Ugly Pictures fallen in pubertärer Zerstörungslaune über ihre Lieblingscover der Popmusik-Geschichte her. Ihr Film "Battle of the Bands" ist so blutrünstig wie beliebt.
Text: Anton Waldt aus De:Bug 108

Coverlover

Kampf der Papp-Cover
Ugly Pictures

Das Dead-Kennedys-Signet im Karate-Deathfight mit dem Van-Halen-Logo, Black Flag im Blutrausch, Michael Jackson geht Brandschatzen, Billy Joel schießt aus allen Rohren, bei den Weicheiern Violent Femmes wird wie gehabt durchs Fenster gelinst. Heilloses Fleisch-Gehäcksel und Rübeabhacken herrscht im Filmchen “Battle of the Bands”, das im Oktober auf Youtube zum mittleren Hit avancierte: Durchgehend liebevoll modifizierte und teilweise animierte klassische Pop-LP-Cover machen es auf die grobe Tour unter sich aus. Shaun Cassidy schlabbert hinter Plastikfolie, Rick James blutet wie ein Schwein, aber er schlägt sich tapfer, die Beastie Boys brechen sich das Genick beim Burgerbestellen, Pink Floyd hantieren mit Todesstrahlen, Roxy Music explodieren in Monty-Python-Manier, die Scorpions gehen auf Splatter-Kriegspfad und Duran Duran hantieren mit Explosivstoffen. Warum die Cover sich das alles antun, bleibt ein bisschen unklar, und auch vermeintlich ausgemachte Spielregeln à la White-Trash-Rock gegen Popper sind nicht wirklich zu erkennen. Offensichtlich herrscht hier einfach der fröhlich destruktive Spieltrieb mit den geliebten Pop-Bildern. Für den Schabernack zeichnet die Zwei-Mann-Klitsche Ugly-Pictures verantwortlich, die sich von Dokumentar- bis zu Werbefilmen durch fast alle Kurzfilm-Genres gearbeitet hat. “Battle of the Bands” ist eine ausführliche Fingerübung, die anlässlich eines Benefiz-Konzerts im Rahmen der “Advertising Week” in New York entstand.

Lob statt Abmahnung
Wenn jemand den Titel dieser Debug-Kolumne – Cover-Lover – verdient, dann sind das jedenfalls Rohitash Rao und Abraham Spear von Ugly-Pictures, die sich nicht nur die Animations-Arbeit angetan haben, sondern nach eigener Aussage erst einmal Wochen damit verbracht haben, in ihren Plattensammlungen zu kramen und sich trefflich darüber zu streiten, welche LPs in den Kurzfilm kommen sollen. Allerdings hat sich diese Hingabe und Mühe auch gelohnt: Nachdem “Battle of the Bands” auf YouTube reüssierte, hagelte es Lob und ziemlich schnell war auch jemand von Universal am Telefon. Und zwar nicht, um eine harsche Abmahnung zu verkünden, weil die LP-Titel ohne Genehmigung verwurstet wurden und das Ergebnis im bösen Internet veröffentlicht wurde. Stattdessen erklärte Universal, dass man den Kurzfilm hochgradig unterhaltsam und gelungen fände und daher an einer Zusammenarbeit interessiert sei. Statt einer Abmahnung bekam Ugly-Pictures also ein Jobangebot, wahrscheinlich werden die Jungs demnächst ein Musik-Video für Universal produzieren. Eine Fortsetzung des “Battle of the Bands” wird es unterdessen definitiv nicht geben, zum einen weil sich Ugly-Pictures bereits an ihren Lieblings-Covers abgearbeitet hat, zudem wollen die Macher nicht noch einmal die gleiche Idee verbraten.

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Elektronische Lebensaspekte.

Nach acht Jahren Designers Republic hatte Matt Pyke genug und stellte seine Arbeit auf eigene Füße. Universal Everything heißt seine Agentur, die seit drei Jahren interdisziplinär an Web-, Film-, Mode-, und Interior-Design arbeitet. Nokia, Nike, Samsung und Microsoft gehören zu seinen größten Kunden. Für den Coverlover schaut er auf zwei Platten-Designs zurück, die ihm die Initialzündung verpassten.
Text: Matt Pyke aus De:Bug 103


1.
Malcolm McLaren
Duck Rock

Als mein Bruder (Simon Pyke aka Freeform) und ich in einer dieser kulturlosen Kleinstädte in Südengland aufwuchsen, war dieses Cover der Gipfel unseres Sommers 1988. Wir fanden die Platte in der Bücherei und sie war das einzige Zeichen von Coolness neben Bronski-Beat- und Jean-Michel-Jarre-Covern. Wir waren schlechte Breakdancer und der Ghettoblaster sah unfassbar gut aus mit den Hörnern. Das Cover und die Musik waren einfach nur ein riesiger Zufalls-Clash der Stile, dass wir mehr wissen wollten. Die Platte ließ uns viele Jahre hungrig und neugierig bleiben.

