Diesmal war Steinberg schneller als Apple, vormals Emagic: gut einen Monat vor Logic 7 erschien Cubase SX 3, das erste große Update nach SX 2.
Text: Benjamin Weiss aus De:Bug 87

Cubase SX 3 – die nächste Generation

Neue Features

Audio Warp
Ein lang geforderte Funktion: Timestretchen, Pitchshiften und Quantisieren von Audio in Echtzeit. Nahe angelehnt an die Vorgehensweise von Live lässt sich an Hand von Warpmarkern das Audiomaterial verflüssigen, um den Groove / die Geschwindigkeit zu ändern oder an andere Files anzupassen. Der benutzte Algorithmus klingt recht gut und ist klanglich mit dem von Live vergleichbar, SX hat aber einen entscheidenden Vorteil gegenüber Live: sind alle Modifikationen fertig, kann SX den Vorgang mit dem MPEX2-Algorithmus berechnen, der momentan der bestklingendste ist. Dafür geht das Editieren von Warpmarkern angesichts der Funktionsfülle im Audio Editor im Vergleich zu Live auch weniger intuitiv von der Hand. Insgesamt aber ein sehr gelungenes Feature, zumal weniger Prozessorleistung beansprucht wird als in Live.

Play Order Tracks
Wer beim Arrangement verschiedene Variationen ausprobieren wollte, konnte vor Cubase SX mehrere Arrangements anlegen. In SX war das aber immer ein wenig umständlicher: neues Projekt anlegen, das alte unter einem neuen Namen sichern, gleichzeitig mehrere Projekte öffnen und dann das, was man hören wollte aktivieren: ziemlich unkomfortabel. Um das Arrangieren zu erleichtern wurde in SX 3 ein neuer Tracktyp eingeführt: der Play Order Track. In ihm lassen sich Bereiche definieren, die automatisch mit a,b,c,d … benannt werden. Schaltet man nun in den Play Order Modus um, können diese Bereiche per Drag & Drop hintereinander arrangiert und nach Belieben wiederholt werden. Zum Realisieren verschiedener Versionen kann man beliebig viele Play Orders erzeugen. Dieses neue Feature vereinfacht das Arrangieren extrem, allerdings geht die Übersicht ein wenig verloren, da man das Arrangement nur hört und nicht vor sich sieht: Eine verkleinerte grafische Übersicht im Play Order Track könnte Abhilfe schaffen. Hat man sich für eine Arrangement-Version entschieden, lassen sich die Play Orders bouncen, wobei Cubase aus den Informationen ein neues Arrangement erstellt, was auch problemlos funktioniert.

Fixes und Verbesserungen des Workflows
Für alle, die mit Doppelprozessor-Mac arbeiten, war die Einbindung von Rewire-Slaves bisher eine Qual: Damit es nicht zu einer völlig verzerrten und unbrauchbaren Audioausgabe von Reason, Live und Co kam, musste zunächst die Multiprozessorunterstützung abgeschaltet werden, was natürlich auf Kosten der Leistung ging. Nach beinahe einem Jahr von Zwischenupdates ist dieses Problem nun endlich behoben. Auch Freeze wurde um ein entscheidendes Feature erweitert: Endlich können sowohl Inserteffekte als auch VST-Instrumente eingefroren werden. Bei den neuen Workspaces, die die bisher nicht gerade problemlos funktionierenden Window Sets ablösen, hat man sich neu orientiert: In einem Workspace werden Art, Größe, Position und auch die Inhalte der jeweiligen Fenster gespeichert.
Wenn ausgewählt, aktualisiert sich der Workspace ständig und bleibt damit auf dem aktuellen Stand. Bei Bedarf kann er jedoch gesperrt werden, das heißt er aktualisiert sich nicht und bleibt unverändert in dem Stadium, in dem man ihn definiert hat. Workspaces können darüber hinaus global oder auch projektbezogen sein.
Eigentlich eine nahe liegende Idee ist auch der “In Place Editor” für Midi-Spuren. Wird er aktiviert, können Midi-Daten direkt im Projektfenster editiert werden, was gerade bei der Angleichung an Audiodaten ein willkommener Komfortzuwachs ist. Mehr Übersicht schafft die erweiterte Kennzeichnung mit Farbe: Neben Parts lassen sich nun auch die Mixerkanäle farblich kennzeichnen.

Rückkehr alter Funktionen
Ein altes Feature kehrt zurück: die Mixer-Maps von Cubase VST. Unter SX 3 kann man die alten Mixer-Maps importieren oder neue Anpassungen erzeugen und damit Midi-Geräte über Bedienfelder steuern, wobei die Steuerdaten über die Automationsspuren editierbar sind. Neue Anpassungen werden in einem übersichtlichen Editor erstellt und heißen Device-Maps.

Studio Connections
Über Studio Connections sollen Yamaha Geräte enger in SX eingebunden werden können. Neben dem Aufruf von Studio Manager Modulen soll zukünftig auch für alle Hardwareparameter Total Recall und Automation möglich sein. Bisher ist die spezielle Yamaha-Studio-Software für OS X allerdings noch nicht fertig.

Audio Engine
Die Audio Engine wurde erweitert. Neben den üblichen Zuweisungen von Bussen und Ein- und Ausgängen ist vor allem die Einbindung externer Effekte ein Novum. Wahlweise mit automatischem oder definierbarem Latenzausgleich ausgestattet, lassen sich externe Effekte sowohl als Send als auch als Insert gut integrieren, vorausgesetzt die Audiokarte hat genug Ein- und Ausgänge.
Neu ist auch der so genannte Audition-Bus, über den Signale geschickt werden können, die bereits über andere Ausgänge laufen, um schnellen Zugriff beim Schnitt zu haben. Um Gruppen- und Effekt-Kanäle surroundfähig zu erhalten, lassen sich ihnen jetzt auch Sub-Busse zuordnen.

Performance & Bedienung
SX 3 ist von der Bedienung her eine große Verbesserung was Workflow und Übersichtlichkeit angeht: Play Order, farbliche Kanalmarkierung, die neuen Workspaces, die Einbindung von externen Effekten und die Wiedereinführung von Mixer-Maps tragen dazu bei. Mit Audio Warp hat man sich das wichtigste Feature von Live mit ins Boot geholt, die Implementierung ist gelungen. Fast alle Bugs wurden beseitigt und die neue Version läuft angenehm stabil, nur das Rausziehen meines Midi-Interfaces im laufenden Betrieb konnte SX 3 zum Absturz bringen. Insgesamt eine sehr gelungene neue Version mit verhältnismässig günstigen Update Preisen.

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Elektronische Lebensaspekte.