Text: jan rikus hillmann aus De:Bug 29

grafic user interface funk: funkstörung vs.the designers republic Platten und CDs sind ein Produktkomplex, der als Einheit rezipiert wird. Sie sind das beste Beispiel für den Dualismus von Form und Inhalt. Der Inhalt Musik bedarf für den Markt einer Form, die – neben der Verpackung als Schutz – die Produktinformation auf der Basis eines genormten Produktes adäquat transportiert. Coverdesign hat neben der Anforderung ‘Produktinformation’ einen erweiterten Auftrag: Das Kommunikationsziel Image (mit Nebeneffekten wie Wiedererkennbarkeit und Teasing) beschreibt die Schnittstelle zwischen Form und Inhalt. Das Design kann je nach Ausführung als LogFile der inhaltlichen Interpretations- oder geschlossenen Transformationsleistung des Designers betrachtet werden. Der Designer interpretiert die Inhalte und beschreibt sie als Form. Er ist Filter und Autor mit Auftrag – aber nur, wenn man ihn lässt und er das Produkt in seiner Aussage versteht. how to: Extremismus war schon immer das beste Mittel um aufzufallen. Die Grenzbeschreitung als Teaser und Stilmittel, die Negation der Norm als Basis der Kreativität und kontinuierliche Qualität als Credibilityprinzip kennzeichen Designer wie die Agentur The Designers Republic (DR) aus Sheffield, wie auch Michael Fakesch und Chris de Luca, Musiker (Funkstörung) und Labelbetreiber (Musik Aus Strom (mas)). Die Kombination von Zufall und Logik nutzend, hat man immer ein Bein auf dem Boden und beide Hände am GUI des Wahnsinns. Das Coverdesign von The Designers Republic für Musik aus Strom ist visualisierte Metapher für Musik, der Sound eine akustische Metapher für das Design. Partnerschaft statt Dienstleistungsgesellschaft, Strukturkonsens statt Briefing. Die Multiplikation der Styles von Musik und Design schafft einzigartige Produkte, die als wirklich kommunikative gestaltete Einheit verstanden werden können. Die spezielle partnerschaftliche Konfiguration der Macher, die Auflösung von Positionen wie “Kunde” und “Dienstleister”, das ein gegenseitiges Verständnis von Form für Inhalt und Inhalt für Form bedingt, macht das Produkt zum kontinuierlichen Visual Leader und darf als Botschaft an zukünftige Auftraggeber verstanden werden. the “client” vs. the designers republic debug: Wie kam es zu der Zusammenarbeit von Funkstörung/Musik aus Strom mit The Designers Republic? Michael Fakesch: Per Zufall,…ich war zu Besuch in London bei Simon Pyke (Freeform), der mir ein paar Tracks für seine Musik aus Strom-E.P. vorspielte. Sein Bruder Matt Pyke zeigte mir wiederum ein paar seiner Designs, die mir ziemlich gut gefielen. Schon damals war klar, dass Matt für mas designen sollte. Als ich dann das nächste Mal bei Matt und Simon anrief, war Matt bereits einer der Designer von DR… es war also wirklich Zufall, dass DR jetzt unsere Designer sind, …eigentlich war und ist es immer Matt Pyke, der für uns designt! debug: Was zeichnet DR für dich aus? Der Style, der visuelle Ausdruck, die Idee, der experimentelle Ansatz? Michael Fakesch: Eigentlich alles…vor allem aber die unglaublichen, teilweise aberwitzigen Ideen, die extrem gut zu unserer Musik passen. Der berühmte DR-Style ist natürlich auch richtig genial, allerdings kann genau dieser Style auch ein Nachteil sein, wenn nämlich beispielsweise die neue Sun Electric genau so aussieht wie die vorherige Autechre. Die Zusammenarbeit mit Matt ist ausserdem sehr nett. Bei jedem neuen