Der Hanauer Andreas Mügge aka D.Diggler schafft Klarheit. Sein neues Album "Atomic Dancefloor" vergrault alles Poppige, schaltet eine Kompressoren-Armada zwischen und verlegt die Atombombenversuche in den Club. Boogie Nights für Mark Wahlberg und andere wild Entschlossene.
Text: Jock Landesvatter aus De:Bug 52

House

Die Rückkehr des Boogie-Knights
D. Diggler

Fast skeptisch tritt man mittlerweile neueren angedubbten Tech-House-Releases entgegen. Zu oft klingen besonders die Chord-Sounds der Tracks zu ähnlich, und Mangel herrscht an Labels dieser Stilrichtung hierzulande auch nicht gerade. Trotzdem können Platten dieser Sparte nach wie vor überzeugen. Gelungenes Beispiel dafür ist die neue LP “Atomic Dancefloor” des Hanauers Andreas Mügge alias D. Diggler auf dem Frankfurter a.M. Label “raum…musik.”. Er tappt mit seinen Tracks nicht in die Easy-Listening-Dub-Techno-Falle, in der viele mit minimalen Beats und repetitiv-delayschwangeren Chordläufen vor sich hindümpeln. Diggler kickt den Sound zurück auf die Dancefloors, nachdem seine Debut-LP “Feel My Heat” zwar voller Hits war, aber nach Meinung Digglers auch zu gefällig ausfiel:
“‘Atomic Dancefloor ist etwas Neues, der Sound ist neu. Poppig-süßliche Tracks wie auf der ‘Feel my Heat’ wird man nicht mehr finden. Ich wollte einfach eine Weiterentwicklung! Es ist generell clubbiger geworden, druckvoller, tiefer und einfach intensiver. ‘Feel my Heat’ war ja schon eine CD, die man im Kaufhaus auch beim Klamottenkaufen aus den Lautsprechern hätte hören können. Genau aus diesem Grund wollte ich die Musik intensiver machen. Ganz wichtig ist deswegen auch die allgemein verbesserte Klangqualität. Mit eigenem Mastering konnte ich das Druckvollste rausholen. Darum ‘Atomic Dancefloor’.”
Wie viele andere fand auch Diggler den Weg zum dubbigen Techno-Sound über das stilprägende Berliner Label “Basic Channel”.
“Begeisternd war schon immer die Erstellung einer gewissen Monotonie in den Tracks, die durch nur kleine dubbige Veränderungen eine Atmosphäre schafft, so dass es selbst nach 10 Minuten nicht langweilig wird. Meistens fehlt mir in Techno-Tracks eine gewisse Art von Wärme oder einfach nur die Struktur, die mir persönlich schon sehr wichtig ist. Das herzlose Loop-Techno-Gedonnere, da kann ich mich als gelernter Schreiner auch neben eine Kreissäge stellen. Das ist für mich keine Musik, abgesehen davon, dass diese Stilart am allereinfachsten und -schnellsten zu produzieren ist.”
Digglers Produktionsweise ist stark von Hardware-Synthesizern geprägt: “Ich habe mir über die Jahre hinweg ein sehr großes ‘Lager’ an Synthesizern zusammengesammelt, so dass ich mir meistens ein Gerät vornehme und solange daran rumschraube, bis ich was Cooles gefunden habe, das eventuell als Haupt-Thema zu gebrauchen ist. Wenn das dann erfolgreich war, besteht eigentlich der Hauptteil der ganzen Angelegenheit darin, zu erkennen, in welche Richtung es geht und dementsprechend alle Sounds und Effekte in die richtige Bahn zu kneteten. Wichtig für mich ist, dass eine gewisse Kommunikation zwischen den Sounds stattfindet. Wenn man genau hinhört, könnte man fast annehmen, die Sounds würden sich gegenseitig antworten. Auf der ‘Atomic Dancefloor’ ist kein einziges Sample verwendet worden. Die Klänge kommen alle aus digitalen Klangerzeugern mit analogen Effekten, wobei einige Klangverbesserer wie zum Beispiel mehrere in Reihe geschaltete Kompressoren für den letzten Schliff sorgen.”
Dub- und Reggae-Grooves werden von Diggler auf Atomic Dancefloor mit kickenden Beats und oft treibenden Perkussion-Arrangements verknüpft. Die Einordnung seiner älteren Tracks in die “Pop”-Sparte kann er trotz aller Leichtigkeit der Sounds nicht verstehen.
“Es war für mich schon immer sehr wichtig, gewisse Dub-/Reggae-Elemente mit einzubauen, weil diese eine ganz bestimmte, warme Stimmung erzeugen, die oft einen Track erst ausmachen. Klar, dass da auch oft von Pop gesprochen wird.
Für mich ist Pop aber etwas völlig anderes. Backstreet Boys, Madonna und Co, und ich kann diese Art von Kategorisierung eigentlich nicht verstehen.” Neben dem Produzieren ist Diggler auch als DJ unterwegs, doch er legt nicht unbedingt den unbeschwerten ‘Cherrypoppers’-Piano-Swing seiner ersten LP auf.
“Der Sound der neuen LP, hat sich vermutlich auch deshalb in eine clubbigere Richtung entwickelt, da ich als DJ immer etwas härter spiele. Es ist eine gesunde Mischung aus groovigem Techno und House – ‘Tech-House’.
Wenn ich irgendwo gespielt habe, hatte ich oft das Problem, dass die Leute den ‘Pop-Diggler’-Sound hören wollten. Den hab ich nur leider nie wirklich richtig gespielt. Klar waren da immer mal melodiöse Sachen dabei, aber den Leuten war es oft auch zu hart. Ich denke, dass mit den letzten Releases auf den Labels ‘Episode’, ‘Punkt’ oder ‘Konfekt’ und mit der neuen LP eine Richtung angegeben ist, die ich bestens mit meinem DJ-Dasein verbinden kann.”
Viele kickende Club-Tracks, die gelegentlich an den Drive seliger Acid-House-Zeiten erinnern, zielen auf Atomic Dancefloor mit ihren Lanzen auf das Herz des Dancefloors. Der Boogie Knight in vollem Galopp.

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Elektronische Lebensaspekte.