2.
Anthony Manning
Islets in Pink Polypropylene
Irdial Discs 1994
(54 ird aev 2)

Als es mit Elektronika losging, bedeutete mir das Cover wirklich viel. Ich würde es nicht als Klassiker bezeichnen, aber es steht als perfektes Beispiel für Mannings Ideal des Renaissance-Menschen, alles selber zu erschaffen. Die Bilder sind Teil der Musik, die ihrer Zeit eh voraus war, und verbinden mathematische Formeln mit großflächigen, handgemalten Skizzen. Weiter konnte man vom Techno der Zeit nicht weg sein. Anthony lebte in seiner eigenen Welt und zum Glück konnte er sich auf Irdial austoben.

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Elektronische Lebensaspekte.

In unserer Rubrik Coverlover diesmal:Cocorosie-Noah’s Ark (Touch and Go)Devendra Banhart- Cripple Crow (XL-Recordings)
Text: Mercedes Bunz aus De:Bug 98

“Hey, hey Hippies!“, könnte man sich auf den ersten Blick bei der Ästhetik dieser beiden Platten denken. Alleine schon, weil alle hier gerne ein Bindi auf der Stirn tragen. Man muss aber nicht erschrecken. Es ist alles etwas anders. Auch wenn eine verspielte Hippieästhetik beschworen wird, ebenso wie die Musik Folk- oder Country-Wurzeln streift – keiner denkt sich hier einfach nur: hoch mit der Gitarre, her mit dem Malstift und zurück zur Authentizität. Das Irre an Devendra Banhart ist eben, dass seine Stimme fantastisch ist, wobei sie eben nicht authentisch klingt, sondern so, als hätte man eine Countryband aus den Dreißigern auf einem Dachboden gefunden und in den Siebzigern wieder veröffentlicht. Es klingt echt und zugleich wie ein Zitat. Mit diesem Trick ist Banhart, genauso wie Cocorosie, eindeutig 2005 angekommen, Cocorosie sind dabei vielleicht noch etwas radikaler.
Und das ist der Trick: Der ästhetische Verweis auf das Hippietum steht nicht für “Zurück zur Natur”, sondern ist eine Ästhetik, mit der man arbeitet. Das sind komplette künstlerische Entwürfe, die als solche genau und präzise von der Musik über die Zeichnungen bis hin zu den Videos und Pressebildern sitzen. Das unterscheidet diese beiden Projekte von der schlimmen Welle des Singer-Songwritertums, die über uns seit dem ach doch so nett verrückten Adam Green und dem Märchen von mehr Direktheit bei Lofi-Produktionen hereingebrochen ist. Hier ist das anders: Das Aufrufen einer Hippie-Ästhetik, die bei Devendra eher ans Indisch-Yogaartige gekoppelt ist, während sie bei Cocorosie mehr in den Zirkus-nahen Deauville-Stil übergeht, hat eben nichts Natürliches. Auch wenn Hippietum sicher etwas ist, mit dem alle musizierenden Hauptpersonen über ihre leicht irren Patchwork-Familien, aus denen sie stammen, in Kontakt gekommen sind. Doch es geht weder darum, die Gesellschaft als Entfremdung zu kennzeichnen, noch darum, sich nach einem Ideal oder einer Utopie zu sehnen. It ain’t wise to idealize, wie es explizit heißt. Beide CDs sind vom Musikalischen wie auch vom Visuellen her eher melancholisch und machen es sich dort, in dieser Düsterheit, dann bequem. An Cocorosies Cover wird das mehr als deutlich: Man sieht drei kopulierende Einhörner. Das unterste kotzt dabei. Das darauf blutet einen bunten Regenbogen aus den Augen, der sich nach rechts oben über das Bild zieht. Alle drei stehen auf einer grünen Wiese, über der lila Wölkchen hängen. Genau. So ist das Leben eben an manchen Ecken. Fies und trotzdem schön.

