Text: paul paulun aus De:Bug 04

Oberdigitalrat Duca
von Paul Paulun

Das schwarze Doom-Shirt des Autors löst erst einmal eine Erörterung diverser Spiele wie eben Doom, Quake oder Wolfenstein und schließlich die Erinnerung an eine längst vergessene 64er-Vergangenheit aus.
Peter Weibel, ein Freund Curd Ducas, hat für die Ars Electronica eine Version von Doom erstellt, bei der man mit Blut auf Künstler schießt. Natürlich kann dabei jeder auch selber Künstler sein und alle Wände sind mit Blutbatzen übersät. Auf der gleichen Ars hat derselbe Freund das Projekt ‘Wagner’s Wahn’ realisiert, für das Duca vor Ort Opernfragmente mit seinem Powerbook gesampelt hat. So ist er auf Wagner gekommen und auf seiner CD ‘Switched-on…’ (Mille Plateaux) haben viele dieser Schnipsel eine erneute Verwertung gefunden. Paul Paulun traf sich mit dem Wiener, der mehr Identitäten zu haben scheint, als ein Michelin-Männchen Reifen um den Leib geschwungen hat.

DE:BUG: Hast Du Dich schon vorher mit Wagner beschäftigt?
CD: Nicht explizit eigentlich. Natürlich habe ich schon Klassik gehört, aber nicht als Fan, sondern eher sehr gelegentlich. Klassische Musik ist für mich einfach da als Inspiration, so wie alles, was man wahrgenommen hat. So wie Jimi Hendrix auch. Ich bin auch ganz froh, daß die Sachen da sind, auch wenn ich sie jetzt nicht unbedingt hören möchte. Mir reicht da das Bewußtsein, sie gehört zu haben und das muß man nicht aufwärmen.
DE:BUG: Was macht die ‘Easy Listening’-Reihe? Insgesamt sollten es 12 Ausgaben werden, oder?
CD: Ja, das war ein Plan von mir, weil ich dachte eine Kassette mit 12 Stück wäre eine schöne Sache. Augenblicklich reichen mir die fünf, die bis jetzt da sind, weil ich auch noch andere Sachen tun will und jetzt unterbreche ich das Projekt erst einmal.
DE:BUG: Du selbst beschreibst diese Reihe als psycho-analytische Aufzugsmusik…
CD: Da steckt viel von mir drin an teilweise verschütteten Klängen der Easy Listening Zeit, die ich aus 1. Hand miterlebt und dann wieder ausgebuddelt habe. Bei mir geschah das allerdings alles aus der Erinnerung, also z.T. die falschen oder ungenaue Erinnerungen, die dann viel besser waren als das, was ich mir wieder angehört habe. Henry Mancini, Burt Bacharach oder Bert Kaempfert heute zu hören ist für mich ziemlich enttäuschend. Da habe ich lieber aus dem geschöpft, wie ich geglaubt habe, daß sie sind. Ich möchte die auch gar nicht wieder aufwecken. Meinen Stücken liegen da eher Sentimentalitäten, psychische Reisen und auch Aufarbeitungen zugrunde. Ich mag an ihnen das Abgründige, leicht Bedrohliche.
DE:BUG: In welcher Richtung arbeitest Du im Augenblick?
CD: Da ist noch alles offen. Der nächste Release auf Mille Plateaux sollte eigentlich schon vor einem halben Jahr draussen sein, verzögert sich aber ständig. Er wird dann rhythmischer und auch härter sein. Ich probiere da noch viel neues aus. Auf Asphodel ist seit 2 Jahren ein Release projektiert, aber einfach, wie so vieles, liegengeblieben. Ansonsten habe ich gerade begonnen Remixe zu machen…
DE:BUG: … Du auch?
CD: Ja, seit einem Monat. Zuerst einen von Tipsy und jetzt die Merricks für Disko B.
DE:BUG: Wie gehst Du da mit dem Gesang um?
CD: Da gab es keinen Gesang. Ich hab erst gedacht, ich laß ihn mir schicken, ohne da an eine konkrete Verwendung zu denken, denn mit Stimmen gehe ich eher vorsichtig um. Ansonsten interessieren mich momentan mehr rhythmischere Sachen, die nicht so sehr auf Samples aufgebaut sind. Ich probiere gerade viel aus und z.T. sind die Sachen in den Remixen schon angelegt.
DE:BUG: Hättest Du Interesse an Drum’n’Bass Remixen?
CD: Schon, aber nicht an den finsteren Sachen. Ich habe generell wenig Zugang zum Finsteren und steuere instinktiv dagegen, selbst bei härteren und schnelleren Sachen. Ich mag einfach nicht ins Düstere kippen. Viele tun das und ich respektiere es, aber ich will einfach nicht in diesem Gefühl schwimmen. Vielleicht bin ich da 80er Jahre geschädigt. Selbst meine damalige Lieblingsband ‘Residents’ kann ich heute nicht mehr hören. Ich habe es neulich noch mal versucht und bin richtig erschrocken. Das Zeug nervt mich einfach.
DE:BUG: Du hast in den 80ern auch in Bands gespielt. Eine von denen soll nur ZZ-Top Cover gespielt haben…
