Schwarz-Weiß-Klassik auf dem Mediensprung
Text: Jan Joswig aus De:Bug 117

Die interessantesten aktuellen Magazine sehen aus wie Kondolenz-Briefe. Schwarzweiß, pietätvoll, auf romantische Weise sachlich. “Achtung” zogen voraus, “Fantastic Man”, “Acne Paper” oder der Musikbeileger vom “Zoo Magazine” folgten auf dem Fuße. Allen ist eine Abkehr vom jugendlich Grellen gemeinsam.

Nichts ist weiter weg von dieser neuen Gediegenheit als das New-Rave-Hausblatt SuperSuper. Selbst die i-D, immer noch zuverlässiges Barometer für neue Stile (in der aktuellen Ausgabe zeigen sie Strumpfhosen mit Tigermusterunterhose drunter. Das ist ganz dicht dran am neusten Londoner Irrwitz: Strumpfhosen ohne was drunter), sieht wie ein Supermarkt-Flyer dagegen aus.

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Das scheint historisches System zu haben. Nach den psychedelisch wilden Sixties mit den exzessiven Kaleidoskop-Plattencovern zog sich eine neue Grafik-Richtung radikal daraus zurück. Man fuhr alle Reize zurück und setzte auf radikal wohlerzogene Normalität.

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Das Schwarzweiß dieser Fotos ist nicht depressiv oder dramatisch, die Gesten und Stylings sind das Unexzentrischste, was man sich vorstellen kann. Danach konnte dann jemand wie Phil Collins Popstar werden. Aber erst mal war es der Sieg eines Typus zwischen Nerd und Preppie, wie er auch perfekt von den Nebenfiguren in Woody Allans Schwarzweiß-Filmen verkörpert wurde.

Gerade gibt es wieder eine Sehnsucht nach diesen stillen Wassern. Die wird diesmal vom Magazin-Design erfüllt (obwohl das Cover von “Von Südenfed” dicht ranreicht (man muss nur eine andere Platte reinstecken)).

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Elektronische Lebensaspekte.