Das Roundup der Zukunft, zusammengerafft und gefasst in Infoclustern der 3ten Art.
Text: Nico Haupt aus De:Bug 39

Commuterworld

Napster ist tot, es lebe Napster.
Vor einigen Wochen begann der Prozess um das File Sharing Programm, dessen Ergebnis ähnlich wie der Prozess um den Digital Millennium Copyright Act wegweisend sein dürfte. Während sich Open Source Enthusiasten schon längst mit sicheren Nachfolgern wie Gnutella und ähnlichen Applikationen (http://opennap.sourceforge.net/) bedient hatten, ging Napster parallel den Weg der sicheren Kommerzialisierung an. Dann kam die böse richterliche Entscheidung Ende Juli: Napster sollte vom Netz genommen werden. Die einstweillige Verfügung wurde allerdings von einem höheren Gericht wieder aufgehoben. Jetzt muss man den Prozess, der wahrscheinlich im September stattfinden wird, abwarten.
Musikkonzerne versuchten zwischenzeitlich, Napster einfach aufzukaufen und zu zerstören. Derweil hatte einer der Mitbegründer Applesoup gegründet, das mit Nachhilfe von Liquid Audio MP3s anbieten möchte, die nur bei direkter Bezahlung hörbar würden. Mit zu den finanziellen Unterstützern gehören Marc Adreessen (ex-Netscape), Frank Biondi (HBO) und John Valenti, Sohn des Präsidenten der MPAA (Motion Picture Association of America). Netzideologen sehen trotzdem, ob kommerziell oder nicht, im File Sharing die grosse Chance der Zukunft.

Keine Zukunft für die DVD?
Die Zukunft der DVD, einst als perfekte Datenkompression (DiVX) auch für das Internet 2 gedacht, sieht dagegen weiterhin wackelig aus. Zuviel Schwachstellen kamen in letzter Zeit heraus. Nun scheint es, als diene die DVD nur noch als vorrübergehendes Speichermedium, bis irgendwann die Superdisk oder die direkte Distribution von Rechner zu Rechner oder VCR zu VCR (digitale Videorekordersysteme a la Replay oder TiVO) realisiert wird. Die digitale Spielfilmkopie wird ohnehin bereits bei File Sharing Programmen wie Scour downgeloadet, allerdings nur von Besitzern mit wirklich grosser Bandbreite.

TV-Überwachungsshows und kein Ende
Sniffing oder Voyeurismus scheint zum Volkssport zu werden. Die zahlreichen Big Brother Varianten inklusiver unendlicher UBBs (Messageboards, Nachfolger UGB!) sorgen zur zusätzlichen Anstachelung. Nun gibt es weitere TV/Netz-Ableger: In “Runner” (derzeit in USA auf ABC, aber auch für Deutschland geplant) wird ein Unbekannter per Internet gehetzt und zusätzlich von einem israelischen Ex-Militaristen gejagt. “Wanted” (FOX) greift ein ähnliches Thema um mehrere Gruppen auf. “1900” transformiert Hausbewohner in das England um die Jahrhundertwende, immer per Kamera beobachtet. “Greenlight” ist eine geplante Serie von HBO, die durch Netzvorschläge interaktiv weiterentwickelt werden soll. “Boot Camp” (FOX) beobachtet 100 Teilnehmer in einem Militärcamp, “Big Diet” (ABC) belohnt tatsächlich den Hotelbewohner, der im Fitnessraum am meisten abnimmt. Tatsächlich nur als Witz kursierend, sollen auch Konversationen beim Frisör in der interaktiven Show “Hairdresser” abgefilmt werden. Schließlich die naheliegensten Adaptionen: “The Bus” beobachtet Teilnehmer eine Woche lang, “Chains of love” (NBC) wartet ab, für welchen von 5 anwesenden Männern eine Frau sich in 5 Tagen entscheidet. Jeden Tag wird einer “aus ihrem Leben” gekickt. Schlussendlich möchte der US-Sheriff Joe Arpaio (Maricopa, Kalifornien) eine Knastversion von Big Brother erfinden. Da kommt noch einiges auf uns zu! Die wegweisende Firma Endemol ist übrigens mittlerweile selbst Bestandteil der digitalen Welt geworden. Nach dem großen Erfolg von Big Brother TV in Spanien wurde sie von der hiesigen Firma Telefonica aufgekauft. Telefonica stand in den letzten Wochen unter Beschuss, da dessen ehemaliger Chef Juan Villalonga in Aktieninsidergeschäfte verwickelt worden war.

Fusionsfieber
Unterdessen gab es auch wieder größere und spektakuläre Mergers. In den USA war zuletzt Ruhe eingetreten nach dem großen Run 1999. Doch der Kuchen ist wohl noch längst nicht aufgeteilt. Zuletzt taten sich die OnlineMedien CNET mit ZDNET (Ziff Davis) zusammen, die einen einigermassen respektierten Stellenwert im Netz besitzen und durch anspruchsvolle Artikel oder Neubesprechungen glänzen. In ähnlicher Liga spielten auch die Fusionsverhandlungen der beiden DigitalRadio Firmen USA Digital Radio und Lucent Digital Radio. Das Kaufgezerre der deutschen Telekom dagegen bereitete dem US-Kartell große Zahnschmerzen. Nach dem gescheiterten Versuch, sich bei der Mobilphonegesellschaft Sprint einzukaufen, gelang ihnen schliesslich der sagenhafte Deal mit VoiceStream für über 50 Milliarden Dollar. Beeindruckt vom Börsenerfolg von Online-Medien-Portal Slashdot möchte nun offensichtlich auch Spiegel Online an die Börse gehen, Erfolg scheint garantiert.

