Text: Aram Lintzel aus De:Bug 26

Warum soll eigentlich immer der DJ gehängt werden, nie der Autor? Oder sind die beiden etwa ein und diesselbe Person? Äh, “Rechtspersonen”, wie es wohl wissenschaftlich und begrifflich korrekt heissen muss. Wohl kaum, denn seit Michel Foucault seine erste 12″ presste, gilt der DJ als der natürliche Feind des Autorsubjekts. Davor war alles noch ganz anders – Friedemann Kawohl hat auf S.26 mehr zu berichten aus jenen goldenen Zeiten, als noch grosse alte Männer ihre Musik als Ideen und Empfindungen hüteten und nicht Sounds, Samples und anderes körper- und subjektloses Zeugs durch Tanzflächenschaltkreise und Rechtsgelehrtenhirne geschickt wurden. Mittlerweile ist der DJ zum Produzenten mutiert und das wirft weitere Fragen auf: Brauchen der DJ und der Autor, der DJ-Autor und der Autor-DJ, der Autor-Autor und der DJ-DJ dieses (trügerisch anarchisch) eingekringelte Gross- C überhaupt noch, das ihnen von Grenzbeamten in den Reisepass gestempelt wird und das sie überall rein (in die Produktionszirkel) und wieder raus (aus den Legalitätsproblemen) kommen lässt? Beziehungsweise: Braucht der Rest der Welt noch ideologische Begriffsmonster wie “Urheberschaft”, “Aufführungsrecht” etc. – wo sich doch die Party ihre Rechte nimmt, statt sie via Nachfrage-Rückantwort-Nachfrage-Kaskaden zu beantragen? Josef K.’s kleiner Bruder Sascha hat sich in den Wahnsinn der Bürokratie begeben und zitiert seitdem nur noch sich selbst. Wer’s nicht glauben mag, lese weiter auf Seite 25! Vielleicht ist das ja die Lösung: Selbstreflexivität galore. Dafür brauchen wir aber keine Plattenläden, Kugelschreiber und Gänsefüsse mehr, sondern lediglich gut funktionierende “Filtersysteme” (siehe Pit Schulz auf S.28). In denen werden Ordnungsbeamtentum und GEMAtum nichts mehr zu melden haben. Denn nur vor und hinter dem Gesetz können Menschen noch über ihre Ideen und Gefühle verfügen. IM Gesetz dagegen werden sie zum geistigen Diebesgut der Mächtigen. …ab SEITE # 25…

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Elektronische Lebensaspekte.