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Dr. Dre ist ein Mann vieler Welten. Perfekt, um an ihm den Wechsel vom Hollywood-Electro-Entertainer zum South-Central-Realo-Gangster zu bebildern. Zwei Welten, ein Leben.
Text: Jan Joswig aus De:Bug 97

World Class Wreckin’ Crew vs. N.W.A
Die Jakobiner des HipHop

Geschichte wiederholt sich. Revolutionen sind nicht pompös. Männer schmücken sich nur in dekadenten Zeiten. Kaum war der Kopf Ludwig XVI. gerollt, ”verschwanden Puder und Perücke, Samt und Seide … Der dem dritten Stand, das heißt den Bürgern, in der Ständevertretung bisher vorgeschriebene einfache schwarze Tuchanzug wurde zum Ehrenkleid erklärt – die Wolle als Symbol für die Bürger hatte über die Seide, den Adel, gesiegt.” (Krause/Lenning: Kleine Kostümkunde, Berlin 2003, Seite 168)
Zwischen 1985 und 1988 passierte Vergleichbares in der Unterhaltungsindustrie. Eben noch waren die Schwarzen rausgeputzte Entertainer in einer Welt, die nach Las-Vegas- und Hollywood-Gesetzen lief. Die ”World Class Wreckin’ Crew“ staffierte sich aus wie für einen höfischen Ball, auf dem sie eine Mischung aus Hofnarr und Revuenummer abgab. Plötzlich kommt ”N.W.A“, verwirft Pailetten, Puder und Seide und erklärt das einfache Tuch des Ghetto-Bewohners, den Trainingsanzug, zum Ehrenkleid.
Der Gangster-HipHop-Realismus verdrängt die Electro-Hollywood-Revue, imitiert nicht mehr weiße Luxus- und Herrschaftssymbole, sondern stellt seine eigene Ästhetik herausfordernd dagegen.
Köpfe mussten bei dieser symbolischen wie materiellen (das N.W.A-Label ”Ruthless“ gehört Crew-Mitglied Eazy-E) Selbstermächtigung nicht rollen. Auf dem ”World Class Wreckin’ Crew“-Cover außen links im Pailetten-Einteiler mit umgehängtem ”Gott in Weiß“-Stethoskop und auf dem ”N.W.A“-Cover als Zweiter von rechts mit Basecap und Trainingsjacke ist der gleiche Mann zu sehen: Dr. Dre, das Chamäleon mit dem goldenen Produzentenriecher.

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Kinderzeichnungen müssen mit Kinderaugen betrachtet werden. Das war schon bei der Art Brut so. Also lassen wir Areal-Cover von der ABC-Schützin Zazie kommentieren. Und eine gemalte Antwort hat sie auch parat.
Text: Technokinder vs Areal aus De:Bug 95

Ada/Blondix2
Zazie:
Also, ich finde die Wiese schön und ich finde den Fuchs und das Kind schön, die auf der Straße spazieren gehen. Das Braune da und den Sonnenuntergang finde ich auch toll. Ich mag das, dass sie spazieren gehen und dort auf den kleinen Berg hochlaufen, wo eine grüne Wiese ist.
Die gehen bestimmt auf den Berg und gucken sich den Sonnenuntergang an. Also, einmal gingen ein Fuchs und ein Kind spazieren und sahen etwas auf dem Boden liegen. Dann haben sie sich gebückt und geguckt, was das ist. Aber da war gar nichts und dann gingen sie einfach gemütlich weiter auf den grünen Berg, um den Sonnenuntergang zu sehen. Und dann als sie zurückkamen, da freuten sie sich, weil das Abendessen schon da war und sie konnten dann sofort essen und schliefen dann gemütlich ein.

Ada/Blondix 1
Zazie:
Mmmh, ich weiß gar nicht, was das ist … Ich mag, dass der Fuchs dort liegt, es sich gemütlich macht und dort schläft.
Das scheint zusammenzugehören mit dem anderen Bild … Ach, das ist ja die Straße, wo der Fuchs mit dem Kind spazieren geht.
Ich glaube, dass ist doch eher ein Schwein, was auf der Straße liegt und sich dort ausruht vom Spazierengehen und die anderen darübergehen, auch die Autos, und es massieren.