CD: Ja, das war lustig, aber nur ein kleines Nebenprojekt. Da haben zwei Freunde aus Wien angerufen und gesagt, daß sie in einer Woche einen Auftritt haben und wir ZZ-Top einüben müssen. Ich kannte die ja gar nicht. Gut, ich wußte, daß sie diese Bärte hatten, aber die Stücke? Die habe ich dann alle von Cassette aus eingeübt. Nach zwei Proben haben wir gespielt. Ich Gitarre und Gesang. Das hat viel Spaß gemacht. Die ernsthafte Band in den 80ern war ‘Auch wenn es seltsam klingen mag’, was musikalisch so zwischen NDW und New York Noise lag, eine wilde Mischung. Wir haben das damals sehr ernst genommen, drei Jahre zusammengehangen und an dem Projekt gebastelt ohne jemals an Veröffentlichungen zu denken, wohingegen heute jeder schon über Label nachdenkt, bevor er überhaupt ein Instrument in die Hand nimmt. Dementsprechend war die Philosophie damals eine ganz andere. Das wichtige war eigentlich der Moment des Machens. Das Aufzeichnen störte die ‘Reinheit’ des ganzen und wurde gar nicht hochgeschätzt.
DE:BUG: Eigentlich nur ein Mittel zur Dokumentation anhand dessen man an den Stücken arbeitet…
CD: Ja genau. Heute ist dagegen alles überfüllt und irgendwie ermüdend… Also mich macht’s fertig. Wenn ich jede Platte nur eine Minute anhöre, komme ich trotzdem nicht mit.
DE:BUG: Wie kamst Du dann zur Computermusik?
CD: Danach gabs erst noch eine Rockband und dann habe ich mir ein Sampling-Keyboard gekauft, an dem ich Stücke nachgebaut habe. Von da aus bin ich einfach so reingerutscht, habe so um 1990 mehr mit Samples gearbeitet. Dann habe ich mir einen Computer gekauft, ohne eigentlich zu wissen, was man damit macht. Zuerst einen Atari und als der dauernd kaputtging, einen Mac.
DE:BUG: Du schreibst auch Filmmusiken?
CD: Schon lange nicht mehr. Ich habe es zwar gerne, wenn Leute sagen, daß meine Sachen wie Filmmusik klingen und wenn sie dafür verwendet wird, aber umgekehrt kann ich schwer arbeiten. Also ein Bild haben und dazu eine Stimmung erzeugen sollen: Stress! Das tue ich nicht gerne.
DE:BUG: Wofür hast Du es gemacht?
CD: Es gab einen Spielfilm vor drei Jahren, ein Video, einen Kurzfilm, zwei Dokumentationen, also sehr verstreut.
DE:BUG: Wie bist du in die Wiener Clubszene involviert?
CD: Wir hatten gerade im Sommer ein 14-tägig stattfindendes Elektronikfestival im Freien in einem kleinen Park, in dessen Rahmen ich gespielt habe. Organisiert wird es von den Leuten, die auch das ‘Phonotaktik’ gemacht haben und sie haben auch Leute von ausserhalb eingeladen.
An Clubs gefallen tut mir noch der Sonntag im ‘Flex’. Das ist ein ehemaliges Punklokal, in dem jetzt sehr viele elektronische Sachen laufen. Die Veranstaltung heißt ‘Soft Egg’ und das Logo ist an das vom ‘Hard Rock Café angelehnt. Der DJ ist gleichzeitig Conferencier und spielt alles von Schlagern bis zu hartem Techno.
Ansonsten arbeite ich eigentlich die ganze Zeit an meiner Musik, wenn ich in Wien bin oder optimiere mein Set-Up im Studio. Da bin ich totaler Workaholic.
DE:BUG: Welche Musik findest Du zur Zeit am interessantesten?
CD: Im Moment entdecke ich sehr viele Anregungen. Das läuft ja immer in Zyklen. Nach langweiligen Zeiten zieht es dann wieder an. Vielleicht liegt es aber auch nur an meiner persönlichen Wahrnehmung, aber seit dem letzten Jahr tut sich da einiges, finde ich.
Augenblicklich gefällt mir der Hans Platzgumer sehr gut. Er hat da einen Ausdruck gefunden, von dem es längst überfällig war, daß ihn mal jemand entdeckt. Mit dem Stilmittel kann er jetzt Dutzende von Platten machen. Das ist alles so fertig und reif. Beneidenswert!
Wer mir noch sehr gut gefällt, ist der Fennesz.
DE:BUG: Was hältst Du von den Sachen aus dem Cheap-Umfeld?
CD: Die mag ich schon auch. Mit denen habe ich eh den meisten Kontakt und bin oft bei ihnen im Studio, während sie mal wieder einen Track abmixen.
DE:BUG: Ab November bist Du seit einigen Jahren immer in Miami, Florida. Warum gerade da?
CD: Weil es da am wärmsten ist. Ich bleibe dort jeden Winter für 5 Monate und mache kleine Abstecher nach New York und L.A. In Miami kenne ich ein paar Leute, die ich recht gerne mag, im Februar ist dort ein Ambientfestival, wo ich auch spiele und ansonsten ist da nicht viel los. Vor allem kulturell nicht. In erster Linie bin ich da zum Chillen, ab und an Sport machen, Kaffee trinken gehen, Fernsehen schauen und natürlich auch Musik machen.

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Elektronische Lebensaspekte.