Vögel mit hängenden Schnäbeln in 0,5er Breite
Text: Jan Joswig aus De:Bug 112


Eigentlich sollte sie es nicht tun, ihre freiheitsliebenden Tierchen in den Kreis eines Platten-Labels zu sperren. Aber das Hamburger Indie-Houselabel Mirau, das gerade seine erste Compilation-CD herausbringt, hat genau den richtigen Grad an Verschrobenheit, damit sich Tomma Brooks Fantasiefiguren wohl fühlen. Also gibt sie dem Label die Corporate Identity und gleichzeitig einen Zoo, den man später mal zu Sammelkarten zusammenfassen kann.

Tomma ist Feinmalerin, am liebsten benutzt sie schwarze Stifte mit 0,5er Breite. Damit malt sie dünnstrichelig akkurat, etwa wie Dürer bei seinem naturalistischen Hasen. Nur entspringt Tommas Fauna ganz ihrer Einbildung. Skurril, krude bis morbide sind die Adjektive, die ihr selbst zu ihrer Tierwelt einfallen, und ziemlich melancholisch sei es. Jede Figur steht allein auf weißem Grund, viel weißem Grund, das ist wichtig. Leise ist es in den Zeichnungen – und manchmal so traurig, dass die Freunde vom Mirau-Label ihr raten, den Schnabel eines Vogels nicht ganz so hängen zu lassen.

Auf lange Sicht plant Tomma einen Comic, assoziativ statt narrativ – und mit viel weißem Raum. Wie sie Intimität herstellt und gleichzeitig schüchtern zurückweist, kann man schon jetzt in ihrem Mirau-Taschenheftchen nachblättern, das über 48 Seiten die Lyrics zur Mirau 1, Arp Auberts “Actress”, illustriert.
http://www.miraumusik.com

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Elektronische Lebensaspekte.