Metope/Libertango
Zazie:
Da ist eine tolle Sonne und die Farben sind ganz toll.

Metope/Kobol
Zazie:
Der Pinguin sieht gut aus, weil er so orange-blau ist. Der scheint auf einem Felsen zu stehen und nach einer Möwe zu gucken … und ich finde die Pinguinfamilie auf der CD gut und das ist für mich alles … Der Schatten von dem Pinguin innen drin ist auch schön. Hinten drauf ist wieder der Fuchs von dem anderen Bild, der steht dort einfach und hat einen Schal um. Die Buchstaben da oben sind toll. – Du, Mama, was ist das? Also, was sollen die Buchstaben da?

Mama:
Das heißt “Areal”, so nennen sich die Leute, die diese Schallplatten und CDs machen lassen und diesen Namen mit den Buchstaben findest du dann auf all ihren Platten …

Zazie:
Die Musik fand ich aber auch schön. Also, das erste und das zweite Lied sind ganz schön und die Musik ist zum Tanzen und so Disco finde ich ja auch ganz toll.

Zazie zu allem:
Die Musik war sehr gut und war auch zum Tanzen ganz gut … Ich liebe diese Musik.
Alles zusammen finde ich ziemlich schön.
Das war alles und das war alles sehr schön für mich und Mama.

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Der visuelle Bastardpop von Larvae, der Kill Bill mit Star Wars mixt, zegit einem erst mal, wie ubiquitär das Laserschwert eigentlich ist.
Text: Vicky & Patrick aus De:Bug 94

Coverlover

tschk (pause) ssszzzzzzzz
Uma Thurman zieht das Laserschwert

Es gibt Dinge, die sind so selbstverständlich, so alltäglich, dass man vergisst, dass es sie gar nicht gibt. Das Laserschwert. Seit zwanzig Jahren wächst kein Mensch mehr auf diesem Planeten auf, ohne mit einem “tschk (pause) ssszzzzzzzz” die Wunderwaffe zu ziehen. Alles, was man tun muss: die Faust ballen und anerkennend einen Meter nach oben schauen. Schon ist die Macht mit einem. Oder eben fast. So liegt ein junges britisches Paar schwerverletzt im Krankenhaus. Warum? Sie haben versucht, sich aus Neonröhren Laserschwerter zu bauen, um so Filmszenen nachzuspielen. Die Idee klingt erst einmal gar nicht so dumm. Die Ausführung lies jedoch zu wünschen übrig: Sie haben Neonröhren mit Benzin gefüllt und angezündet. Andere wollen den Mythos zerstören: T-Online zählt – in typisch deutscher Besserwisser-Manier – die Filmfehler in einem Extra Special (!) auf. Da freuen sich die Onliner über vertauschte Schwerter und falsche Augenfarben. Hat denn keiner mehr Achtung vor Helden? Oder wenigstens Humor? Humorlos sind auch sechsjährige Knaben, die mit altkluger Stimme aufklären, dass ein Kinobesuch in der Begleitung von Erwachsenen auch für Kinder möglich sei. Klingt, als ob sie sich bei Anwälten schlau gemacht haben. Kein Betteln mehr, kein Gejammer – heute wird mit der Rechtslage erpresst. Das Ziel: Angeber des Tages auf dem Schulhof. So wird man kein Yedi-Ritter. Und Waffen verdient man sich so schon mal gar nicht. George Lucas hat mit dem Laserschwert den Mythos von Excalibur in die Zukunft getragen. Leicht und leuchtend – das Laserschwert kommt in den Retro-80er-Farben Neonpink, Neongrün und Neonblau. Und ist damit eh viel cooler als das an ein Kreuz erinnernde Schwert von König Artus. Und irre praktisch! Kämpft man nicht gerade, ist das Laserschwert so groß wie ein Knirps, passt somit in jede Yeditasche und ist sehr mobil. Das alles sind so wunderbare Vorzüge, dass sich kreative Menschen da draußen überlegt haben, auch andere Filme brauchen Kampfszenen mit Laserschwertern. Die Zeiten haben sich zudem geändert. Frauen kämpfen heute mit (ok, nicht bei George Lucas, der steht immer noch auf die dekorative Heldin). Aber in der Oberliga der Kämpfer hat sich Uma Thurman ganz klar einen mythischen Platz erschlachtet. Und wenn Uma – wie in der Videoverfremdung “Star Wars – Episode II, Attack of the Clones (Larvae Remix)” – so ihr leuchtendes Schwert zieht … tja, dann fragt man sich, ob das nicht immer schon so hätte sein sollen – eben als hätte die ganze Zeit bei Uma und ihren Gegnern etwas gefehlt.

