Man sieht auf geografischen Karten nur, was die Dateninhaber einen sehen lassen wollen. Aber 2006 ist man schon längst nicht mehr auf Urheberrecht-geschützte Karten angewiesen. Auch nicht auf Google-Earth. GPS sei Dank.
Text: Clara Völker aus De:Bug 104


GPS dir die Welt
Copyright-freie Landkarten

Steve Coat ist der Erfinder von OpenStreetMap. OffeneStraßenKarte. Offen wie Hallelujah, Straße wie Yo und Karte wie Überblick. Ziel: Alles voll im Check und keine blöden Copyrights im Weg. Nur die Creative Commons Share Alike 2.0 Lizenz. Und wie das geht? Die Daten kommen einfach von uns allen und nicht von Google bzw. Navteq, TeleAtlas oder irgendwelchen anderen offiziellen Kartografie-Institutionen. Ist erstaunlicherweise nicht wirklich kompliziert. Bloß arbeitsaufwendig. Konkret sieht das so aus: Es gibt ein Wiki, das nennt sich wiki.openstreetmap.org, und es gibt eine Karte, die nennt sich http://www.openstreetmap.org. Beide sind mehr als gute Kumpels in der Mission, eine offene, wirklich freie, unverknechtete Karte der Welt zu erstellen. Mit der man alles machen kann, immer. Wie Vögel sollen die geografischen Daten um unsere Köpfe schwirren. In das Wiki und damit die Karte dürfen daher nur Daten eingepflegt werden, die nicht geschützt sind. Von Google Maps oder Falk, A-Z o.ä. dürfen also keine Daten kopiert werden. Karten, die ihre 40-jährige Copyright-Haft bereits hinter sich haben, dürfen natürlich als Blaupause verwendet werden. Devise ist jedoch: Auch du kannst Karten machen! Schnapp dir ein GPS-Gerät, check vorher mal im OpenStreetMap-Wiki, welche Modelle empfehlenswert sind, schwing dich auf dein Fahrrad und geh raus. Radeln, spazieren gehen, fahren, schleichen, immer ein Auge auf die Umgebung werfen, vor allem darauf, wie die Straßen heißen. Nach Hause oder an einen Rechner kommen, Handheld und OpenStreetMap abgleichen und – bing! – voilà ein Teil der neuen Karte. Ui!

Jaja, schon klar, was für ein unnötiger Idealistenquatsch für humorlose Digitalverbesserer mit mangelnden Freizeitbeschäftigungen! Aber die meisten öffentlichen Karten stellen nicht nur absichtlich Gebiete anders dar, als sie sind, sondern haben technische oder rechtliche Beschränkungen, so dass man sie nicht in jeder und kreativer Weise verwenden kann. Hat ja schließlich Geld gekostet, der Spaß! Auch GoogleMaps hat geblecht! Das gibt man doch nicht einfach so wieder her. 2004 gab es dann also die erste Idee zu OpenStreetMaps und dieses Jahr geht es gerade komplett nach vorne. Zuerst kam die Isle of Wright. Die wurde gemappt. War wohl alles tuffig. Dann war Manchester dran. Mapchester soll draus werden. Map statt Mad. Im Mai war ein großes Mapchester-Wochenende, an dem circa 40 eifrige Kartenfans mit ihren GPS-Devices die Stadt abgeklappert haben. War wohl auch total toll. Und das Ergebnis wird dann, nach nochmaligem Umzug, im Juli zum Festival Futuresonic verwendet werden. Fans gibt es auch schon. Zum Beispiel die Manchester Digital Development Agency. Und ein Kurierdienst, der seine Daten weiterverschenkt. Hm. Und ein paar andere waren da auch noch. Aber die klingen nicht so spannend. Die Fankurve muss eh erst mal noch wachsen, damit man dann auch Kompatibilitätsfragen angehen kann. Also mal gucken und dann weitergucken und dann aha denken und dann Technikcheck machen und dann cruisen und dabei dann sammeln und dann bei der Sammelbank abgeben und dann gut fühlen. Ach ja, OpenStreetMap ist nicht allein. Lauter Kartenprojekte da draußen. Alle anders. Alle mit Überblicks-Anspruch. Alle Nischenchecker, die zum Weltretter mutieren wollen. OpenStreetMap arbeitet mit einigen von ihnen zusammen. Korrekte Karten, transparente Geografie und neue Aussichten sind hip.

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Elektronische Lebensaspekte.