Klassische Synthese im Verbund mit erstklassiger Perfomance-Kontrolle: Das verspricht Cycling 74 für ihr neues Baby "Mode". Drei Soft-Synths und zwei Effekt-Einheiten bilden den Kern des neuen Pakets, das durch zahlreiche Extra-Plugs einen ziemlich dicken Eindruck macht. Made with Pluggo, womit auch sonst!?
Text: Thaddeus Herrmann aus De:Bug 83

5 glorreiche Halunken
Cycling74s “Mode”

Die Entwicklung von Mode haben Cycling74, die Hüter des heiligen MAX/MSP-Grals, sehr galant outgesourced: CreativeSynth.com haben das Paket, komplett auf MAX/MSP und Pluggo basierend, erdacht und nutzen nun die etablierten Vertriebswege für dieses Joint Venture.
Mode teilt sich in fünf große und einen ganzen Haufen kleinerer PlugIns.

Was drin ist …
“Poly” ist, wie der Name schon vermnuten lässt, ein polyphoner Synth. Zwei Oszillatoren mit insgesamt 24 Wellenformen stehen zur Verfügung bei maximal zwölf Stimmen. Im sehr übersichtlichen Design findet man sich schnell zurecht und wünscht sich einfach nur einen schnelleren Rechner. Hier muss nachgebessert werden. Auf meinem Powerbook G4/1 GH unter Logic Audio 6.3.3 ist bei vier Stimmen eigentlich schon Schicht. Aber nicht den Mut verlieren und Audio einfrieren, was das Zeug hält. Die Presets machen Spaß und der umfangreiche Arpeggiator ist der Killer.

“Mono” ist die monophone FM-Erweiterung für “Poly” mit reichlich Distortion und Stereo-Delay. Wie man es aus dem Randomizer von Pluggo kennt, kann die Distortion-Kurve hier per Maus eingezeichnet werden. “Mono” ist die definitive Bleep-Maschine. Auch hier sorgt der integrierte Arpeggiator für Bewegung, High-, Band- und Tiefpass tun ihr Übriges. Die CPU wird deutlich weniger gefordert und ich habe diese Dreckschleuder schon in mein Herz geschlossen.

“Bang” ist eine Teufelskiste, die aus jedem Percussion-Sound ein Monster baut. Mit Hilfe eines FM-Operators, einer analogen Einheit und einer dreifachen DADSR-Hüllkurve kann selbst der langweiligste Snare-Schlag in ein heulendes Ungetüm verwandelt werden.

Hat man seine Edits fertig, könnte “Spin” ins Spiel kommen. Dieses Synchronisations-Multitalent bietet 32tel-Auflösung und kann den Effekt in jeglicher Länge loopen, d.h. ein Effekt-Durchlauf ist nicht an die Patternlänge geknüpft, sondern frei wählbar. So kann der Filter zum Beispiel 13 von den 32 Steps betreffen, der Stereo-Panner aber 19 von 32. So entstehen wunderbar lebendige Bewegungen. Das Filter bietet Tief-, Band- und Hochpass und zusätzlich einen Notch. Einzigartig auch das Volume-Gate, mit dem sehr schöne Lautstärken-Kurven erzeugt werden können.

“Wash” bildet den Abschluss der “großen 5” von “Mode”. Hier wurden sechs Delays, eine 8×8-Patchbay und ein Mixer zusammengefasst. Das Delay kann entweder per Tap manuell eingegeben werden oder pro Kanal einzeln gesteuert werden. Über die “Lock”-Funktion können Loops erzeugt werden und sogar Overdub-Aufnahmen sind möglich.

Wie es sich beträgt …
Alle fünf Plugs machen einen sehr guten Eindruck und laufen ziemlich stabil, für eine 1.0-Version auf jeden Fall überzeugend. Einzig bei der Performance hoffe ich auf Optimierung und Nachbesserung. Zum Absturz kann es kommen, wenn im laufenden Betrieb innerhalb der Presets umgeschaltet wird. Man kennt das von Pluggo. Es macht KNACK und dann ist Stille auf dem Bus. Da MAX/MSP für mich ein Buch mit sieben Siegeln ist, kann ich nur schwerlich nachvollziehen, woran das liegt.

Wir sind noch nicht fertig …
Eine äußerst praktische Idee von CreativeSynth war, einzelne Module aus den großen Plugs auszukoppeln und als Einzelteile dem Paket beizulegen. So finden sich nach der Installation neben den bereits beschriebenen PlugIns noch 18 weitere Einzelteile: Drumcomputer, Sampler, Delays, Monosynths, Distortionfilter, eine kleine Version des Poly-Synths, Chorsu, die einzelnen Module von Spin und eine kleine Version von Wash. Gute und praktische Idee, gerade wenn man viele PlugIns in der Kette hat und der Rechner schlapp zu machen droht. Prima.

200 Dollar ist nicht wenig Geld, dennoch denke ich, dass der Preis für diese Sammlung an unkonventionellen PlugIns angemessen ist. Unbedingt Demo checken!

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Elektronische Lebensaspekte.