Geoff McFetridge denkt das Coffeetable-Mag zu Ende
Text: jan joswig aus De:Bug 119


Zum potentiellen Coverlover-Star wurde der amerikanische Grafiker Geoff McFetridge durch seine Illustration für das Album von “The Whitest Boy Alive”. Fetridge gestaltet aber nicht nur Cover und Magazine, er knöpft sich jede Oberfläche vor, zum Beispiel auch Holz.
Mit seinem “Monster Dice” denkt er die Idee vom Coffeetable-Magazin konsequent zu Ende. Einzelne Seiten? Blättern? Das sind doch Relikte aus content-orientierten Brillenschlangen-Zeiten. Ein Coffeetable-Mag muss einfach nur ab dem ersten Blick gut aussehen. Also nimmt sich McFetridge das Grundmaterial aller Magazine – Holz – und lässt es als massiven Klotz stehen. Das Mag als komprimierter, undurchdringlicher Würfel.

McFetridge ist eine große Nummer in der jugendorientierten Gebrauchskunst-Welt. Er war Art Director vom Beastie-Boys-Magazin “Grand Royal“ und hat neben “The Whitest Boy Alive“ für Nike, Stüssy, Patagonia, Pepsi, Marc Jacobs, Ligne Roset blablabla gearbeitet. Zwischen Popart, Streetart und Horst-Antes-artigen Figuren in einem sehr freundlichen, korrekten Strich überziehen seine endlos verzwirbelten Zeichnungen und Objekte die Welt wie pastelliges Efeu. Eine seiner Ausstellungen hieß sehr treffend: “The Line that rhymes“.

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Für “Monster Dice“ hat der Schweizer Grafikdesigner und Verleger Benjamin Sommerhalder, dessen bibliophile Fanzines aus seinem Verlag “Nieves“ längst einen weltweiten Ruf als sehr persönlich gefärbte Liebhaber-Kunststücke genießen, McFetridge mit der Möbelfirma E15 zusammengebracht. Aus den Eiche-Resten, die bei der Produktion des E15-Stuhlklassikers “Backenzahn“ übrig bleiben, hat McFetridge die Würfel geschnitten und sie per Lasertechnik (die gleiche, die Nike für seine gelaserten Sneaker benutzt?) mit Monstern überzogen, die sich wie bei M.C. Escher in einem unauflösbaren Zirkel selbst zeichnen (und an allen Würfelkanten aneinander anschließen). Für sentimentale Geister: Seine vierjährige Tochter hat ihm dabei geholfen.

Wer einen kuscheligen Abschluss-Kommentar hinter das Thema Coffeetable-Book setzen will, ist mit den Monster-Würfeln bestens bedient. (Ich empfehle auch ganz generell das New Yorker Magazin ANP Quarterly von Brendan Fowler, Ed Templeton und Aaron Rose, das in Ausgabe 5 sowohl McFetridge als auch Nieves vorstellte.)
http://www.e15.com

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Elektronische Lebensaspekte.

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