Handys: Bunt & Abhörbar
Das Netz findet nicht nur immer mehr auf Mobiltelefonen statt, sondern auch bunter. Einerseits tauchen in den HDML-Codes Grafiken immer öfter auf, andererseits ging Real.Com auch schon Kooperationen mit Cell Phone Herstellern ein, um in Zukunft auch Kurzvideos streamen zu können (parallel nehmen die PornSites auf den Handys zu). Programmierer wie Hacker warnen jedoch weiterhin vor unsicheren Protokollbestandteilen der neuen Mikrowelt. Fast alle wichtigen Bestandteile seien schon gehackt worden. In den letzten Monaten waren dies die SIM-Card, GSM-Sharing Files, LFSR Scrambling, die Key One Way Funktion, Airlink Encryption und weitere Bestandteile der kommenden CDMA Protokolle. Fraglich sind auch weiterhin die Möglichkeit eines Bewegungsmelders, besonders wenn Web-Phones gleichzeitig als IP-Adresse fungieren. Dies unterscheidet beispielsweise Sprint-Modelle vom Palm 7 (PPP), der über das SBC-Network gehostet wird. Ebenfalls geoutet wurde das FBI Email Ablauschprogramm “Carnivore”, das wohl schon in über 100 Fällen zum Einsatz gekommen sein soll. Auch in AOL/Netscapes “Smart Download” wurden Funktionen zur Email-Abspeicherung bekannt. Der Fall ging nun ans Southern District Court in New York. Und Remailer hatten wieder Probleme mit Sicherheitslücken. Reihenweise gingen Emails oder Passwörter bei GMX, Hotmail oder Lycosmail verschütt.
Da vertraut man doch lieber gleich auf die künstliche Intelligenz bei Robotern. Während die deutsche Fussballmannschaft skandalös aus der EM ausgeschieden war, wurden die “FU-Fighters”, eine Roboter-Fussballmannschaft des Informatiker-Arbeitskreises an der FU Berlin, im Juni in Amsterdam Fussballeuropameister und gelten jetzt als einer der Top-Favoriten bei der Roboter-WM in Melbourne in Australien. Viel Erfolg auch beim Entwickeln von künstlichem Bier, falls Feiern schon kinematisch zugelassen wurde.

Technosophie
Die grossen Philosophen sind bekanntlich ausgestorben. An ihre Stelle treten die Technosophen, wahrlich unbekannter. Nun trafen sich im Juli in London zum 3. Mal die europäischen Transhumanisten in London zur “Transvision VM” (transhumanism.com). Besprochen wurden so spannende Themen wie Kryonik (Einfrieren und Auftauen mittels Neurosuspension, Hauptvertreter in Europa: alcor.com), Weltraumtourismus, Cyborgism oder Informationalismus. Diese Bewegung soll uns in den nächsten Jahren erwarten. Es geht scheinbar um blasphemische Ziele wie Unsterblichkeit, Nanomedizin, Mikrofluggeräte, intelligenten Staub, Wireless Technologie, Kybernetik (Kevin Mitnick hatte mal wieder über seine Idee referiert, einen Chip in sein Gehirn einzupflanzen, um drahtlos handicappte Menschen zum Bewegen ihrer Gliedmasse zu helfen).

Zu guter Letzt: Der heiße Scheiß
Zum Schluss noch eine unbestätigte Meldung aus Russland. Professor Roman Kunikov aus Russland will angeblich Schuhe entwickelt haben, die sich mit bis zu 25 Meilen pro Stunde von alleine in Bewegung setzen. Ob das nur heissere Socken oder neue Konkurrenz zu ElektroScootern bedeutet, konnte bislang noch nicht herausgefunden werden. Der heisseste Schocker, um Schreibmaschinenopis zu beeindrucken, sind jedoch weiterhin optische Richtfunknetze oder Quantencomputer. Selbst wenn das alles erst in der nächsten Jahrhunderthälfte eintreffen sollte, der menschliche Körper scheint sich allmählich so oder so aufzulösen, und wenn es nur rein psychologisch geschieht. Quantenforscher der UNIs in Boston (Harvard), Frankfurt, München und der Firma Bruker Analytik konnten nun einen Quantenrechner aus fünf Qubits statt bislang 3 bauen. Der einzige Nachteil ist weiterhin, das diese “Computer” sehr schnell zerfallen. Rechenvorgänge wären bei einer überschaubaren Stabilisierung jedoch milliardenfach verstärkt. Das Problem bleibt weiterhin die Hardware. Die sieht man zur Zeit speisenkartenslanggemäss zwischen “Atomen in der Atomfalle, Rydberg-Zuständen oder Molekülen mit Kernspinresonanz”), Blub! Guten Appetit dabei wünscht, noch artificial foodfrei, euer Schreibbot Nico

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Elektronische Lebensaspekte.