Release spielen wir Matt zuerst die Tracks vor oder erklären, warum dieser Release zustande gekommen ist. Matt greift diese Vorschläge auf und bastelt die wahnsinnigsten Designs daraus! …es macht wirklich Spass mit ihm. debug: Was kann und muss Coverdesign leisten? Ist es visueller Kommunikator seines musikalischen Inhaltes oder visuelle Übersetzung? Kann Design das überhaupt leisten? Michael Fakesch: Man sollte beim Anblick des Covers schon mindestens einen ungefähren Eindruck davon haben, wie die Musik klingen könnte. Für uns ist es extrem wichtig, dass Cover und Musik eine Einheit darstellen. Es gibt Motive oder Farben, die man mit gewissen Sounds assoziiert. Auf dem Cover meines neuen Albums sind beispielsweise eingescannte (nicht fotografierte) elektronische Objekte zu sehen, bei denen jedes einzelne Detail genau zu erkennen ist. Ähnlich elektronisch/detailiert sind auch meine Tracks programmiert…manchmal ziemlich abgefuckt, genauso wie manche Objekte auf dem Cover. Vielleicht ist das ein zu direkter Weg, elektronische Musik in Design zu übersetzen, allerdings geschieht das bei DR mit einer solchen Brillianz und mit so vielen zusätzlichen Gags (vor allem in den Texten), dass man solche Designs einfach lieben muss. debug: Seht ihr bei DR ein Verständnis für die Struktur/Konsistenz eurer Musik, die sich dann auch im endgültigen Produkt niederschlägt? Michael Fakesch: Ja, natürlich. Wenn DR unsere Musik nicht verstehen und mögen würden, könnten wir wahrscheinlich gar nicht mit ihnen zusammenarbeiten…die Designs wären wahrscheinlich niemals so gut. debug: Was bedeutet visuelle Gestaltung für euer Label oder für euer eigenes Projekt Funkstörung? Braucht man als Label und/oder Producer ein Corporate Design im Sinne von Wiedererkennbarkeit, visuellem Extremismus, Innovation, Ästhetik? Michael Fakesch: War uns schon immer wichtig…. es ist eine einfache Marketing-Regel, dass Firmen oder Produkte eine extreme Wiedererkennbarkeit haben. Klar ist das bei unserer “riesigen” Musiksparte mehr als Gag gedacht (siehe v.a. das Design für “add. prod.”), Allerdings finden wir es selber schon sehr schön, wenn bestimmte Künstler/Labels, bestimmte Designs/Styles oder Logos benutzen, natürlich nur, wenn sie auch gut aussehen. Man sollte sich nur nicht von diesem Coop.-Design zu sehr einengen lassen und natürlich für neue Ideen offen bleiben. debug: Wie finanziert sich die Gestaltung? Michael Fakesch: Da wir Matt schon ewig kennen und wir DR kreative Freiheit gewähren, waren unsere Preise immer sehr günstig. Mit stetigem Wachstum von mas und Funkstörung wurden die Preise natürlich auch höher, allerdings konnten wir die Preise auch bezahlen, da wir mehr Geld mit Funkstörung und mas machten…Designs für unsere Platten auf Compost oder K7 waren dann schon ein bisschen teurer. Allgemein richten sich die Preise von DR nach Grösse des Labels und ihrem eigenen Interesse am jeweiligen Projekt. debug: Hat elektronische Musik für dich eine visuellen Ausdruck, eine Form? Michael Fakesch: Ja, meistens beschreiben wir Sounds oder bestimmte Beats mit Bildern. Es ist immer simpler von “stolpernden Robotern, die auf Popcorn rumtrampeln” zu sprechen als von synkopisch programmierten Ryhthmen, die diese und jene Effekte haben. Bei manchen Tracks hat man auch sofort eine Idee für ein Video, einen Film oder auch nur ein Bild im Kopf.

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Elektronische Lebensaspekte.