beide ist, dass die Elektronik mehr in den Vordergrund gestellt wird. Man mag doch bitte beachten, dass es eine andere und neue Art von Songwriting ist, die eben durch die Kombination entsteht.

DIE LEERE AUF DEM RÜCKSITZ

Die Leere minimaler, elektronischer Musik ist genau das richtige Medium, um Robs Stimme, die Aussagen der Texte und auch des ganzen Songs zu transportieren. Auf “Silverware” dominieren die Vocals nahezu und machen die Musik greifbarer, menschlich eingewickelt im Theatervorhang. Rob: “Es ist eine wirklich sehr stimmlastige Platte, man muss das schon mögen, sonst hält man es nicht aus. Als wir die Platte mischten, fiel uns auf, dass wir nur noch eine andere kennen, die soviel Stimme hat: nämlich Blumfeld. Und da muss man auch wirklich Jochen Distelmeyer mögen, um Blumfeld hören zu können. So muss man auch die Stimme von Rob Taylor mögen, um Coloma genießen zu können.”
Die Texte sind ebenfalls wesentliches Element von Coloma, Rob bezeichnet sie als nachdenklich, will aber nicht in der Melancholie-Ecke vergraben werden. Und abschließend fasst Rob zusammen: “Die Musik ist eben genau so, weil wir nun mal die sind, die wir sind.”

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Elektronische Lebensaspekte.