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Wofür steht eigentlich das “i” in elektronischer Musik? Atom Heart bietet mit seinen seinen beiden aktuellen Alben gleich mehrere Deutungsmöglichkeiten.
Text: Atom Heart aus De:Bug 91

Coverlover

ATOM™ über iMix
Ich fand es interessanter, das “i” als “ich” zu übersetzen (wofür steht das “i” eigentlich?) … egozentrische Produkte sozusagen. “iMix” = “ich mische”. Beim Research zu “iMix” fand ich dann ein PopUp einer Internet Dating Site. Sie nannte sich “iLove” (www.ilove.ch oder auch ilove.terra.com.br). Das fand ich so mit eines der seltsameren “iDesigns”, weil es “ich liebe” heißt, wenn man es richtig übersetzt … und gerade in der Liebe geht es ja eigentlich nicht um einen selbst, sondern um den anderen (zumindest am Anfang). Irgendwie wird aber bei “iLove” das ganze Problem plötzlich sichtbar: Es dreht sich alles um das ICH … vermutlich endet man dann auf einer Internet Dating Site. Schnellsuche: ich – männlich, suche – eine Frau, in diesem Zusammenhang ist dann meine top “iSite”: http://www.ilove-ri.com

Bleed über CMYK
Für mich gehören iMix und CMYK untrennbar zusammen. Vermutlich, weil sie in getrennten Paketen am gleichen Tag nach einer langen Zeit ohne ATOM™ bei mir ankamen. Das kleine i von iMix machte sich höchst verdächtig. Elektronische Musik und das Ich … ihr kennt das Problem. Unser elektronisches Ich spielt eine so große Rolle, weil es keine spielen soll. Deshalb kann man seit iÜberalles wieder über das Ich reden, das wird jetzt kleingeschrieben und ist deshalb überall. Und es bedeutet immer alles. Und wenn das kleine i (so wie die Franzosen immer gerne von dem großen und dem kleinen S geredet haben – oder A for that matter) auf den Mix trifft, dann ist der Mix das i. Ich bin dann ein Mix, alles ist mixbar, alles ist iMix. Deshalb hat ATOM™ auch einen Afro (Weshalb auch nicht? Das sagt das kleine i), deshalb ist er verpixelt, weil der Rechner auch ATOM™ ist, schon immer war, genauso wie der Funk immer schon auf den Pixel im Groove deutete. iMix ist, sich selbst zu lieben in einem Bild, mit dem man nichts mehr zu tun hat, in dem man sich aber selbst dennoch erkennt. Ebenso CMYK, dass sich dem Boy – Girl – besser gesagt vielleicht dem Boys-Boys-Boys-Problem – auf eben diese iArt nähert (um nicht zu sagen, dass es hier auf den Hund gekommen ist). CMYK ist die Separation, die Noblesse des Drucks, die Trennung der Farben für eine Art der Prägung, die uns alle zu Schrift macht. Den Pudel, z.B. Der Pudel ist bis hinunter in seine separierte Züchtungsgenetik und -genese ein Tier, dessen unaufhaltsamer Aufschwung untrennbar mit dem Druck der ersten Groschenromane verbunden ist. Das verschriftlichte Tier des Farbdrucks, dieser medialen Erfindung der Gleichheit von Bild und Wort. Der Pudel ist das fleischgewordene CMYK und deshalb untrennbar mit unserer Geschichte, auf die ATOM™ in einer Mischung aus Navigator mit Fernglas und Kommentator mit Mikrophon auf CMYK zurückblickt, verbunden. Unser letztes Wappentier kurz vor der iGeneration, die ja das Ich zum Wappentier macht, indem das verkleinerte, ubiquitäre, niedliche Ich uns zu unserem Banner für alles macht. Noch brauchen wir es, aber bald ist alles so i, dass wir uns auch weglassen können, und dann kommt vielleicht auch der Debug-Drache – er schmollt – wieder zu uns zurück.

