Digitales Recht.
Text: Sebastian Eberhard aus De:Bug 91

Das Copyright in Europa gilt ja nur für 50 Jahre.
Welche Musik darf ich denn nun legal von alten
Schallplatten rippen und auf mein Jazz-Audioblog stellen?

Das Einstellen von Tracks auf einen Audioblog betrifft das Recht der Vervielfältigung und der Verbreitung. Das Digitalisieren von Stücken ist eine Vervielfältigung, die durch das Recht der Privatkopie gedeckt ist. Das Einstellen der digitalen Kopie in einen Audioblog betrifft nun aber das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung, welches dem Rechteinhaber im Rahmen seiner ausschließlichen Schutzrechte auf Vervielfältigung und Verbreitung zugewiesen ist. Insoweit wäre die Möglichkeit eines Herunterladens durch das Einstellen in einen Audioblog eine Verletzung dieser Schutzrechte der Vervielfältigung und Verbreitung. Durch diese Verletzung von Schutzrechten wird zum einen der Bereich der Urheberrechte und zum anderen der Bereich der Leistungsschutzrechte betroffen. Urheberrechte entstehen mit Erschaffung eines Werkes, Leistungsschutzrechte davon abgekoppelt unter anderem mit der Leistung eines ausübenden Künstlers, etwa bei einer Session als eingeladener Gastmusiker, oder mit der Herstellung von Tonträgern, z.B. in Person eines Labelinhabers. Das Urheberrecht besitzt im Unterschied zu den Leistungschutzrechten eine Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers. Die Leistungsschutzrechte eines ausübenden Künstlers oder eines Tonträgerherstellers erlöschen 50 Jahre nach dem Erscheinen des Tonträgers. Nach Ablauf dieser Schutzfristen wird ein Werk gemeinfrei, d.h. es kann lizenzfrei genutzt werden. Insofern wäre im Hinblick auf die Ausgangsfrage ein Einstellen von mehr als 50 Jahre alten Tracks für den Bereich der Leistungsschutzrechte legal, für den Bereich der Urheberrechte in wahrscheinlich fast allen Fällen aufgrund der längeren Schutzfrist nicht. Die Urheberrechte werden von der GEMA wahrgenommen und von daher müsste man sich für die betreffenden Tracks bei ihr um eine Erlaubnis bemühen. Zudem müsste immer genau recherchiert sein, ob nicht durch eine Wiederauflage der alten Aufnahmen in den letzten Jahrzehnten die Leistungsschutzrechte des Plattenlabels neu aufgelebt haben.
Fazit: Für ein erlaubnisfreies Einstellen in den Jazz-Audioblog kommen demnach vor allem nicht wieder veröffentlichte verjazzte Vivaldikonzerte in Frage.

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Elektronische Lebensaspekte.