Der DAW-Krieg geht weiter. Cubase 4 präsentiert sich aufgeräumt und voll mit neuen Features.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 108

Musiktechnik

Cubase 4
Die komplette Renovierung

Steinberg hatte erst letztes Jahr die Doktrin verkündet, der Nuendo-Version (Edelvariante von Cubase mit erweiterten Surround- und Video-Fähigkeiten) zuerst die Updates angedeihen zu lassen, die später dann auch Cubase erhält. Stattdessen wurde das neue VST-PlugIn-Format VST3 jetzt mit Cubase eingeführt.

Übersicht
Zunächst fällt auf, dass die grafische Oberfläche einfacher geworden ist und weitestgehend ohne 3D-Schnickschnack auskommt; alles ist verhältnismäßig dunkel gehalten, übersichtlich und dem Nuendo-Look angeglichen. Auch die Control-Room-Sektion von Nuendo ist jetzt integriert worden, so dass man sich, vorausgesetzt die Soundkarte hat genug Ein- und Ausgänge, diverseste Talkbacks, Studio-Sends und Monitorkonfigurationen erstellen kann.

Das eingeführte VST3-Format, erlaubt weiterhin die Benutzung älterer PlugIns. Es sorgt nicht nur dafür, dass die Plug immer die richtige Anzahl von Ausgängen haben, sondern ist theoretisch auch Sidechain-fähig, was in der aktuellen Cubase- Version aber noch nicht unterstützt wird. Außerdem erlaubt der neue Standard das automatische Ausschalten von PlugIns immer dann, wenn sie gerade kein Audio bearbeiten oder erzeugen. Der Mixer wurde mit dem enorm zeitsparenden Insert Drag & Drop (inklusive Kopieren mit Alt) ausgestattet und kann jetzt bequem nach den eigenen Bedürfnissen konfiguriert werden. Die neuen Instrumentenspuren vereinen VST-Instrument und Midispur in einem Kanal. Mit den Track-Presets kann man oft gebrauchte und für gut befundene Signalketten abspeichern, bei Bedarf auch mehrere gleichzeitig als Multi.

Media Bay, Soundframe und Loop-Browser
Immer mehr halten Attribut-basierte Browser Einzug in die DAWs und Instrumente, so jetzt auch bei Cubase. In der umfangreichen Verwaltungssektion tummeln sich neben sämtlichen Audiofiles, PlugIn-Presets und den neuen Instrumentenspuren und Track-Presets. Die Sortier-Attribute (Tags genannt) lassen sich extrem umfangreich editieren und selbst vergeben, die mitgelieferten PlugIns und Presets sind bereits umfangreich mit Schlagworten versehen. Presets, Audiofiles und auch Instrumente lassen sich im Browser im Trackzusammenhang ausprobieren und dann auf die gewünschte Stelle ziehen.

Neue Instrumente
Neu dabei sind drei Synths und ein Software-Rompler namens Halion One, der – absurd! – keine keine Halion-Programme laden kann, aber eine ziemlich umfangreiche Sammlung von diversesten Standardsounds besitzt, die zum Teil aus Yamahas Motif stammen und auch ordentlich klingen. Die Bedienoberfläche ist stark vereinfacht, so dass es zu jedem Sound nur acht editierbare Parameter gibt.
Umfangreicher sind da schon die Oberflächen der drei neuen Synths Prologue, Mystic und Spector, die vergleichsweise riesig sind und beinahe die Hälfte eines 21″ Monitors einnehmen, aber sehr übersichtlich gestaltet wurden. Sie klingen alle recht gut und bieten eine solide Standardausrüstung von analogig bis digital.

Neue PlugIns
Waren die internen Cubase-PlugIns bei den meisten bisher eher selten in Benutzung, so lohnt es sich jetzt wieder, sie nochmal durchzuhören: die Auswahl wurde erweitert, der Sound zum Teil deutlich verbessert und auch das neue Oberflächenkonzept funktioniert. Der EQ ist bequem über eine große grafische Oberfläche zu editieren und auch ein brauchbarer Multibandkompressor, diverse neue Delays und ein Amp-Simulator sind an Bord.

Performance
Die Performance hat sich nicht nennenswert geändert, zumindest auf meinem G5. Das automatische Ausschalten bei Nichtbenutzung unterstützen bisher nur die Cubase-eigenen PlugIns, es fällt daher Performance-seitig nicht so sehr ins Gewicht.

Fazit
Cubase 4 kommt deutlich schlanker und eleganter daher und ist um zum Teil lange vermisste Features erweitert worden, die den Workflow, aber auch den Sound verbessern. Allerdings werden PC-seitig keine DX-Plugs mehr unterstützt und die zwischenzeitlich mal schüchtern angekündigte AU-Unterstützung auf dem Mac ist auch nicht mehr in Sicht. Mit den Preferences der Vorgänger versteht sich Cubase manchmal nicht, die sollte man unbedingt vor der Installation entfernen. Ansonsten hab ich allerdings keinen Absturz provozieren können.

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Elektronische Lebensaspekte.