Hundeschicksale in der Popmaschine
Text: rikus hillmann aus De:Bug 118


Die Leistungsfähigkeit des Hundeohrs ist hoch entwickelt. Es kann höhere Frequenzen wahrnehmen als das des Menschen, im Idealfall bis zu 15-50.000 Hz (nach anderen Quellen bis 100.000 Hz), maximale Empfindlichkeit bei 8.000 Hz. Die beweglichen Ohrmuscheln des Hundes lassen ihn Geräuschquellen zudem besser dreidimensional orten, als ein Mensch das könnte. Für die Bewegung des Hundeohres sind 17 Muskeln verantwortlich. Selbst Hunde mit Schlappohren sind in der Geräuschortung nur knapp den Stehohrigen unterlegen. Hunde sind im Übrigen auch in der Lage, über etwa 25 Meter Infraschallfrequenzen um die 1 bis 2 Hertz wahrzunehmen.
So verblüfft es nicht, wenn dieser deutsche Kurzhaar total überrascht im vollen Sprint von 40 Km/H von der reinen Basswucht der Planet Mu 200 Dubstep-Compilation umgeblasen wird, der in ca. 10 Meter Abstand über einen iPod-Kopfhörer gelauscht wird.

Früher ging der Mensch von der Annahme aus, dass Hunde nur Graustufen, “schwarz-weiß“ sehen könnten. Nach genaueren Untersuchungen wurde diese Meinung revidiert: Hunde sehen Farben – aber etwas anders als der Mensch. Die britische Designlegende Storm Thorgerson, bekannt mit seiner Firma Hipgnosis für seinen “Hi-Res-Foto-Surrealismus” mit Konzeptcovern u.a. für Pink Floyd, The Alan Parsons Projekt, Peter Gabriel und anderen Stadion-Art-Muckern beim Label Harvest, hat diesen Beweis mit einem Boxer auf dem Cover des Albums “Mr. Love Pants” von Ian Dury and the Blockheads (“Hit Me With Your Rhythm Stick“ war deren Hit) – schon vor der eigentlichen wissenschaftlichen Definition – geführt.

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Doch bleibt die Frage, ob der Umstand der hier gezeigten Hosenmode wirklich auf die Sehfähigkeit und Geschmackssicherheit des Hundes oder die Farb- und Symbolmode der 80er Jahre zurückzuführen ist, die den Farbcode von Storm Thorgerson nach seiner stilprägenden Arbeit in den 70ern wohl noch mal nachhaltig umformte, oder nur der reinen kindlichen Spielfreude des Hundes Tribut zollt, der vergebens auf sein Herrchen wartet, weil dieser grad im Bildhintergrund mit seiner Yacht absäuft. Das Album jedenfalls erschien erst 2001.

Labelmacher, geschmackssicherer DJ und Coverdesigner Ata von Playhouse beweist wiederum mit seinem LP Design für die “Famous when dead”-Compilation, dass auch schon Motörhead wussten, dass der Hund mit dem Wolf kreuzungsfähig ist, wenn sie auch nicht wirklich über die Hörpotentiale unserer Freunde informiert waren, als sie ihr Album “Stone Deaf Forever” nannten.

The Mole hingegen fokussiert mit kritischem Blick den durch den Menschen gezähmten dialogischen Spieltrieb des Hundes: Zwei junge Golden Retriever sitzen mit Bedacht und Ruhe am Brettspiel.
Streetartist Banksy thematisiert spitz das Aufbegehren des Hundes (in diesem Fall ein Fox Terrier namens “Nipper”) gegen die “Audio-Pollution” des vom Menschen geprägten Lebensraumes in einem “His Masters Voice”-Zitat.

Bratz-Noise-Rocker Steve Albini, ehemals Mastermind von Big Black, u.a. Produzent von Gravenhurst, zeigt auf dem letzten Cover seiner Band Shellac den “Excellent Italian Greyhound”. Hier zeigt sich, wie perfide der Mensch seinen besten Freund manipuliert. Ohne Bedacht der inneren Werte und wohlwissend um die primär carnivore Ernährung des Hundes, nutzt man diesen Umstand, um ihn – allein der Ästhetik wegen – umrankt von Früchten und Gemüse als formvollendetes Stillleben zu inszenieren. Mit leckeren Rippchen auf dem Boden wäre dieser Schuss wohl nicht so einfach gelungen. Ein Hundeleben!
http://www.stormthorgerson.com

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Elektronische Lebensaspekte.