Text: Harald Peters aus De:Bug 69

You only live twice
DAF mit 15 neuen Liedern

Kommen wir in unserer beliebten Reihe “Dinge, die wir so nicht wollten” nun zu dem angekündigten Comeback von DAF. Die mit Weltruhm gesegnete und zwischenzeitlich zu Recht verehrte Band, die sich 1985 eigentlich nach achtjährigem Bestehen und etwa fünf Alben gerade noch rechtzeitig auflöste, macht ihre Drohung nun wahr und veröffentlicht Ende Februar ein weiteres Werk. Besonderer Anlass dürfte dafür das längst im Abflauen begriffene 80er-Jahre-Revival, diese rätselhafte Electroclash-Sache sowie das “Verschwende Deine Jugend”-Buch sein, in dem auch DAF eine verdienstvolle Rolle spielen. Bereits während der vergangenen Love Parade wussten Robert Görl und Gabi Delgado-Lopez, die man bis dahin für hoffnungslos zerstritten hielt, im Berliner Casino ihren ersten öffentlichen Auftritt feierlich zu begehen. Dieser geriet laut Zeugenberichten noch katastrophaler als erwartet und spielte sich bei denkbar schlechtem Sound in erster Linie vor den Augen gleichmütig desinteressierter Teenager ab, die verständlicher Weise eigentlich nur ihren kleinen Megaave wollten und keine alternden Elektronik-Pioniere, die sich für ihre Rückkehr offenbar den falschen Club ausgesucht hatten.

Sportliches Pumpen von gestern

Das hielt Görl und Delgado-Lopez jedoch nicht davon ab, ihr Comeback auch weiterhin für eine gute Idee zu halten, die, wie eine erste Hörprobe unlängst bestätigt, nur leider keine besonders gute Idee ist. Das Album “15 neue DAF Lieder” bietet zwar, wie versprochen, 15 neue DAF Lieder, doch das Problem ist, dass sie leider nicht allzu neu klingen. Tatsächlich klingen sie sogar überhaupt nicht neu. Hätten DAF sie vor 17 Jahren veröffentlicht, wären sie wahrscheinlich nicht weiter aufgefallen. Heute fällt hingegen unangenehm auf, dass auch das DAF’sche Oeuvre nur bedingt mit der Gunst der Zeitlosigkeit gesegnet ist. Genauer gesagt wirkt nämlich die in typischer DAF-Manier sportlich pumpende Elektronik in Kombination mit beklagenswert dummem, quasi-provokativem Textwerk heute peinlich und unsagbar gestrig. Man kann sogar sagen, dass das nicht gerade unpeinliche Gabi Delgado-Lopez-Soloalbum “Der DAF/DOS Staat”, 1999 unter dem Namen DAF/DOS veröffentlicht, im Vergleich zu “15 neue DAF Lieder” geradezu ausgesucht frisch klingt. Der einzige Trost, den das neue Werk bietet, ist der Umstand, dass DAF sich neben Fehlfarben, Soft Cell, Anne Clark, Tuxedomoon und anderen Untoten mit ebenso unsinnigen wie gescheiterten Comebackabsichten in absolut bester Gesellschaft befinden.

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Elektronische Lebensaspekte.