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In unserer Rubrik Coverlover diesmal: Duran Duran Duran und the Soft Pink Truth streiten um diskriminierende oder nicht-diskriminierende Darstellung unkatholischer Freuden.
Text: hendrik Lakeberg, Drew Daniel, Duran duran duran aus De:Bug 90

Coverlover

Soft Pink Truth über Duran Duran Duran

(Um Drew Daniel dazu zu bekommen, die Kunstfertigkeit des Duran Duran Duran Albumcovers unter die Lupe zu nehmen, nahm dieser – extra für uns, wir sind geehrt – einen schizoid-transsexuellen Schub auf sich, äußerte sich aber dennoch überraschend klar in einem intimen Zwiegespräch von Mrs. Connie und Mr. Prospero)

Mrs. Connie: Na toll, haha, zwei schwule Kerle, die nackt sind, da lachen sich Heteros bestimmt den Arsch ab. Alter, Schwulsein ist sowas von zum Schreien, oder?

Mr. Prospero: Aber Connie, wie kannst du denn wissen, dass die Leute, die das hier gemacht haben, nicht schwul sind? Und warum kümmert es dich überhaupt? Warum siehst du es nicht einfach als Metapher für deine müde und langweilige Identitätspolitik. Es erinnert mich eher an das Ende von E.M. Forsters Buch “Maurice”, in dem der Hauptprotagonist und sein Diener, um der homophoben Repression zu entkommen, in den englischen, grünen Wald fliehen müssen und Liebe zwischen den Bäumen machen. Das Cover-Bild könnte eben diese Szene ein paar Jahre später fortführen, man ist erwachsen geworden, hat ein, äh, ausgefülltes Leben, ist von grundsätzlich fröhlichem Naturell. Es ist entwaffnend und absolut niedlich.

Mrs. Connie: Ich weiß nicht, die beiden eregierten, sich fast berührenden Schwänze innerhalb des Covers wirken auf mich wie ein Rip-Off von Tom of Finlands T-Shirt, das Vivienne Westwood die Sex Pistols damals hat tragen lassen, und es ist immer noch dieselbe alte Dynamik, wenn Heteros schwule Bilder benutzen, um zu schocken. Sie verraten dabei aber eher ihre eigene Unbeholfenheit. Das ist irgendwie aufrührend, aber nur für Leute, die sich nicht wirklich mit dem Bild identifizieren können.

Mr. Prospero: Aber die andere Seite einer utopischen Idee ist immer melancholisch. Du verstehst es nicht, oder? Das hier ist lustig UND depressiv zugleich. Es ist großartig.

Duran Duran Duran über Soft Pink Truth
(Nachdem wir Duran Duran Duran unter größter Mühe vom Satanistenkongress für ein kurzes Statement zum Soft Pink Truth Cover wegziehen konnten – die Ziegen waren sichtlich traurig, ihn zu verlieren – und wir mit ihm standhaft durch allerhand anarcho-apokalyptischen Ideologieschund gewatet sind, erschienen uns folgende Sätze von ihm als das gewünschte Statement zum Cover. PS: Man kann es von vorne und von hinten lesen.)

Dieses Cover ist groß. Es ist ehrfuchtgebietend. Es ist fantastisch. Bahnbrechend. Unglaublich. Wow. Heilige Scheiße, Jesus Christus. Erstaunlich. Verdammt irreal. Groovy. Liebenswert. Super. Unbegreiflich. Eine Heimsuchung, so emotional. Eine echte Tour-De-Force. Der Sleeper-Hit des Jahres. Das, was diese Saison drin war. Voll Schick. Bewundernswert. Groß. Verrückt! Das kommt von Herzen. Gemälde von Francis Bacon wurden in den Opening Credits verwendet und bestimmen den tödlich-fleischfarben-exzessiven Ton des ganzen Films. Während Bertolucci wohlwissend dem größten Schauspieler aller Zeiten genug Raum gibt, um alles von seiner polierten instinktiven Schauspielkunst herauszubringen, in einer Rolle, die in ihrer Funkyness und ihrem Narzissmus völlig verloren gewesen wäre, gäbe es nicht Brandos Fähigkeit, seinen Schmerz mit uns zu teilen. Das Cover ist Mist. Furchtbar. Der grösße Haufen Scheiße, den ich je gesehen hab. Grässlich. Ekelhaft. Abstoßend. Eine Schande für jeden Schwulen. Das stinkt depressiv. Schlecht, langweilig, schlampig, braun, laptopsexuell.

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Elektronische Lebensaspekte.